"Helden für Deutschland"? -
Neonazismus zwischen Terror, Wahlen und Eventkultur

Ein Multimedia-Vortrag des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland

Donnerstag 16.12.04, 17:00 Uhr, Raum 103 (Aula)
EFH-Bochum, Immanuel-Kant-Str. 18-20, 44803 Bochum
Wegbeschreibung unter www.efh-bochum.de


Auf der Ladefläche des Kleinlasters stehen drei Musiker, der Sänger
brüllt ins Mikro: "Man hat unsere Väter verraten, sie als Verbrecher
entstellt, doch sie sind schließlich Soldaten - die besten Soldaten
der Welt." Das Publikum klatscht angesichts der Verherrlichung von
Wehrmacht und Waffen-SS kräftig Beifall. Es handelt sich hier aber
nicht etwa um ein Konzert, sondern um die Abschlusskundgebung
eines neonazistischen Aufmarsches gegen die Ausstellung über die
Verbrechen der Wehrmacht in Dortmund. Auf der Bühne steht eine
Band aus dem Ruhrgebiet.
Das Bild des Neonazismus hat sich verändert, die Kleinstparteien der
90er Jahre gibt es nicht mehr. Neonazistische Basisgruppen, so
genannte "Freie Kameradschaften", bundesweit vernetzt, schaffen es, ihre
"Mitglieder" viel stärker zu binden als die bisherigen Parteien. Und noch
etwas hat sich geändert: Mittels Musik mit rassistischen, zu Mord und
Totschlag aufrufenden Texten werden heute Jugendliche gezielter
angesprochen und an das Netzwerk des militanten Neonazismus heran
geführt. Der Neonazismus erscheint als eine Art Eventkultur, der aus
ihm resultierende Terror wird dabei oft übersehen...
Derzeitig versucht die neonazistische Szene in der BRD, ihre Kräfte
zu bündeln. Pünktlich zur Landtagswahl in Sachsen, bei der die NPD
auf 9,2 % der Stimmen kam, gaben führende Vertreter der
"Freien Kameradschaften" und die Parteispitze der NPD,
derzeitig erfolgreichste Partei der extremen Rechten in Deutschland, ihre
künftige enge Zusammenarbeit bekannt. Einige Führungskader der
"Freien Kameradschaften" traten diese Strategie bekräftigend der NPD
bei und sind aktuell auch am NPD-Bundesvorstand beteiligt.
Der "Kampf um die Straße", der "Kampf um die Köpfe" und
der "Kampf um die Parlamente" sollen von nun an effektiver
zusammengeführt werden.

Der multimediale Vortrag des "Antirassistischen Bildungsforum
Rheinland" beschreibt die Entwicklung des Neonazismus in
Deutschland. In einem zweiten Teil beleuchtet er die neonazistischen
Strukturen in NRW.

Veranstalter: Antifa Referat der EFH-Bochum