"Wir sind da!"

900 Menschen demonstrieren gegen FaschistInnen in Bochum

Am heutigen Samstag um 12 Uhr versammelten sich nach Angaben der Veranstalter etwa 900 Menschen vor dem Bochumer Hauptbahnhof, um gegen die faschistischen Aufmärsche der letzten Wochen zu demonstrieren. Über politische und weltanschauliche Unterschiede hinweg, war eine bunt gemischte Menge dem Aufruf des Bochumer Friedensplenums gefolgt. VertreterInnen von Grünen, PDS und SPD waren ebenso anwesend, wie weite Teile der autonomen Antifa, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA), Angehörige des evangelischen Kirchenkreises, Vertreter von attac, Mitglieder der Föderation der demokratischen Arbeitervereine (DIDF) und weiterer Gruppen und Initiativen sowie zahlreiche Einzelpersonen. Sie alle fanden sich zusammen, um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, faschistische Aufmärsche wie jene vom 28. Dezember und 4. Januar in Bochum nicht länger hinzunehmen. Ein zunächst für den heutigen Samstag angekündigter Aufmarsch der Neonazis fand nicht statt.

Auf der Auftaktkundgebung vor dem Hauptbahnhof mahnten RednerInnen des Friedensplenums, der Medizinischen Flüchtlingshilfe, der VVN/BdA, von attac und autonomer Antifa, dass verhindert werden müsse, wenn Neonazis versuchen, in Bochum Fuß zu fassen. Bei einem faschistischen Aufmarsch handle es sich nicht um eine Frage der Meinungsfreiheit, Faschismus sei keine Meinung, sondern ein Verbrechen.
Fred Sobich, Superintendent der evangelischen Kirche, rief den Anwesenden zu, Beschwichtigungen nicht zu folgen, die da hießen, man solle sich von marschierenden Neonazis nicht provozieren lassen. "Wir lassen uns provozieren!", erklärte er in seiner Rede. Es müsse eine Selbstverständlichkeit für Bochumer Bürgerinnen und Bürger sein, an dieser Kundgebung teilzunehmen, nicht die Ausnahme. Ob Neofaschisten kommen oder nicht kommen, spiele keine Rolle. Wesentlich sei hingegen: "Wir sind da!"

Im Anschluss an die Kundgebung zog die lautstarke Demonstration durch die Innenstadt und zurück zum Hauptbahnhof, wo die Versammlung beendet wurde. Kundgebung und Protestmarsch verliefen ohne Zwischenfälle, obgleich zuvor Morddrohungen gegen einen der Veranstalter ergangen waren.
Zum Ende forderte das Friedensplenum alle Anwesenden auf, erneut auf die Straße zu gehen, sobald Faschisten eine Kundgebung anmelden sollten, und noch weitere Freundinnen und Freunde mitzubringen, damit kein faschistischer Aufmarsch in Bochum mehr möglich werde.