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Nr. 43 • 17. Oktober 2000
Die stillen Stars der RUB
Te i l 1
Rohrpost aus IA
Darüber, wozu Universitäten eigentlich gut seien, gibt es durchaus unterschiedliche
Auffassungen. Die Regierung z. B., wie schon Kant wusste, „interessiert das am allermeisten, wodurch sie sich den
stärksten und dauerndsten Einfl uß aufs Volk verschafft“ (in: Streit der Fakultäten ).
Profs selbst berufen sich dagegen lieber auf ihre Freiheit in Forschung und Lehre sowie die historisch erstrittene
Autonomie, von wegen Göttinger Sieben und so. Und dann gibt es da natürlich auch noch Unentwegte, die
meinen, Hochschulen seien vor allem dazu da, sich um die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben zu kümmern
– schließlich seien es die SteuerzahlerInnen, die die Unis finanzierten, und da sollte die Gesellschaft auch
ein Wörtchen mitzureden haben, wenn es darum geht, was die Staatsbediensteten da so forschen und lehren.
praktisch veranlagt
An der RUB gibt es zu guter Letzt auch ein paar Fakultäten, die zu Kants Zeiten noch gar nicht existierten,
insbesondere die in den I-Gebäuden. Doch auch dort ist man sich gelegentlich des hohen gesellschaftlichen
Auftrages wohl bewusst, mit dem der Berufsstand der ProfessorInnen versehen ist. Bestes Beispiel: Prof. Dr. Dietrich
Stein von der Fakultät für Bauingenieurwesen, Arbeitsgruppe Leitungsbau und Leitungsinstandhaltung. Dieser
hat nämlich geniale Visionen für die Zukunft des Transportwesens. Nein, das Beamen hat er leider nicht
erfunden (dafür wären ja wohl auch eher die Kollegen aus Gebäude IC zuständig), er orientiert
sich an etwas viel Bodenständigerem: Das ganze Ruhrgebiet soll durch ein unterirdisches Rohrpost- System miteinander
vernetzt werden. „Cargo Cap“ soll die „High- Tech- Rohrpost“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) heißen, und
nicht nur Opel hat bereits sein Interesse geäußert: „Gestern hatte ich Besuch aus der Staats-
kanzlei“, so Prof. Stein vor wenigen Wochen.
Der „renommierte“ (WAZ) Professor lässt seinen Blick in die Zukunft schweifen, die vom Verkehrsinfarkt, wie
wir ihn aus dem 20. Jahrhundert kennen, erlöst sein wird: „Am Computer bestellt man einen Kasten Bier. Das
geht unverzüglich auf die Reise und landet per Cargo Cap kurz darauf am Hausanschluss.“ Und damit dem e-commerce
auch das letzte Hindernis aus dem Weg geräumt wird und sich keine potenzielle Speditionsfirma über Inkompatibilitäten
beklagen kann, hat sich der praktisch veranlagte Prof was ganz Besonderes ausgedacht: Die „Cargo Caps“ sind vorsichtshalber
auf Euro-Paletten ausgelegt, zwei Stück passen in eine Kapsel.
geschäftstüchtig
Dass Profs alles andere als weltfremd sein müssen, beweist Stein auch durch seine Geschäftstüchtigkeit:
Schon 1997 unter der URL http:// www. stein. de registriert, unterhält er neben seiner Arbeitsgruppe an der
Uni auch das Ingenieurbüro „Prof. Dr.- Ing. Stein & Partner GmbH“, Adresse praktischerweise Universitätsstr.
142. Pressemitteilungen aus dem Hause Stein & Partner gelangen denn auch schon mal kurzerhand auf die Homepage
an der Ruhr- Uni, so was nennt man dann wohl Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Privatwirtschaft. Da kann man
ja froh sein, dass bei so viel Drittmitteleinwerbung der Blick aufs Gesamtgesellschaftliche beim Visionär
Stein noch nicht verloren gegangen ist …
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