Mittwoch 12.12.07, 14:00 Uhr
Ausstellung mit Bildern von Flüchtlingen aus der Kunsttherapie

„Ich kann wieder Kraft spüren“

mfh-ausstellung.jpgAus Anlass des Internationalen Tages der Menschenrechte hatte die medizinische Flüchtlingshilfe am vergangen Sonntag zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Hierbei wurde eine Kunstausstellung mit Werken aus der Kunsttherapie sowie die Wanderausstellung der UNO-Flüchtlingshilfe mit Kunststücken von Flüchtlingsfrauen mit dem Titel „Trotz allem-ich lebe“ eröffnet.
„Meine Probleme sind zwar nicht gelöst, aber ich fühle mich besser und kann wieder meine Kräfte spüren“, das sagt die Mutter der Familie Karim. Die Karims waren 2002 aus dem Irak geflohen, nachdem Milizen eine Tochter vergewaltigt und getötet hatten. Mit Unterstützung der Medizinischen Flüchtlingshilfe (MFH) begann die Familie eine Kunsttherapie, um ihre Erlebnisse verarbeiten zu können.
„Während der Therapie sind innere Bilder entstanden“, berichtet Elke Lorek, eine der betreuenden Kunsttherapeutinnen. „Sie zeigen Wut, Trauer, Schmerz und Verlust“. Aber durch die Therapie habe die Familie die Möglichkeit, sich ihre Gefühle selbst begreiflich zu machen, um sie dann für sich annehmen zu können. Bis heute hat die Familie keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, sie wartet alle drei Monate auf einen Bescheid vom Amt. Und sie läuft jedes Mal wieder Gefahr, abgeschoben zu werden, weil das Gericht ihnen keinen Glauben schenkt. „Diese Menschen haben eine unsagbare Entwurzelung erfahren“, erklärt Lorek, „sie stehen permanent unter höchster Anspannung“. Auch deshalb dankte sie der Familie für den Mut, diese persönlichen Bilder auszustellen.
Die Bilder, gemalt mit Bunt- oder Filzstiften sowie Wandfarbe, zeigen Momente: In denen die älteste Tochter Silvester vorbereitet – denn das hat sie jedes Jahr gemacht. Einen Ort im Grünen, an dem sie als Kinder oft ein Picknick gemacht haben – damals, als die Welt noch in Ordnung war. „Zu dem Trauma in der Heimat erfahren die Flüchtlinge hier das, was wir Re-Traumatisierung nennen“, erklärte Dagmar Boettcher, Psychologin der MFH. „Sie haben wegen des ungeklärten Aufenthaltsstatus keine Sicherheit, bekommen niemals Ruhe in ihr Leben.“ Um unter diesen Bedingungen innere Stabilität zu gewinnen und Erlebnisse verarbeiten zu können, sei Kunsttherapie eine geeignete Methode. Überzeugen davon können sich die BesucherInnen noch bis zum 21. Dezember, immer montags bis donnerstags von 10-16 Uhr im Herbert-Siebold-Haus, Engelsburger Straße 168.

 
 
 
 


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