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WAZ 16.7. 2001:
Der Nachhall, die langen Wege, die sich anbieten, um das Rund zu erschließen, klammern filigrane Psycho-Spiele weitgehend aus. Somit war der Griff zum Brecht-Werk durchaus sinnvoll. Die Zeige-Technik seiner Dramen, das Epische daran, die Möglichkeit, Chorisches einzubauen, vermögen die speziellen Talenten der Jahrhunderthalle durchaus einzubinden. Das Schauspiel "Der kaukasische Kreidekreis", dessen Fabel bis zu König Salomon im Alte Testament zurückgeht, handelt von zwei Müttern, die sich um ein Kind streiten. Bei Brecht siegt nicht die leibliche Mutter, sondern die Magd Grusche, die sich mütterlich um das Kleine gekümmert hat. Nicht die Abkommenschaft, sondern die bessere Fürsorge bestimmen das richterliche Urteil. Auch das Holzschnittartige des Spiels mit seiner heutzutage aufdringlich wirkenden Moral prädestiniert den "Kreidekreis" für die große Halle. Die Gesangspartien mit der Musik von Paul Dessau hatten "Die Exclusen" übernommen - sie kommentieren die Handlung in der Art eines griechischen Chores. Alles schien zueiander zu passen - und doch wirkte die Inszenierung von Axel Walter wie verloren und zögerlich. Bis auf wenige Ausnahmen - wenn sich das Gestänge zum Kaukasus-Massiv verwandelt - wurden die Szenen als eine Art Nummernrevue auf kleinen optisch hervorgehobenen Spielflächen dargeboten, die Handlung wurde abgefragt: ohne sonderliche Dynamik und Faszination.Der Chor sang stets von links. Wer das Pech hatte, als Zuschauer ganz rechts zu sitzen, hörte den Chor und die Solosängerin nur wie aus der Ferne. So weit zu erlauschen, gingen die SängerInnen unter Leitung von Ralf Gottesleben recht patent zu Werke. Mit solider Qualität agierte auch das Ensemble, wobei Carola Neitzel als Magd Grusche warmherzig zwischen Hilflosigkeit und Entschlossenheit pendelnd ihrer Rolle eigenständiges Profil zu geben vermochte. Frank-Patrick Steckel hat einmal ebenso karg wie jetzt "stahlhausen enterprise" Brechts "Heilige Johanna der Schlachthöfe" inszeniert. Doch der damalige Intendant beschränkte sich auf den Theatersaal - die Jahrhunderthalle ist bei einem solchen Konzept in der Tat kaum vonnöten. |