Frauen Gesundheits Zentrum i.G.
Verein zur Förderung der Frauengesundheit im Ruhrgebiet e.V.



Rede anlässlich des 8. März 2000 im Rahmen der Aktivitäten Bochumer Frauenverbände, - vereine, - organisationen und -gruppen auf dem Dr.-Ruer-Platz

Liebe Frauen,

mein Name ist Pia Goldmann und ich spreche als Vertreterin eines Vereins von FrauenLesben, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein Frauengesundheitszentrum im Ruhrgebiet zu gründen.

Wenn ich sage "Frauengesundheitszentrum " hören Sie ja schon, dass wir der Ansicht sind, dass Frauen andere Formen der Gesundheitsvorsorge und -unterstützung benötigen als Männer.

In unserer Gesellschaft sind Frauen im Vergleich zu Männern weiterhin (strukturell) benachteiligt. Neben diversen krankmachenden Faktoren ist es auch dieses Machtverhältnis, das Frauen krankmacht oder ihre Heilung erschwert.

Frauen sind anders belastet:
- Es sind immer noch die Frauen, die die Doppelbelastung von Beruf und Haushalt tragen müssen
- Es sind meist die Frauen, die weiterhin die Verantwortung für die Kindererziehung tragen
- es sind nahezu immer Frauen, die die Versorgung von pflegebedürftigen Verwandten übernehmen.
- Für fremdsprachige Frauen gibt es fast keine ihren Bedürfnissen angepaßte gesundheitliche Betreuung. Nicht einmal ein Dolmetscherinnendienst für Krankenhäuser, wie es ihn in anderen Ländern gibt, scheint machbar.
- Körperliche Gewalt gegen Frauen ist immer noch allgegenwärtig
- Bei der Schilderung identischer Beschwerden werden Frauen weniger ernstgenommen als Männer und erhalten andere Medikamente als diese.
- Prostituierte werden hierzulande in keiner Krankenversicherung aufgenommen
- Frauenspezifische Verfolgung, auch mit schwerwiegendsten gesundheitlichen Folgen ist hierzulande kein Asylgrund
- Unzählige Frauen müssen mit den Folgen sexualisierter Gewalt leben.

Diese und viele ungenannte Faktoren werden in der gesundheitlichen Betreuung von Frauen gar nicht oder unzureichend beachtet. Statt dessen geht die westliche Schulmedizin zumeist von Männern als Norm (und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes aus.)

Das muß anders werden!!!

Es ist ein Skandal, dass im 21. Jahrhundert gesellschaftlich bedingte Krankheitsursachen von Frauen von unserem Gesundheitssystem noch nicht einmal wahrgenommen werden.

Wir fordern die Verantwortlichen in Gesundheitswesen und Gesellschaft , Politik und Verwaltung auf, frauenspezifische Belange in der gesundheitlichen Versorgung zu berücksichtigen.

Und was soll unser Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Frauen sein??

In dem von uns angestrebten Frauengesundheitszentrum sollen unter einem Dach verschiedenste Angebote für Frauen entstehen:
- Platz für Selbsthilfegruppen
- Möglichkeiten des informellen Austausches und der Information zu Gesundheitsfragen, z. B. im Rahmen eines Cafés oder eines Archivs
- Informationsmöglichkeiten durch Einzel- und Gruppenberatung
- verschiedene Behandlungsmethoden aus dem alternativen und schulmedizinischem Spektrum

Überdies soll das Frauengesundheitszentrum ein Ort sein von dem gesundheitspolitische Aufklärung und Einmischung ausgehen.

Um diese Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen, brauchen wir allerdings noch geeignete Räume, Finanzhilfe und Unterstützerinnen.

Wir bieten jetzt schon Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Themen an. Beispielsweise initiierten wir zusammen mit der VHS die "Bochumer Gespräche zur Frauengesundheit"....und führen dieses Jahr darüber hinaus eine Veranstaltungsreihe zu Heilkräutern durch. Genauere Informationen über unser aktuelles Programm und unsere momentane Arbeit können Sie an unserem Informationsstand erhalten.
Dort können Sie uns gerne auch weitere Fragen stellen oder uns auch einfach nur kennen lernen.

Wir freuen uns über jede neue Mitfrau für unseren Verein und jede Interessierte.

Ich wünsche uns weiterhin einen schönen, anregenden, nachträglichen 8. März.