Seminar des Referats für kritische Wissenschaften/ Arbeitskreises rote ruhr-uni
Kritische Theorie und Psychoanalyse/ Studien zum autoritären Charakter
(21./ 22. 4. 2001)
Bahnhof Langendreer
Mit dem im Rahmen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung entwickelten Ansatz öffnete sich kritische Gesellschaftstheorie - im krassen Gegensatz zu den Fortschrittsmythologien des parteioffiziellen Marxismus sozialdemokratischer wie stalinistischer Provenienz - den Erfahrungen des ‚Katastrophenzeitalters'. Sie entdeckte - plakativ gesprochen - die Relevanz des ‚subjektiven Faktors' in einer durch die ‚Verkehrung von Subjekt und Objekt' (Marx) gekennzeichneten Sozialformation.
Mit dem Versuch der sozialpsychologischen Ergründung noch der triebstrukturellen Grundlagen der Reproduktion einer ‚unvernünftigen Gesellschaft', stellte die Kritische Theorie das Resultat eines Lernprozesses dar, dessen Niveau auch von verwandten Vertretern und Richtungen eines kritischen Marxismus nicht erreicht wurde; denn gerade die ‚irrationale', emotionale Dimension sozialer Praxis, wie die soziale Dimension des Triebhaften blieb diesen weitgehend fremd. Zugleich gelang der Kritischen Theorie die Ausarbeitung einer Psychologie ohne Psychologismus: Sie öffnete sich der Psychoanalyse, ohne eine historisch-materialistische Perspektive aufzugeben.

Gegenstand des als Einführung konzipierten Seminars sollen die Grundzüge einer, auf der Kombination der Theorien von Marx und Freud basierenden, Sozialpsychologie des ‚spätbürgerlichen' Subjekts, insbesondere des autoritären Charakters, sein.

Zur Textgrundlage (die fett gedruckten Texte dienen als Diskussionsgrundlage des Seminars):
Sigmund Freud, Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit (Kapitel 31 der Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse) (1933)
Erich Fromm, Über Methode und Aufgabe einer analytischen Sozialpsychologie (1932)
Ders., Der autoritär-masochistische Charakter (Kapitel 4 des sozialpsychologischen Teils der Studien über Autorität und Familie) (1936)
Th. W. Adorno, Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie/ Postscriptum (1955/ 1966)
Herbert Marcuse, Das Veralten der Psychoanalyse (1963)

Die Texte sind im Referat für kritische Wissenschaften (AStA Raum 13) erhältlich. Wer mitmachen will, kann ebendort seine / ihre Anschrift etc. hinterlassen oder die InitiatorInnen direkt ansprechen (Tel.: 322-2313; Mail: kriwi@gmx.net)