aus 2313, Nr. 60 vom 8. Mai 2001

Ich bin nichts

Wie deutsche PolizistInnen Zivilcourage belohnen, durfte ein Bochumer Student vorigen Samstag am Recklinghäuser Hauptbahnhof hautnah erleben. Konsequent den Empfehlungen fast aller PolitikerInnen folgend zeigte er Gesicht; sprich: interessierte sich (unvermummt) für die Hauptbeschäftigung des Bundesgrenzschutzes, die Überprüfung nicht-deutsch aussehender Personen. So selbstverständlich wie diese Situation, folgte auf Fragen nach dem Grund der Kontrolle der Platzverweis, als nächstes jedoch ein polizeiliches Verhalten, das den zahlreichen umstehendenPersonen erstaunlich scheinen musste. Die Frage des braven Bürgers nach der Dienstnummer nämlich wurde nicht etwa wahrheits-und pflichtgemäß, sondern vielmehr mit der sehr plötzlichen und brutalen Festnahme beantwortet, was wiederum so viel bedeutet wie am Hals herumgerissen, auf die Straße geworfen, mit je einem Knie von Mann und Frau dort festgeklemmt werden, die Handschellen so fest es geht angelegt bekommen, vor Wände und auf Treppen gestoßen werden und dergleichen. Der Grund dieser Maßnahme wurde dem Betroffenen nach seiner Verschleppung in die direkt anliegenden Räumlichkeiten (Untersuchungszimmer mit Ausstattung incl. Latexhandschuhen und Fingerlingen zur Darmausgangsuntersuchung) klar. Denn die StaatsdienerInnen erklärten ihre tiefschürfenden Einsichten über die Denkweise von Linken. So kennten sie die im Internet verbreiteten Lügen über die Tätigkeiten ihrer Organisation und die Kampagne „dem BGS auf die Fingerschauen", überhaupt sei jeder zweite Ausländer kriminell und als rassistische Personenkontrollen könne man nur die Aktionen von New Yorker PolizistInnen bezeichnen, bei denen das Opfer bewusstlos geschlagen und dann erst kontrolliert werde.
Ich kann nichts
Vier Tage vor diesem Ereignis demonstrierte die Polizei in Essen ihre Haltung zur anderen Seite. Auf die Anreise mehrerer Hundert Nazis zum verbotenen Aufmarsch reagierte man nicht etwa mit der Einkesselung und Verhaftung der ganzen Bande. Statt dessen gab's den Kessel für die GegnerInnen, für die Nazis dagegen Polizeischutz, bis das BVerfG die so Hand in Hand geschaffenen Fakten mit dem erwartungsgemäßen Urteil guthieß.