Globalisierung
und die Zukunft des Ruhrgebiets
Mit Dr. Hermann Bömer
Universität Dortmund, FB Raumplanung/Politische Ökonomie;
Ruhrgebietspolitik in der Krise:
Ökonomische Strukturen, Beschäftigungsentwicklung,
Finanzen, Öffentliche Infrastruktur, kommunale Selbstverwaltung – die Krise ist wesentlich tiefer und grundsätzlicher
als Politik
und “Fachwissen” zugestehen wollen. Ein Vergleich mit der Lage in Ostdeutschland ist angebracht.
Aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden kommen widerstreitende Konzepte (und natürlich Interessen). Konsistente Politik ist jedoch überhaupt nicht in Sicht.
Das Ruhrgebiet ist angesichts des raschen und tiefgreifenden Strukturwandels und einer insgesamt “modernen” Strukturpolitik von sehr starken Krisensymptomen geprägt.
Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung, teilweise fortschreitende
Umweltzerstörung und räumlich/soziales Auseinanderdriften lassen sich mit den gegebenen Instrumentarien
und den herrschenden Ideologien offensichtlich nicht wirksam bekämpfen.
Hermann Bömer vertritt die These, dass ohne einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel in der Wirtschafts-, Umwelt- und regionalen Ausgleichspolitik auf gesamtgesellschaftlicher Ebene - nationalstaatlich und europäisch - eine “moderne” regionale Struktur-, Industrie-, Dienstleistungs- und Raumplanungspolitik weitgehend machtlos ist. In diesem Sinne wird dafür plädiert, Politik für die Krisenregion Ruhrgebiet als Multisektoral- und Mehrebenenpolitik neu zu entwickeln.
Die aktuelle Hegemonie des Neoliberalismus hat zerstörerische
Wirkungen gerade für Regionen, die einen schwierigen Strukturwandel durchlaufen.
Die fortgeschrittenen Strategien und Elemente der Struktur-
und Raumordnungspolitik benötigen laut Hermann Bömer als Rahmenbedingung für ihre Wirksamkeit einen
sozialökologischen “New Deal”, der sich nicht mit modernistischer Konsenspolitik durchsetzen lässt.
Im
einzelnen untersucht Hermann Bömer:
1. die Beschäftigungsentwicklung
des Ruhrgebiets im Vergleich zur BRD und anderen Verdichtungsregionen;
2. die Finanzkrise im Ruhrgebiet;
3. die bisherige Ruhrgebietspolitik;
4. die Konzepte der Landesregierung
und der Städte; sowie mögliche Alternativen.
Hermann
Bömer ist Mitglied der „Memorandum“-Gruppe, die jährlich das Alternative Sachverständigen-Gutachten
zur wirtschaftlichen Entwicklung herausgibt. Er wird das gerade erschienene Memorandum 2002 mit einbeziehen.
Donnerstag, 13. Juni
19.30 Uhr
Bahnhof Langendreer