Brief von Dagmar Wolf an die AutorInnen aus dem Buch José Eduardo Agualusa
"Sie schreiben in Bochum 2004"
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!
Als Wole Soyinka 1986 als erster Afrikaner den Nobelpreis für Literatur
erhielt, kommentierte der damalige Feuilletonchef der Hamburger Zeit: "Nun
war also ein Afrikaner dran. Mir soll's recht sein, wenn sich daraus nicht
die Verpflichtung ableitet, den auch noch zu lesen." *)
Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich im Bahnhof Langendreer zu Fragen der
Nord-Süd Beziehungen und gesellschaftlicher Entwicklungen v.a. in Afrika
und Lateinamerika. Die Lektüre literarischer Texte von SchriftstellerInnen aus
nichteuropäischen Kontinenten habe ich nie als Verpflichtung, sondern
selbstverständlich als Bereicherung empfunden. Dass ich seitdem bereits 13
Autorinnen und 28 Autoren (siehe Anhang)
auch nach Bochum einladen konnte,
freut mich besonders - nicht nur wegen der vielen unvergesslichen
Begegnungen im Bahnhof, sondern v.a. auch weil sich Bochumer LeserInnen mit
ihrem großen Interesse von saublöden Positionen, wie z.B. die oben
zitierte, nicht beeindruckt zeigten.
Wenn man kein lautes Literaturereignis daraus macht, scheint es generell
schwierig, Interesse und Aufmerksamkeit für Lesungen zu mobilisieren - das
Interesse ist tatsächlich nur relativ groß. Diese Form der Beschäftigung
mit Literatur, die eher ruhig und bescheiden daher kommt, geht im zunehmend
eventhaftig organisiertem Kulturbetrieb rasch unter. Und Geld ist damit
sowieso nicht groß zu verdienen - das gilt, außer für die Stars der Szene,
gleichermaßen für die DichterInnen aus Nord und Süd. Mit Gästen aus Afrika,
Asien oder Lateinamerika ist manches schwieriger, der Markt ist
eurozentristisch, Reiserouten sind komplizierter und sprachliche
Verständigung ist oft nur mit Hilfe von Übersetzungen möglich.
Doch eines der größten Probleme ist m.E., dass die Literaturen aus dem
Süden dieser Welt, insbesondere die afrikanische, noch immer auf eine
grundsätzlich rassistische Haltung treffen. So äußerte sich Marcel
Reich-Ranicki zum Thema Nobel und Afrika: "Den Nobelpreis sollte wohl erst
Updike bekommen und dann Philip Roth, aber es werden beide ihn nicht
bekommen, denn es wird sich ja sicher noch irgendjemand aus dem Sudan
finden. Dass die nicht schreiben können, spielt gar keine Rolle. Eben weil
sie nicht schreiben können im Kongo, muss man denen den Nobelpreis
geben."*)
Naja. Für mich ist das Ansporn, weiter "die aus dem Sudan oder Kongo"
einzuladen...
Unser nächster Gast ist der nigerianische Autor Biyi Bandele. Bereits 1993
hatten wir das Vergnügen, ihn und seine Schreibfähigkeiten bei einer Lesung
kennen zu lernen. Nun ist er im Rahmen des Projekts "out of nigeria"
eingeladen, am 26. Mai aus seinem jüngsten Roman zu lesen und auch als
Theaterautor und Regisseur das deutsch-nigerianische Austauschprojekt zu
kommentieren.
"Ein Sturm", die Shakespeare-Adaption von Aime Cesaire (Martinique)hat mit
deutschen und nigerianischen SchauspielerInnen am 22. Mai Premiere im
Bahnhof Langendreer, die Inszenierung ist das Ergebnis des Kulturaustauschs
im Rahmen des Projekts "out of nigeria". (s. Anhang)
Volker W. Degener und Hugo Ernst Käufer betonen in ihrem Vorwort "Schreiben
in der Ruhrstadt", dass die Bochmer Literatur weit über den örtlichen
Tellerrand hinaus wirkt. Ich wünsche mir auch, dass die Literaturen von
"weit hinter dem Tellerrand" sich ebenso in Bochum auswirken, dass wir
unsere Erfahrungswelt damit bereichern und Stimmen wie oben Einhalt gebieten.
In diesem Sinn möchte ich Sie und Euch zum Besuch der Premiere und zur
Begegnung mit dem Autoren Biyi Bandele einladen.
Mit den besten Grüßen
Dagmar Wolf
26. 5. 2004, 19.30
Willkommen in Brixton – Eine kontinentale Reibung
Lesung & Gespräch mit Biyi Bandele (Nigeria / England)
Vorstellungstermine:
Premiere am 22.Mai um 19.30 Uhr im Bahnhof Langendreer (große Halle)
Sowie am 23. und 25.Mai um 19.30 Uhr, am 24.Mai um 11.00 Uhr ( für Schulen)
Eintrittspreise: 10.-/ ermässigt 6.-
Reservierungen unter 0234 953 60 60 oder www.out-of-nigeria.com
Vorverkauf im Bahnhof Langendreer über die Kasse vom Endstation Kino
*) Beide Zitate stammen aus dem Vortrag von Prof. Brückner über
nigerianische Literatur, den er am 4. Mai in Bochum gehalten hat. Sie sind
in der Zeit und dem Magazin der SZ belegt.
Sie lasen in Bochum :
Ama Ata Aidoo
Ivan Ângelo
Biyi Bandele-Thomas
Joaquín Baquero
Francis Bebey
Ernesto Cardenal
Daniel Chavarría
Paulina Chiziane
Syl Cheney-Coker
Çillo
Amma Darko
Jesús Díaz
Ramón Diaz Eterovic
Axel Gauvin
Chenjerai Hove
Yanick Lahens
Omar Lara
Tatiana Lobo
Sindive Magona
Don Mattera
Miguel Mejides
Gcina Mhlope
Carlos Montemayor
Patrice Nganang
Mike Nicol
Pepetela
Lesego Rampolokeng
Astrid H. Roemer
Zé do Rock
Mauricio Rosencorf
Suzan Samanci
Sérgio Sant'Ana
Muniz Sodré
Paco Ignacio Taibo II
Maité Vera
Yvonne Vera
Félix Luis Viera
Ivan Vladislavic
Ruth Weiss
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Kurdistan / Türkei
Brasilien
Brasilien
Mexiko
Cuba
Zimbabwe
Cuba
Südafrika
Südafrika / GB
Cuba