Sonntag 20.03.11, 20:05 Uhr
Der ärztliche Rat des IPPNW:

Die beste gesundheitliche Prophylaxe: Atomkraftwerke abschalten!

Rund 3.000 Menschen demonstrierten heute vor dem Bochumer Rathaus für den Ausstieg aus der Atomenergie. Stefan Laurin schreibt in einem  Beitrag bei den Ruhrbaronen über die Rede der Oberbürgermeisterin: »Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) forderte in einer Rede die Bundesregierung auf, “eher schneller als langsamer” aus der Atomkraft auszusteigen. Sie erinnerte an die 70 in Bochum lebenden Japaner und die Partnerschaft der Ruhr Universität mit der Hochschule in Fukushima. Heute, sagte Scholz, sei eine Stunde der Trauer und der Demut. Über die Beteiligung der Stadt Bochum am Stromkonzern RWE, der auch Kernkraftwerke betreibt, sagte sie nichts. Auch zum Kauf von Steag-Anteilen durch die Stadtwerke, die auch im Nuklearbereich tätig ist, fiel kein Wort. Und auch nicht darüber, dass die Stadtwerke noch immer fast 20 Prozent Atomstrom nutzen. Aber das wäre ja nicht demütig gewesen, sondern politisches Handeln.« Im überregionalen Teil der WAZ wird auf den Redebeitrag des DGB-Vorsitzende in NRW Andreas Meyer-Lauber eingegangen: »Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften seien „entsetzt über die Katastrophe in Japan”. Die Ereignisse in dem Kraftwerk Fukushima zeigten, dass „Atomenergie niemals sicher sein kann”. Die nach dem Moratorium der Bundesregierung vorübergehend abgeschalteten Atomkraftwerke dürften nie wieder ans Netz gehen, forderte der DGB-Landeschef. Er machte die „Profitgier einiger Konzerne” und deren Parteispenden dafür verantwortlich, dass es „25 Jahre nach Tschernobyl noch immer 17 Atomkraftwerke in Deutschland gibt”.« Max Florian Kühlem geht in seinem Artikel in den Ruhr Nachrichten auf einen Zwischenruf des Veranstalters der Demonstration ein: »Michael Hermund (DGB) brach die Diskussion auf die lokale Ebene herunter und griff den Bochumer CDU-Vorsitzenden Christoph Konrad an, der die Kundgebung im Vorfeld als „scheinheilig” bezeichnet habe.« Hermund empfahl dem CDU-Politiker, auf die vielen Mitglieder seiner Partei zu hören, die einfach Angst vor der Atompolitik von Schwarz-Gelb haben. Peter Scheffler, Superintendent der ev. Kirche in Bochum erinnerte in seiner Rede an ein Zitat von Adalbert Stifter: »Es gibt Dinge, die man fünfzig Jahre weiß und im einundfünfzigsten erstaunt man über die Schwere und Furchtbarkeit ihres Inhalts.« Er wandelte es um: »Es gibt Dinge, die wir 25 Jahre lang wissen, und im 26. Jahr erstaunen wir über die Furchtbarkeit ihres Inhalts. Seit 25 Jahren wissen wir, wie furchtbar die friedliche Nutzung der Kernenergie sein kann. Und jetzt, kurz vorm 26. Jahr, erstaunen wir darüber und sind erschüttert, wie furchtbar die Bedrohung für die Menschen tatsächlich ist.« Die bemerkenswerteste Rede hielt sicherlich Ingo Bonde vom IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges). Er machte deutlich, wie lächerlich es ist, wenn Menschen Bio-Obst kaufen, ins Fitness-Studio gehen oder andere Bemühungen für ihre Gesundheit betreiben, aber sich nicht für die Abschaltung aller Atomkraftwerke einsetzen. Die wirksamste Prophylaxe im Gesundheitsbereich sei die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke. Er freue sich über alle PolitikerInnen, die Fehler in der bisherigen Atompolitik eingestehen. Doch er bleibe äußerst skeptisch, bis diesen Worten auch Taten folgten. Dr. Bonde hat versprochen, sein Rede-Manuskript zur Verfügung zu stellen, damit es an dieser Stelle veröffentlicht werden kann.

 
 
 
 


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