Freitag 24. 1., 20.00, Bahnhof Langendreer
Osvaldo Bayer:
Argentinien - ein Jahr nach der Dezember Rebellion
19 Mio. Arme und 8 Mio. extrem Arme, 44% der Bevölkerung arbeitslos oder unterbeschäftigt, eine gigantische Verschuldung auf der einen, Erdölkonzerne mit sechs Mrd. US$ Gewinn im Jahr 2000, Getreideexporteure, die sich illegale Extraprofite (2002: 900 Mio. US$) ermöglichen und all die Unternehmer mit beträchtlichem Auslandsvermögen auf der anderen Seite - das sind einige Zahlen zum Versuch, Elend und gesellschaftliche Misere in Argentinien am Beginn des neuen Jahrtausend zu beschreiben. Doch spätestens seit der Dezember Rebellion wachsen die sozialen Bewegungen beeindruckend, allenthalben sprießen neue Organisationen, Piquetero-, Frauen-, Stadtteil-, Jugend- und Gewerkschaftsgruppen. Sie sind auf der Straße präsent und machen eine Fülle von konkreten Vorschlägen, wie Löhne, Beschäftigung und Ersparnisse zurückerobert, wie mit dem IWF gebrochen und die Schuldentilgung eingestellt werden kann.
Osvaldo Bayer, Historiker, Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist, ist sicherlich einer der Besten, uns die Situation in Argentinien zu beschreiben und zu deuten.
Während der Militärdiktatur lebte Osvaldo Bayer von 1976 bis 1983 in Berlin. Er gilt als einer der pointiertesten Linksintellektuellen des Landes und war während der Diktatur einer der Wortführer der argentinischen Exilierten in der BRD. Nach seiner Rückkehr erhielt er einen Universitätslehrstuhl für Menschenrechte in Buenos Aires, gleichzeitig engagiert er sich an der „Volksuniversität der Mütter vom Plaza de Mayo".
Er veröffentlichte mehrere Bücher über Argentinien, auf deutsch erschien, neben vielen Aufsätzen und Artikeln, 1994 sein Buch „Argentinien - Zehn Jahre Demokratie". In einem seiner jüngeren Werke - „Rebeldía y Esperanza" - beschreibt er sein Leben zwischen Buenos Aires und Berlin, wohin er unregelmäßig zurückkehrt. „Widerspenstigkeit und Hoffnung" sind zwei Grundkonstanten dieses internationalistischen Antifaschisten mit libertären Positionen.
Osvaldo Bayer begreift die Welt aus der Perspektive seiner lateinamerikanischen wie auch seiner europäischen Erfahrungen; so dass wir - so ist zu hoffen - mit ihm über gemeinsames Vorgehen diskutieren können.
Eine Kooperation von FURIA e.V. und dem Nord-Süd Büro im Bahnhof Langendreer.