Freitag 21.12.07, 10:00 Uhr
Kommentar der Redaktion zum Finanzskandal an der Ruhr-Uni

Die Mensapleite von Elmar Weiler und Axel Schäfer

Was wäre wohl passiert, wenn erstmals nach 25 Jahren wieder ein linker AStA an der Ruhr-Uni gewählt worden wäre und er dann 200.000 Euro verzockt hätte, Teile der Barkasse verschwunden wären und es zahlreiche Rechtsverstöße (fehlende Ausschreibungen) gegeben hätte und das Studierendenparlament nicht in der Lage gewesen wäre, einen neuen AStA zu wählen? Wahrscheinlich hätte das Rektorat als Rechtsaufsicht einen Staatskommissar eingesetzt. Nahe liegender Weise hätte das eineR der alten rechten AStA-Vorsitzenden sein müssen, die bewiesen haben, dass sie ihren Job geregelt kriegen.
Es gibt aber keinen linken sondern einen rechten AStA und RUB-Rektor Elmar Weiler ist inzwischen sicherlich bewusst, dass er seiner Uni einen großen Imageschaden zugefügt hat, indem er diesen rechten AStA derartig gehätschelt hat. Aber er will seinen Fehler nicht eingestehen. Es könnten ja Fragen aufkommen, ob die ganz offensichtliche Selbstüberschätzung von Jusos/Rubrosen und RCDS bei der Mensa-Party-Planung nicht erst möglich geworden ist, weil das Rektorat diesen willfährigen AStA immer wieder völlig unkritisch ermutigt hat. Nie zuvor in der Geschichte der RUB hat ein AStA soviel Wohlwollen durch die Uni-Leitung erfahren.
Der Rektor hat sich einfach gefreut, dass im Mai die WiderständlerInnen aus dem AStA und von der Freien-Uni endlich weg vom AStA-Fenster und aus dem Querforum waren und von dort nicht länger seine nicht weniger gigantischen Elite-Pläne störten. Aber auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer wurde nicht müde, immer wieder an die Uni zu wieseln, um seinen jungen Parteifreund Ferber tatkräftig zu unterstützen und in seinen eitlen Plänen zu bekräftigen. Ohne das begeisterte und völlig unkritische Feedback von SPD und Unileitung wäre selbst ein Fabian Ferber nicht derartig abgehoben und hätte ein Mindestmaß an Bodenhaftung behalten.
Und was passiert nach dem Flopp? Selbst JournalistInnen, die es besser wissen, beteiligen sich an der von den Jusos als Ablenkungsmanöver inszenierten Diskussion darüber, ob nicht die linke Opposition durch ihre frühzeitige Kritik an der desaströsen Mensaparty-Planung mitverantwortlich für das mangelhafte Publikumsinteresse und damit für das Mensaparty-Debakel ist.
Wäre so ein Diskurs auch vorstellbar, wenn eine rechte Opposition die Öffentlichkeit bereits ein Vierteljahr vor dem Finanzdesaster auf die skandalöse Planung eines linken AStA aufmerksam gemacht hätte? Die Linken würden belehrt, dass es doch die Funktion der Opposition sei, auf solche sich abzeichnenden Skandale aufmerksam zu machen, ja dass es geradezu vorbildlich gewesen sei, wie die Opposition ihre Wächterin-Funktion ausgeübt hätte. Fazit: Die Linken seien wieder einmal schlechte DemokratInnen.
Fakt ist: Spätestens nach der SP-Sitzung am 29. September und nach dem Bericht von AStAWatch vom 2. Oktober konnten weder Weiler noch Schäfer sagen, dass sie nichts wissen konnten. Höchstens der RCDS könnte tatsächlich mehrheitlich so dumm sein, wie er sich jetzt gibt, um alle Mitverantwortung von sich zu weisen. Für die meisten im RCDS mag man das glauben. Aber dass es in dieser Ausbildungstruppe für CDU-Kader keine einzige Person mit einem bisschen Durchblick geben soll, darf doch wohl nicht wahr sein.
Die Linke an der Uni wäre gut beraten, wenn sie noch deutlicher machen würde, dass für den Finanzskandal nicht nur das persönliche Versagen einiger an Selbstüberschätzung leidenden Personen verantwortlich ist. Aufgabe linker Politik ist es, über die Strukturen und Interessen aufzuklären, die so etwas ermöglichen. Auch das Rektorat und die SPD müssen in die Verantwortung gezogen und ihre durchsichtigen Interessen an einer Figur wie Fabian Ferber müssen thematisiert werden.

 
 
 
 


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