BSZ vom 4.7.01

Rassismus im Wohnheim Papageienhaus
Der größte Lump im
ganzen Land …
das ist und bleibt der Denunziant.

In der vergangenen Woche fanden sich am Schwarzen Brett des Studentenwohnheims Markstraße 118, dem so genannten Papageienhaus, unsägliche Pamphlete.
Als erstes tauchte ein primitiver Aushang im DIN A4-Format auf, in welchem, überschrieben mit „Sehr geehrte Verwaltung:“, die AutorInnen über angebliche „schwarze“ UntermieterInnen - gemeint sind offensichtlich Personen, die ohne einen eigenen Mietvertrag z.B. zu zweit ein Zimmer bewohnen - herziehen. „Das bedeutet, in einer Etage leben so viele wie 12-14 Leute. Sonst haben sie auch Konflikt mit richtigen Bewohner:“, heißt es da. An die Verwaltung adressiert, endet das Pamphlet mit der Forderung „Wir bitten Ihnen so schnell wie möglich, diese Probleme beizulegen.“
Stellt sich die Frage wer so einen Scheiß verzapft. Denn dass dies im Sinne aller BewohnerInnen des Wohnheims geschieht, wie die Formulierung „Wir sind die Bewohner in Gebäude 118/118A.“ nahelegt, darf an dieser Stelle mehr als bezweifelt werden. Klar ist hingegen die Absicht, welche hinter der Aktion steckt. Völlig unabhängig davon, ob denn nun zusätzlich zu den „regulären“
MieterInnen noch andere Menschen im Papageienhaus wohnen, sollen anscheinend bestimmte missliebige MitbewohnerInnen rausgeekelt werden. Und überhaupt: Wenn Studis sich ein Zimmer teilen, sei es weil sie Bock darauf haben oder auch schlicht und ergreifend weil sie sich es alleine nicht leisten können, so zeugt das öffentliche „ankreiden“ dieser lediglich von der kleinbürgerlichen Einstellung der Denunzianten. Denn was sonst stellt es, dar, wenn diese von sich als den „richtigen“ BewohnerInnen sprechen?
Mensch sollte nun meinen, dass die Verwaltung des Studiwohnheims, das im übrigen von einem Verein getragen wird, derart plumpen Aussagen keinerlei Aussagekraft beimisst, doch weit gefehlt! Sie war sich nicht zu dämlich, unter der peinlichen Anrede „Sehr geehrter anonymer Briefeschreiber“ den Aushangschreiberlingen in einem eigenen Flugblatt zu antworten.
Geradezu begeistert scheint man in der Verwaltung von dem Aushang gewesen zu sein! Während im ersten Pamphlet noch brav von „schwarzen“ Untermietern gesprochen, legen die Verantwortlichen in der Verwaltung noch eine Schippe drauf. Von „illegalen Bewohnern“ ist da die Rede, dies brauche man „ja wohl nicht extra zu betonen.“ Und die darf es natürlich nicht geben, in einem ordentlichen deutschen Wohnheim. Weshalb man alle MieterInnen ermutigt, doch konkrete Personen zu denunzieren, schließlich könne man „erst dann einschreiten, wenn Sie uns konkrete Zimmernummern nennen, in denen mehrere
Personen wohnen.“ Selbstverständlich, so die Verwaltung, „bekommen sie selber dadurch keinerlei Schwierigkeiten.“ Selbstverständlich.
Bleibt nur noch offen, wann man im Papageienhaus dazu übergeht, Prämien fürs Denunzieren auszuloben. Zu hoffen ist, dass sich die BewohnerInnen von den vereinigten Spießern aus einzelnen MieterInnen und Verwaltungsmenschen
nicht spalten lassen.
jas

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