CILAS
CENTRO DE INVESTIGACION LABORAL Y ASESORIA SINDICAL
Zentrum für Arbeitsforschung und Gewerkschaftsberatung

 
 


Chile: Musterland des
Neoliberalismus...

Auch zehn Jahre nach dem formalen Ende der Diktatur zeigt sich in Chile deutlich das Erbe das die Militärs der Gesellschfaft hinterlassen haben.
Neben Demokratiedefiziten, nahezu fehlender juristischer Aufarbeitung der Verbrechen und fortdauerndem Einfluss der Streitkräfte auf die Politik, hat auch das ökonomische Modell tiefe Spuren für die ökonomische und soziale Situation der Menschen hinterlassen. Im "Musterland" des Neoliberalismus dominiert die Ideologie der Chicago Boys den Arbeitsalltag der noch oder schon nicht mehr lohnabhängig Beschäftigten, die in Scheinselbstständigkeit individualisiert ihr Überleben organisieren.

...mit einer zerschlagenen Gewerkschaftsbewegung...

Die einst starke Gewerkschaftsbewegung ist zerschlagen und auch nach 1990 ist der Anteil gewerkschaftlich Organisierter unter den ArbeitnehmerInnen weiter rückläufig. Insbesondere Frauen sind heute kaum noch vertreten.
An die Stelle einst mächtiger Interessensvertretungen ist eine Unzahl von Klein- und Kleinstgewerkschaften getreten, seit zu deren Gründung rechtlich nicht mehr als der Nachweis von 25 Mitgliedern erforderlich ist. Bei ständigem Mitgliederschwund lag die durchschnittliche Größe einer Gewerkschaft 1997 gerade noch bei 49 Mitgliedern.

...und vielen Miniorganisationen

Als beinahe zwangsläufige Konsequenz verfügen diese Miniaturorganisationen heute nicht nur nicht mehr über die im Tarifstreit notwendige Kampfkraft, sondern obendrein auch nicht mehr über die finanziellen und personellen Ressourcen zur Erarbeitung inhaltlicher Positionen und Konzepte und die erforderliche Erfahrung und Kompetenz in Bezug auf die innerbetriebliche gewerkschaftliche Interessensvertretung.
Die verbliebenen größeren Gewerkschaften und deren Dachverband CUT haben in ihrer Nähe zur christlich-sozialdemokratischen Koalitionsregierung "Concertacion" darauf verzichtet das ökonomische Modell des Neoliberalismus insgesamt in Frage zu stellen.

CILAS

In dieser Situation hat sich unter dem Namen CILAS (Centro de investigacion laboral y asesoria sindical, Zentrum für Arbeitsforschung und Gewerkschaftsberatung) in Santiago de Chile eine Organisation gegründet, die seit Mitte 1999 Schulungen und Fortbildungsprogramme für GewerkschafterInnen anbietet und diese in Tarifauseinandersetzungen beratend unterstützt. Die WirtschaftwissenschaftlerInnen und ArbeitsrechtlerInnen stellen jenen Gewerkschaften, die sich selbst kein eigenes Institut leisten können, die Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit zur Verfügung oder erarbeiten spezifische Studien in deren Auftrag. Die von CILAS angebotenen Seminare beschäftigen sich mit den Auswirkungen neoliberaler Politik auf die arbeitsrechtliche, soziale und ökonomische Situation der ArbeiterInnen. Die bisherige Arbeit von CILAS wird in Eigeninitiative unentgeltlich und dezentral realisiert.

Das Projekt

Die Nachfrage nach einem unabhängigen Forschungs- und Beratungsangebot für Gewerkschaften ist, seit CILAS die Arbeit begonnen hat, stetig gewachsen und kann nicht länger auf der Basis ehrenamtlicher Arbeit in Privatwohnungen bewältigt werden.
Zur Verbesserung der Möglichkeiten wird CILAS daher ein Forschungs- und Dokumentationszentrum aufbauen, das den ArbeiterInnen systematisierte Information sowie Publikationen eigener Forschungsarbeit zur Verfügung stellt. In jenen vier Regionen Chiles, mit dem höchsten gewerkschaftlichen Organisierungsgrad und der größten ökonomischen Bedeutung der ansässigen Produktionszweige, sollen regelmäßige und umfangreiche Fortbildungsprogramme für Gewerkschafterinnen angeboten werden.

Die vier Arbeitsbereiche von CILAS:
Forschung- und Dokumentation
Bildungsarbeit
Information und Öffentlichkeitsarbeit
Beratung
sollen mit hauptamtlichen MitarbeiterInnen besetzt werden, um den Anforderungen in professioneller Art und Weise begegnen zu können..

Ziel des Projektes

Die Arbeit von CILAS soll dazu beitragen:
die durch die Zersplitterung entstandenen Kompetenzverluste auszugleichen,
der damit einhergehenden Schwächung der Gewerkschaftsbewegung entgegenzuwirken
mittelfristig die Aufspaltung in uneffektive Kleinstgewerkschaften zu überwinden
und somit zu einer Gewerkschaftsbewegung zurückzukehren, die imstande ist dem Neoliberalismus wirkungsvoll entgegenzutreten

 
 


Neben dieser Kurzbeschreibung gibt noch eine sehr ausführliche Beschreibung über Hintergründe, Ziele und Kosten von CILAS

 
 

Kontakt für weitere Informationen:
CILAS@bo-alternativ.de

Deutsche Partnerorganisationen:
Promondial und Rosa Luxemburg Bildungswerk NRW
Einer der Verantwortlichen von CILAS ist Ivan Anselmo Saldias, der während der Zeit der chilenischen Militärdiktatur in Bochum Exil gesucht hat. In einem Interview geht er auf die aktuelle Situation in Chile ein und beschreibt CILAS:
"Das Gesicht der Bestie wiedergesehen"
Die Emailadresse von Ivan Anselmo Saldias:
laflorida@netline.cl