...nicht zynisch werden !

Es ist passiert. Rund vier Wochen nach dem Anschlägen auf das Pentagon und das World Trade Center, die tausenden Menschen das Leben kosteten, haben die USA mit Hilfe Großbritanniens sowie der Unterstützung der NATO und vieler anderer Staaten einen Krieg gegen die Taliban und Bin Ladens Connection in Afghanistan begonnen.
Niemand weiß so recht, was genau Ziel der Angreifer ist und welche Mittel sie anwenden werden. Wir sind Wochen nach den Anschlägen und Stunden nach den ersten "Gegenschlägen" unserer Position unsicher. Sicher ist, ein militärischer Angriff bedeutet den Tod und die Zerstörung der Lebensgrundlagen vieler Menschen. Schon in den letzten Wochen hat eine Fluchtbewegung in Afghanistan begonnen. Ins nichts, geprägt durch Hunger. Das ist Grund genug für uns gegen den Angriff zu demonstrieren.

Vieles spricht für die Urheberschaft der Anschläge durch fundamentalistische Islamisten. Einen öffentlich präsentierten Beweis indes gibt es immer noch nicht. Auf jeden Fall scheinen die Angriffe der USA & GB doch genau das Ziel archaischer religiöser Fanatiker; die Eskalation eines "Kampf der Kulturen", indem es nur gut oder böse gibt. Islam gegen den Westen und insbesondere gegen Jüdinnen und Juden. Antisemitismus prägt Teile der Bevölkerung in arabischen Ländern, auf die die Fundamentalisten zählen können. Es ist häufig die gleiche Verschwörung, die in Deutschland von Nazis erfunden wird; eine jüdische Weltverschwörung wird halluziniert, die sich anscheinend in dem Ziel World Trade Center als Angriffsziel ausdrücken sollte.

Die ungerechte Verteilung von Reichtum im Kapitalismus, die gerade auch die Menschen in arabischen Ländern betrifft, muss bekämpft werden. Kein Unrecht macht Menschen zu Antisemiten. Das ist Verschwörung und hat rein gar nichts mit dem Kampf gegen Unterdrückung und für ein besseres Leben zu tun. Doch wie sähe eine konkrete Solidarität mit den Opfern aus ? Wir wissen es nicht so recht.

Gut und Böse? In dem Konflikt, der in anderer Form schon länger existiert, gibt es keine gute Seite. Unsere Solidarität gilt keinem amerikanischen/britischen Militärschlag. Er gilt erst recht nicht islamischen Fundamentalisten mit ihrem religiösen Wahn.

Ja, wir können uns ganz andere Regierungen als die in den USA und Afghanistan vorstellen. Vielleicht gar keine ! Keine Nationen ! Keine Grenzen ! Aber das ist Utopie. Davon können wir träumen, eine realpolitische Forderung ergibt sich daraus nicht. Wir können uns jetzt lediglich gegen die Verschlimmerung einsetzen.

Den Hauptfeind gibt es nicht. Meist sitzt er im eigenen Land. Zumindest beginnt hier unser Engagement. Keine Unterstützung für militärische Angriffe wäre eine erste Forderung. Keine Chance. Rot-Grün hat längst Unterstützung zugesagt. Sie hecheln (allen voran der Möchtegernkrieger Scharping), dass auch deutsche Soldaten mitmorden dürfen.

Doch es kommt noch schlimmer. Die mutmaßliche Tat islamischer Fundamentalisten macht jeden Moslem und jede/n arabische MigrantIn zur TerroristIn. Mit Rasterfahndung, Pauschalverfassungsschutzanfragen, aber auch durch Medienhetze wird eine Stimmung geschaffen, die bis hin zu körperlichen Angriffen auf arabische Menschen führen. Gegen diese Form des Rassismus wenden wir uns.
Strategen der Totalüberwachung von Schill bis Schily versuchen mit den Anschlägen als Begründung im Rücken, die Überwachung auszudehnen sowie Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken (Stichworte; Aufhebung des Bankgeheimnisses, Rasterfahndung, Kronzeugenregelung, Bundeswehr im Inneren, Lauschangriffe...)

Liebe/r Leser/in !
Das ist ein Flugblatt, welches traurig klingt. Vielleicht doch zu viele Antworten, aber viel zu viele Fragen? Wenn wir eins fordern, so ist es ein kritischen Blick zu schärfen.
Und Kriege sabotieren!
In ferner Zukunft was ganz anderes fordern.

...nicht zynisch werden !


Postautonome Gruppe Bochum [Arbeitstitel]