Samstag 04.12.10, 18:12 Uhr
Bochumer Katholikenrat will konfessionsfreie Eltern bevormunden

Religion als Bildungsauftrag in Kitas?

Am 12. November hatte sich WDR Moderatorin Catherine Vogel in der “Aktuellen Stunde” darüber mokiert, was in einer Bochumer Kindertagesstätte passiert war: “In manchen städtischen Kindergärten oder Kindertagesstätten hat man Sankt Martin gekündigt. Dort findet der Zug statt, aber eben ohne den heiligen Mann auf dem Pferd und es heißt dann Laternenfest. Dabei wollen die Kindergärten ihre religiöse Neutralität waren, so wie in einer Kita in Bochum.” Am 26. November legte der örtliche Katholikenrat nach. In einer Pressemitteilung heißt es: “Die Katholikenratsvorsitzenden Lothar Gräfingholt und Dr. Maria Petermeier stimmt der Trend nachdenklich, dass christliche Feste keinen festen Platz mehr im gesellschaftlichen Leben haben. [...] Auch städtische Einrichtungen haben aus Sicht des Katholikenrates im Rahmen ihres Bildungsauftrages die Sorgfaltspflicht jungen Menschen zum Verstehen und Erlernen von Religion sowie Kultur ihrer Heimat beizutragen.” Als CDU-Ratsmitglied hat Gräfingholt auch eine Anfrage an die Verwaltung zu dem Thema gestellt. Die Ruhr Nachrichten nehmen heute das Thema auf und fragen ganz besorgt: “Laternenumzug ohne Sankt Martin? Weihnachten ohne Jesus Christus?”
In der Berichterstattung wird nicht erwähnt, dass die meisten Kitas in Bochum in kirchlicher Hand sind. Mehr als 50 Kitas sind katholisch. Die Kosten tragen weitgehend Stadt, Land und Eltern. Die Kirchen haben aber das Sagen. Sie dürfen Nicht-Gläubige diskriminieren und Beschäftigte, die sich nicht an die kirchlichen Normen halten, entlassen.
Wenn dann in einer von ca. 175 Bochumer Kitas Eltern und ErzieherInnen beschließen, dass den Kindern religiöse Rituale und Feierlichkeiten erspart bleiben und durch andere Feste ersetzt werden sollen, dann wird von den Kirchen und ihren JournalistInnen Empörung inszeniert. Doch das wird ihnen nicht wirklich helfen. Auch die Bochumer Zahlen machen das deutlich. Laut statistischem Jahrbuch sank die Zahl der KatholikInnen und ProtestantInnen von 264.195 im Jahr 2004 auf 243.633 im Jahr 2009. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Konfessionsfreien und Andersgläubigen von 117.530 auf 124.546. Dieser Trend hat sich 2010 weiter verstärkt.
Bei der Recherche zum Thema stellte die Redaktion fest, dass es in Bochum erhebliche Unterschiede zwischen den Stadtbezirken in Sachen Religionszugehörigkeit gibt:

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5. Dez. 2010, 11:38 Uhr

LeserInnenbrief von ubu:

Feste und Feiertage haben hier ihre Berechtigung allein dadurch , dass sie dem Kapital nützlich sind. Der Buss- und Bettag hatte keinerlei kommerzielles Potential und wurde wie zahlreiche andere kirchliche Feiertage abgeschafft. Was gab es früher viele, als die Kirche noch Macht hatte. Bei den Sonntagen gibt es in unserer Kultur dann das Dilemma, dass sie einerseits als Ruhetage einst hegemonialer Gottheiten zu feiern sind, andererseits aber dadurch dem ungestörten Konsumieren als Dienst am heute mächtigsten Gott, Mammon, im Wege stehen.
Als erster kriegte der Blumenhandel ab ca. 1970 mit, dass mit dem Valentinstag gute Geschäfte zu machen sind, andere Branchen zogen nach. Halloween erwies sich als weitere Goldgrube, wobei bei diesem Fest Elemente des Dreikönigstages und der Fastnacht fröhlich einfliessen. Ein heisser Tip : Es gibt auch einige äusserst lukrative Feiertage, die aus der Muslimwelt für Gott Mammon dienstbar gemacht werden können, was sie bei den Allahgläubigen schon sind.
Die Bindung eines Festes an einen bestimmten Gott ist eh auch historisch nicht unauflöslich. Alte Feste und Riten früherer hier herrschender Religionen, wie Wintersonnenwende, Frühlingsbeginn usw wurden durch die Christen oft auf sehr blutige Weise in Beschlag genommen. Es steht den Menschen bei Gott Mammon frei, ob sie das grosse Konsumfest mit einem Jesus oder als Lichterfest verbrämen. Und man schaue sich mal die Kindheit diese Jesus an , wie sie im Thomasevangelium überliefert ist. Da lässt der kleine Jesus ein anderes Kind zu Tode verdorren, weil es ihn beim Spielen störte. Ein reizendes Vorbild. Da hat es doch einiges für sich, lieber zu feiern, weil die Tage wieder länger werden.


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