DER KONFLIKT MIT DEM GREMIUM IST NOCH NICHT ZU ENDE !

 

Am Mittwoch, den 5. September gab es ein Gespräch zwischen den drei Radio BonteKoe „Mitgliedern“ und zwei Vertretern des Gremiums zum aktuellen Konflikt um das Fermin Muguruza Konzert. Die Einschätzung dieses Gesprächs ist innerhalb unserer Gruppe nicht umstritten, trotzdem ist es z. Zt. nicht möglich, als Gruppe eine gemeinsame Vorgehensweise in diesem Konflikt zu finden. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, meine eigene Position öffentlich zu machen.

 

Im Nachhinein betrachte ich es als einen Fehler, sich auf dieses „zehn Augen“ Gespräch eingelassen zu haben. Schon alleine aus dem Grund, da dem Gremium des Bahnhofs offensichtlich die Substanz fehlt, politisch auf unsere Forderung zu reagieren. Auf unseren zweiten offenen Brief wurde nicht öffentlich geantwortet (was auch!), statt dessen wurde mit dem Gespräch versucht, diesen Konflikt weitgehend aus der Öffentlichkeit, die er bis zu diesem Zeitpunkt hatte, heraus zu halten. Ich sehe in diesem Konflikt aber nicht einen zwischen RBK und dem Bhf, sondern einen allgemeinen. Nämlich, wann und in welcher Form darf Solidarität geübt werden. Das geht viel mehr Leute an als nur uns drei und deshalb wäre es besser gewesen, dieses Treffen in dem dargestellten Rahmen zu verweigern und statt dessen öffentlich einzuladen.

 

DIE ERGEBNISSE DES GESPRÄCHS

 

Nach wie vor lehnt das Gremium unsere Forderung ab! Das Gremium argumentiert, daß wenn es jetzt, nachdem wir den Konflikt öffentlich gemacht haben, unserer Forderung akzeptiert, der Bhf in Zukunft „erpressbar“ (O-Ton) sei. „Wir glaubten gar nicht wie viele Anfragen es für Solikonzerte gibt, von der Musikerinitiative bis zu einem Benefizkonzert für ein krebskrankes Kind, das eine Operation benötigt“. Neben der Lächerlichkeit der Argumentation zeigt mit das allerdings nur eins. Daß es offensichtlich den Bedarf nach Benefizkonzerten gibt, das Gremium das bisher in „zehn Augen“ Gesprächen abgebügelt hat und letztendlich auch nicht bereit ist die Strukturen im Bhf so zu verändern, daß solcher Art Konzerte eine Berechtigung haben, schlicht gesagt, eine inhaltliche Auseinandersetzung/politische Position dazu verweigert.

Das schlägt dann auch in den Fällen durch, in denen das Gremium von dem besagten „Prinzip“ (siehe die beiden Stellungnahmen von RBK und die vom Bhf) abgewichen ist. „Das haben wir gemacht, weil schon im Vorfeld absehbar war, daß wenige Leute kommen und die VeranstalterInnen dann wenigstens etwas über haben“. Auch hier: politische Solidarität mit dem Anlass für das Benefiz  definiert das Gremium nicht. Es ist der Kostenfaktor, der für den „Sinneswandel“ ausschlaggebend ist. Da eh wenig Leute kommen und der Bahnhof keinen Reibach machen kann, wird der Getränkeverkauf gnädiger Weise noch den VeranstalterInnen überlassen.

Nun komme ich zu den Punkten, die die Situation eigentlich nur noch absurd erscheinen lassen. Zum ersten ist der Bhf nach Aussage in diesem Gespräch nicht auf die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf beim Fermin Muguruza Konzert angewiesen. „Wenn wir diese Einnahmen nicht hätten, dann würden wir eine andere Veranstaltung organisieren“. Zum zweiten will das Gremium keine eigene Benefizveranstaltung zum Komplex Genua organisieren, würde aber eine solche, die von anderen Gruppen organisiert wird, auch von uns, „unterstützen“. Einer unserer Gesprächspartner hatte noch die grandiose Idee KünstlerInnen, die er kennt, privat anzuquatschen, damit diese etwas spenden. Zum dritten ist dem Bahnhof eine weitere Zusammenarbeit mit Radio BonteKoe „wichtig“.

Ersteres ist also die materielle Ausbeutung unseres Engagements. Statt eine eigene Veranstaltung zu organisieren wird mit der Kohle kalkuliert, die RBK mit den im Bhf organisierten Konzerten ranschafft.

Zweites ist wieder die Verweigerung einer eindeutigen politischen Positionierung, einhergehend mit persönlichem Opportunismus.

Drittes ist wohl eher eine Phrase, denn das Gremium glaubt doch nicht im Ernst, daß RBK nach diesem Konflikt auch noch seinen guten Namen hergibt,  um dem Gremium ein politisches Alibi zu verleihen.

Zum Ende des Gesprächs wurden wir dann auf Dienstag, den 11. September vertröstet. Dann trifft sich das Gremium erneut und will noch einmal beraten, ob ein „verbessertes Angebot“ vorgelegt wird. Das könnte dann ein höherer Betrag sein, der gespendet wird, oder aber es gibt „mehr“ Geld aus dem Getränkeumsatz bei dem Fermin Muguruza Konzert. Mir persönlich ist das Ergebnis dieser Sitzung ehrlich gesagt scheißegal. Weiß ich doch aus dem Gespräch, daß der bisher gespendete Betrag von 500,-DM im Gremium nicht unumstritten ist, er war einigen zu hoch(!). Auch bleibt bei einem vom Bahnhof organisierten Getränkeverkauf nicht viel über. Beispiel gefällig? Bei 2000,-DM Umsatz bleiben netto gerade mal 400,-DM über, so die Vertreter des Gremiums. Würde unsere Forderung erfüllt, dann würde bei einem Umsatz von 2000,-DM ungefähr das dreifache übrig bleiben und das noch bei niedrigeren Getränkepreisen.

 

DIE SITUATION INNERHALB VON RADIO BONTEKOE

 

Es steht fest, daß die Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Bhf Langendreer, die ja in dem Gremium organisiert ist, nach den Konzerten, die schon im Bhf geplant sind (zwei in diesem Monat, eines im November) beendet wird. Es muß ein anderer Rahmen für RBK Konzerte gefunden werden. Ob Konzerte und auch die Inhalte, die darüber transportiert werden, in Zukunft in Zusammenarbeit mit der „Politabteilung“ innerhalb des Bhf`s organisiert werden, ist Teil einer Diskussion, die in naher Zukunft angestoßen und geführt werden soll.

 

Nun zu dem Konflikt innerhalb von RBK in der jetzigen Diskussion.

 

Ich bin am jetzigen Punkt des Konflikts kein Teil mehr von Radio BonteKoe. Das hat verschiedene Gründe, die hier erläutert werden sollen.

 

Zunächst bestand Uneinigkeit darüber, ob vor nächsten Dienstag an die Öffentlichkeit gegangen wird. Da wir uns innerhalb von RBK nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten, drückt dieses Papier meine Privatmeinung aus, ist also nicht ein gemeinsam verfasstes Papier von Radio BonteKoe.

 

Wie ich ja eingangs geschrieben hab, war es ein Fehler, sich auf ein internes Gespräch mit dem Gremium einzulassen. Wir haben den Konflikt ja öffentlich gemacht, weil wir eine Diskussion um das Thema Solidarität, um die geht es letztendlich, und die banalen Hindernisse dafür, anstoßen wollten. Es war konkret das Verhalten des Gremiums, welches den Anlaß dafür gab. Außerdem finde ich es richtig politische Konflikte öffentlich darzustellen. Sei es um anderen Menschen die Möglichkeit zu geben sich einzumischen, was ja auch geschehen ist, sei es um Solidarität zu erfahren, was auch geschehen ist und sei es wie jetzt, um zu einem öffentlichen Treffen einzuladen, auf dem ich mit anderen Menschen die Situation, wie sie jetzt ist und wie mensch in diesem Konflikt weiter agieren (und hier habe ich bewußt das Wort reagieren vermieden) kann, zu diskutieren.

Ich sehe wirklich keinen Grund dafür, bis zum nächsten Dienstag abzuwarten, bevor weiter was in der Sache passiert. Es sind die oben dargestellten Gründe, und ich teile hier auch nicht den Fairnessgedanken, der für so ein Vorgehen angeführt wurde. Das Gremium verhält sich auch nicht „fair“ unserer Forderung gegenüber.

 

Der andere Punkt, der zu meiner Entscheidung geführt hat, wiegt aber schwerer. Allen war bewußt, das Gremium erfüllt unsere Forderung in keinster Weise, das Gremium hat keine akzeptable Begründung dafür, eine weitere Zusammenarbeit ist aufgrund dieser Tatsachen nicht möglich.

Aber wie mit dem Konflikt weiter umgegangen wird, darüber waren die Meinungen sehr unterschiedlich. Da wurde gesagt, „daß der Bahnhof nicht auf unsere Forderung eingeht, war eigentlich vorher schon klar. Was soll mensch jetzt noch machen. Die Konsequenz daraus ist dann in Zukunft nicht mehr mit der Kulturabteilung zusammen zu arbeiten“. Bei dieser Begründung frage ich mich dann, warum haben wir denn den Konflikt öffentlich gemacht? Doch nicht um uns das, was wir vorher schon wußten, noch einmal klarzumachen.

 

Auch gibt es einen konkreten Aktionsvorschlag, der innerhalb der Strukturen von Radio BonteKoe nicht durchzusetzen ist. Dieser sieht so aus.

Wenn das Gremium unbedingt darauf besteht, den Getränkeverkauf selbst zu machen, dann sollen doch die KonzertbesucherInnen selbst entscheiden, wo sie Getränke kaufen. Dazu genügt ein Getränkeausschank vor der Halle, von uns organisiert. Ich habe nicht vor, diese Aktionsform „militant“ durchzusetzen. Ich finde sie nur der jetzigen Situation angemessen und ich bin sicher, das Konzertpublikum weiß sehr wohl eine eindeutige Entscheidung zu treffen, was es unterstützen will. Das muß auch dem Gremium klar sein. Was will es dann auch machen. Den BesucherInnen ihre freie Entscheidung verweigern?  Das Konzert absagen? Die Bullen rufen? Das Ordnungsamt vorschicken? Das wird das Gremium nicht machen, ist es ihm doch jetzt schon peinlich genug, wie es in der gesamten Diskussion weg kommt, was ja wohl auch der Grund dafür ist, daß es sich öffentlich nicht mehr äußert, uns stattdessen zu „zehn Augen“ Gesprächen einlädt und versucht die „Angelegenheit“ ohne eine große Öffentlichkeit abzubügeln.

Aber diese Aktionsform war nicht konsensfähig. Zum einen wurde angeführt, „daß ist nicht die Ebene auf der ich den Konflikt weiter führe“. Zum anderen wurde gesagt,“ ja das können wir machen, aber wir sollten vorher das Gremium fragen, ob es damit einverstanden ist“. Ein weiteres Argument war, „das wird keiner unterstützen, in den Konflikt haben sich bisher auch sehr wenig Leute zu Wort gemeldet“.

Daß es so ist, finde ich persönlich sehr schade. Aber damit will ich mich an diesem Punkt nicht abfinden. Ich glaube sehr wohl, daß es genügend Menschen gibt, die diese Aktionsform unterstützen, sowohl in der Umsetzung als auch indem sie ihre Getränke bewußt mit dem Gedanken der Solidarität an einem von uns organisierten Stand kaufen.

Wie gesagt, innerhalb der Strukturen von Radio BonteKoe ist diese Aktionsform nicht durchsetzbar. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, dieses Papier zu schreiben, diesen Aktionsvorschlag zu machen. Ich glaube, daß er in einem anderen Zusammenhang möglich ist, deshalb möchte ich dazu einladen, diesen Vorschlag zu diskutieren und den Konflikt überhaupt in einen breiteren Diskussionzusammenhang stellen.

Ich denke, wenn dies nicht möglich ist, dann müssen sich auch die beiden anderen überlegen, ob das Projekt Radio BonteKoe nicht überhaupt gescheitert ist, und ob die Konzerte und Veranstaltungen, die wir in den letzten Jahren organisiert haben, unsere politischen Inhalte vermitteln konnten, oder ob sie nur ein Ort waren, an denen in netter Atmosphäre konsumiert werden konnte.

Als Termin schlage ich Dienstag, den 11. September vor. 19.30 h im Bahnhof, ein freier Raum wird sich wohl finden.

Tops, 9. September

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