Ruhr-Nachrichten Bochum 22.7.04:
Nach dem Job auch die Wohnung weg
"Die individuelle Angst, die Wohnung zu verlieren, ist groß."
Luidger Wolterhoff, Leiter der Agentur für Arbeit, kennt Monate vor Inkrafttreten von Hartz IV aus zahlreichen
Gesprächen die größte Sorge vieler Betroffenen.
Dem Einzelnen stehen danach bei Bezug des neuen Arbeitslosengeldes II 45 Quadratmeter zu, zwei Personen dürfen
nicht mehr als 60 und drei höchstens 75 Quadratmeter Wohnfläche haben. "Wir schauen uns jeden Fall
genau an, doch es gibt keine unterschiedlichen Maßstäbe", kann Sozialdezernentin Sophie Graebsch-Wagener
Zwangsauszüge keinesfalls ausschließen. Ganz im Gegenteil.
Noch härter trifft es aber die Menschen, die in all den Jahren viel gespart und das Geld in ein kleines Haus
oder eine Eigentumswohnung gesteckt haben. Zwar stehen richterliche Entscheidungen noch aus, doch sind erste Rahmenbedingungen
klar. Das eigene Haus darf nur bis zu einer Größe von ca. 90 Quadratmetern, die Eigentumswohnung bis
höchstens 75 Quadratmetern behalten werden. "Ein echtes Problem, für die, die lange gut verdient
haben - und beispielsweise durch den Konkurs oder Verkauf des Unternehmens arbeitslos geworden sind", stimmt
die Stadt den Aussagen des DGB (wir berichteten) absolut zu. Die städtische Sozialdezernentin erwartet vor
diesem Hintergrund zudem, dass der Druck auf die, die Arbeit haben, größer wird.
Angesichts der weitreichenden Konsequenzen von Hartz IV wollen Agentur für Arbeit und Stadt eng zusammen arbeiten,
um unnötige Härten zu vermeiden. Eine vom Gesetzgeber vorgesehene Arbeitsgemeinschaft wird es wohl zum
1. Januar 2005 nicht geben. Deshalb bereitet sich die Stadt darauf vor, das gesamte Arbeitslosengeld II für
diejenigen zu zahlen, die bisher Sozialhilfe bezogen haben. Die Agentur für Arbeit wird die Zahlung für
die Kunden übernehmen, die bisher Arbeitslosenhilfe bezogen haben. Zudem denkt die Agentur darüber nach,
künftig auch Beratungen über das Stadtgebiet verteilt anzubieten.
Längst noch nicht geklärt ist derzeit die Frage, in welcher Zahl und Größenordnung den Beziehern
vom Arbeitslosengeld II berufliche Angebote gemacht werden können. Ziel sei aber, langfristig für 25
Prozent der Klientel (insbesondere jungen Menschen unter 25 Jahren) Angebote zu machen. Dabei wird es sich in der
Regel aber nicht um sozialpflichtige Beschäftigungen handeln.thas