An die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November vor 87 Jahren erinnerte nicht nur Bochum am Sonntag, sondern auch Wattenscheid am Montag in einer gemeinsamen Veranstaltung von „Stelen der Erinnerung“ und der Bezirksvertretung in einer zweigeteilten Veranstaltung. Hier der Bericht des Kuratoriums „Stelen der Erinnerung“:
Das Kuratorium Stelen der Erinnerung erinnert am 1. September um 14 Uhr vor dem Wattenscheider Rathaus an den Tofestag von Betti Hartmann: Geboren am 19. Februar 1927 wurde sie nur 15 Jahre alt. Als jüdisches Mädchen wurde sie von Nazi-Deutschland ins KZ nach Auschwitz deportiert und dort am 31. August 1942 ermordet. Achtzig Jahre nach dem Ende der Herrschaft der Nazis sitzen wieder Faschisten in deutschen Parlamenten und Stadträten. Bei der letzten Bundestagswahl wählte fast jede:r siebte die AfD in Bochum.
Am Dienstag, den 15. Juli lädt das atelier automatic zu einem Stadtrundgang mit Eva Busch und Julia Nitschke durch das in der Nachbarschaft liegende Rottstraßen-Viertel, da sich dort viele wichtige Orte der feministischen Bewegung – ein feministisches Hauptquartier – der 1980er und 1990er Jahre in Bochum befinden: » Unter anderen war dort der ehemalige Frauenbuchladen Amazonas über viele Jahre hinweg ein wichtiges Zentrum der autonomen FrauenLesbenbewegung. Das regelmäßig vom Frauenbuchladen herausgegebene Programmheft namens Fraueninfo wurde neben zahlreichen Flyern und Postern auch in der Druckerei Versalis gedruckt, deren ehemalige Räumlichkeiten heute die Werkstatt des atelier automatique beherbergen.
Das atelier automatique lädt vom 12.07. –10.08. zu einer Schaufenster-Ausstellung ein über queere Spuren im Bergbau: »Von Bergbau-Barbies, über Kleingärten und Waschkauen, zu Arschleder, Blumen unter Tage und einer Zeitkapsel – die Ausstellung «Still Kissing My Kumpels* Goodnight» ist der zweite Teil einer Recherche zu queeren Spuren im Bergbau und zu postindustriellen Relationen zwischen dem Ruhrgebiet und Oberschlesien – einer Region, die aufgrund ihrer Geschichte auch als „polnisches Ruhrgebiet“ bezeichnet wird.
Gestern hätte Betti Hartmann ihr 98. Lebensjahr vollendet wenn sie nicht als 15jähriges Mädchen in Auschwitz ermordet worden wäre. Wattenscheider Schüler:innen hatten von einer Studienfahrt eine Kopie ihrer Todesurkunde aus Auschwitz mitgebracht. Ihren Namen trägt der Platz vor dem Rathaus stellvertretend für die 6 Millionen ermordeten jüdischen Menschen, davon 87 aus Wattenscheid zu denen auch Betti Hartmann gehörte.
Das Kuratorium Stelen der Erinnerung, das sich gegründet hat, um die Erinnerung an diese unvorstellbaren Verbrechen lebendig zu halten und für die Gegenwart zu mahnen, ehrte Betti Hartmann im Rahmen eines Gedenkens mit zwei kurzen Redebeiträgen und einem Blumenstrauß. 4 Tage vor der Bundestagswahl und 5 Jahre nach dem rechtsextremistischen Anschlag von Hanau ist es erschreckend, wie aktuell der Schwur von Buchenwald ist: „Nie wieder Faschismus Nie wieder Krieg!“ Nie wieder ist jetzt.
Das atelier automatique informiert über die GESCHICHTENWERKSTATT in ihren Räumen: »Wie können wir unsere eigene Geschichte erzählen? Viele marginalisierte Communities, Vereine und Gruppen haben eigene Wege gefunden, ihre Geschichte zu erzählen und sichtbar zu machen, weil sie in den offiziellen Erzählungen oftmals fehlt. In fünf interaktiven Workshops gibt es die Möglichkeit, gemeinsam verschiedene Methoden der community-basierten Geschichtsarbeit kennenzulernen.
Im atelier automatique in der Rottstraße ist z.Z. eine bemerkenswerte Schaufenster-Ausstellung zu sehen. Sie sucht nach einer Antwort auf die Frage. „Welche queeren und migrantischen Ge*Schichten lassen sich zwischen Ruhrgebiet und der Grenzregion Oberschlesien, dem «polnischen Ruhrgebiet», finden?“ Die Kurator:innen dazu: »Die Ausstellung in den Schaufenstern des atelier automatique setzt sich kritisch mit postindustriellen Relationen, Familien- und Migrationsgeschichten und queer/feministischen Perspektiven auseinander. Sie fokussiert persönliche ebenso wie kollektive (Gegen-)Ge*Schichten.
In Wattenscheid beginnt das Gedenken an die Novemberpogrome ausnahmsweise bereits um 12 Uhr: »Weil in Bochum das dortige Gedenken bereits um 14:30 beginnen wird, beginnt in Wattenscheid diesmal das Gedenken ausnahmsweise schon um 12 Uhr, damit Gelegenheit besteht, anschließend auch in Bochum teilzunehmen.
>>Aus Anlass des Mordes an Betti Hartmann am 31.8.1942 in Auschwitz erinnerte das Kuratorium Stelen der Erinnerung am 2.9. an die Verbrechen Nazideutschlands. Dass man diese unvorstellbaren Morde an jüdischen Menschen nicht vergessen darf belegen aktuelldie Wahlergebnisse in den Freistaaten Thüringen und Sachsen, wo jeweils etwa 30% der Wähler ihr Kreuz bei der AfD machten.
Beim Stopp des heutiges Ostermarsches in Wattenscheid stellte Christoph Nitsch vom Kuratorium Stelen der Erinnerung das Thema Atomare Bedrohung in den Mittelpunkt seiner Rede: » am 6. August 1945 um 8.15 Uhr Ortszeit entkoppelte die Besatzung des B 29-Bombers „Enola Gay“ die Atombombe „Little Boy“ über der japanischen Stadt Hiroshima. Die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte hatte eine Sprengkraft von etwa 13 Kilotonnen TNT und tötete unmittelbar 20000 – 90000 Menschen. Drei Tage später warfen die USA die zweite Atombombe „Fat Man“ über Nagasaki ab, die mit der Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT noch größere Verwüstungen anrichtete. Beide Bomben brachten unendliches Leid über die Menschen Japans.
Der dreitägige Ostermarsch Rhein Ruhr kommt als Fahrradetappe am Ostersonntag nach Wattenscheid, macht einer Abstecher nach Herne und endet um 16 Uhr vor (bei Regen in) der KoFabrik, Stühmeyerstr. 33 in der Bochumer Innenstadt. Begrüßt und anschließend begleitet wird die Veranstaltung von Klaus dem Geiger (Foto), dem bekanntesten und mitreißendsten deutschen Straßenmusiker.
Am 19. Februar erinnerte das Kuratorium Stelen der Erinnerung an den Geburtstag von Betti Hartmann, die 1942 als 15jährige Wattenscheiderin in Auschwitz ermordet wurde und schreibt dazu: »Christoph Nitsch machte in seiner Rede deutlich, wie unvorstellbar die Zahlen der Ermordeten sind, sechs Millionen jüdische Menschen, davon eine Million alleine in Auschwitz. Greifbarer wird dieses Verbrechen, wenn man Einzelschicksale betrachtet wie das der Betti Hartmann.
Die Ruhr-Uni Unbefristet ist eine Initiative für gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft und schreibt über sich selbst „Statusgruppenübergreifend setzen wir uns für Verbesserungen an den wissenschaftlichen Einrichtungen in Bochum und darüber hinaus ein.“ Anläßlich der Tarifrunde der Länder laden sie jetzt zu einer Veranstaltung ein und schreiben dazu auf ihrer Seite: »Am Dienstag, 14.11.23 um 17 Uhr organisieren wir gemeinsam mit ver.di und GEW eine Infoveranstaltung zur Tarifrunde: Es ist soweit: Die Tarifrunde für den Öffentlichen Dienst der Länder ist am 26.10. gestartet. Unsere Forderung an die Arbeitgeber ist 10,5% mehr Lohn, mindestens aber 500€. Außerdem wollen wir endlich einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte durchsetzen.
Das Wattenscheider Kuratorium Stelen der Erinnerung lädt gemeinsam mit der Bezirksvertretung Wattenscheid auch in diesem Jahr zum Gedenken an die ermordeten Wattenscheider jüdischen Glaubens ein. Treffpunkt ist wie in den letzten Jahren am 9. November um 12 Uhr der Betti Hartmann Platz vor dem Rathaus Wattenscheid, von dort gehen wir Richtung Saarlandbrunnen und weiter zu den 3 Stelen am Standort der ehemaligen Synagoge am Nivellesplatz.
Das Bochumer Friedensplenum ruft am Antikriegstag, am Freitag, den 1. September zu einer Demonstration auf. Startpunkt ist 17 Uhr auf dem Konrad Adenauerplatz vor dem Mandragora. Die Demonstration geht dann über die Kortumstraße bis zur Harmoniestraße. Dort findet eine Abschlusskundgebung statt. Im Aufruf heißt es: »Als am 1. September 1939 die Armeen des faschistischen Deutschland nach Jahren der Hochrüstung Polen überfielen, ahnte kaum ein Mensch, dass damit der zweite Weltkrieg begonnen hatte. Klar wurde dies erst mit der schrittweisen Ausweitung und Eskalation des kriegerischen Infernos. 1945 blickte die Welt auf über 70 Millionen Tote, zerbombte Städte, verwüstete Landschaften und zerschmetterte Lebensentwürfe.
„Ohne ein neues Weltfriedensgefüge wird die menschliche Gattung auf diesem Planeten scheitern – die allgegenwärtige Militarisierung führt hinein in die Barbarei und unermessliche Leiden der nach uns kommenden Generationen,“ erklärte Peter Bürger (Foto) zu Beginn seiner Rede auf der Ostermarschkundgebung am Sonntag in Bochum.Der Krieg sei keine ewige Naturerscheinung, die immer schon bestanden habe und unabänderlich wäre. Es gehöre vielmehr zu einer gewalttätigen Zivilisationsentwicklung von nur wenigen Jahrtausenden, die im Spätstadium die Lebensgrundlagen auf der Erde zerstöre und sich unfähig zeige, der ökologischen Katastrophe gegenzusteuern. Die vollständige Rede.
Der Ostermarsch Rhein-Ruhr geht am Sonntag, 9.4. wie in den vergangenen Jahren als Fahrrad-Etappe von Essen über Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne nach Bochum. Er endet vor der Mandragora-Bühne im Bermuda-Dreieck. Der Publizist Peter Bürger hält hier um 16 Uhr eine Rede mit dem Titel „Ohne Frieden keine Zukunft – Scheitert der homo sapiens?“ Von verschiedenen Initiativen und Organisationen wird es kurze Statements zum Thema geben. In Wattenscheid macht der Ostermarsch vor der Friedenskirche am August Bebel Platz halt. Hier spricht um 13.10 Uhr Christoph Nitsch von „Kuratorium Stelen der Erinnerung.“
Refugee Law Clinic (RLC) und der AStA der Ruhr-Uni Bochum laden am 23.11. zu einer Lesung aus dem Buch „Die Würde des Menschen ist abschiebbar“ mit Autor Sebastian Nitschke und anschließender Diskussion ein. Weitere Gäste sind Hannah Franz (Doktorandin an der Universität Hamburg, die dort an ihrer Doktorarbeit zu illegaler Abschiebehaft schreibt) und Inga Stremlau (Fachanwältin für Straf- und Migrationsrecht).
Das Kuratorium „Stelen der Erinnerung“ berichtet über die alljährliche Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Wattenscheid, die gestern gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde durchgeführt wurde: »Neu war, dass diesmal auch die Bezirksvertretung Wattenscheid als Mitausrichterin dabei war und sich auch Schülerinnen und Schüler der „Märkischen Schule“ am Programm beteiligten. Nach dem schon traditionellen Singen des Liedes „Die Moorsoldaten“ begrüßten Kuratoriumsvorsitzender Felix Oekentorp und sein Stellvertreter Christoph Nitsch die zahlreichen VeranstaltungsteilnehmerInnen.
Die bodo Redaktion schreibt über ihre Neue Ausgabe: »Eine Bochumer Nachwuchsschauspielerin des Jahres, ein Emmy-Preisträger aus Herne, eine ausgezeichnete Essener Buchautorin, moderierte Wildnis in Dortmund, ein Bochumer Obdachloser protokolliert seinen Tag, ein Blick hinter die Mauern von Abschiebegefängnissen, eine Einladung zum Tag der Armut: „Kommt zu Tisch!“. Die neue Ausgabe des Straßenmagazins erscheint am 1. Oktober.
Zur Gedenkveranstaltung am 31. August für die als 15jährige in Auschwitz ermordete Betti Hartmann gab es im Anschluss wieder ein Blumengesteck am Schild des nach ihr benannten Platzes vor dem Rathaus Wattenscheid. Felix Lipski erinnerte an Familie Hartmann, Christoph Nitsch warnte vor den zum Bundestag kandidierenden Nazi-Parteien.
Montag 30.08.21, 10:46 Uhr
31.August 2021, 14:00 Uhr, Wattenscheid, Betti Hartmann Platz
Das Kuratorium „Stelen der Erinnerung e.V.“ schreibt: Der Hartnäckigkeit von Hannes Bienert ist es zu verdanken, dass der Platz vor dem Wattenscheider Rathaus den Namen von Betti Hartmann (19.2.1927 – 31.8.1942) trägt. Mit seinem Bürgerantrag im August 2012 brachte Hannes den Stein ins Rollen. Das Bezirksparlament entschied im April 2013 einstimmig für die Umbenennung des Platzes zu Betti Hartmann Platz. Dort ist seitdem ein würdiger Ort zum Gedenken.
Die Queerdenker hatten für den heutigen Samstag bundesweit zu einer Demonstration auf dem Bochumer Kirmesplatz mobilisiert und 2.500 Teilnehmende angemeldet. Es kamen ca. 500 Besucher*innen. Das Bündnis gegen Rechts und fünf Antifa-Initiativen hatten lokal zu einer Demonstration und einer Kundgebung gegen die politische Zielsetzung der Verschwörungsgläubigen aufgerufen und 250 Teilnehmer:innen angemeldet. Es kamen nur ca. 150 Unterstützer:innen. Die Polizei verhielt sich weitgehend friedlich und provozierte lediglich die Teilnehmer*innen der Gegenkundgebung dadurch, dass sie die Versammlung durchgehend störte, indem sie Besucher:innen der Querdenker-Demo völlig unnötiger Weise durch die Gegendemo schleuste.
Liebe antifaschistischen Freundinnen und Freunde, liebe Bochumer Bürgerinnen und Bürger, ist Querdenken nur ein Geschäftsmodell des Stuttgarter Unternehmers Michael Ballweg, der die Pandemie als Chance nutzt, um sich finanziell zu bereichern? Das ist Querdenken mit Sicherheit auch, aber es ist vor Allem auch eine Plattform für alle Arten von Unzufriedenen, KritikerInnen der Anti-Corona-Maßnahmen, radikale ImpfgegnerInnen, für das Reichsbürgermilieu, Neonazis und Menschen, die esoterischen Praktiken und Ideen nahestehen.
Gestern haben verschiedene feministische Gruppen und Initiativen unter dem Motto „Under feminist Construction“ anlässlich des Frauen*kampftages zur dezentralen Demonstration quer durch die Bochumer Innenstadt aufgerufen.
Bewaffnet mit Schildern, einer Demo-Playlist und lauten Stimmen zogen einige hundert Demonstrant*innen vorbei an den, von den Veranstalter*innen errichteten, „feministischen Baustellen“ durch die Bochumer Innenstadt. Die Redaktion von Bo-alternativ war dabei und hat einen Bericht über alle Stationen des feministischen Kampftages mitgebracht.
Willkommen allen, die trotz Corona es sich nicht nehmen lassen wollen, hier den jüdischen Opfern die Ehre zu erweisen und am Gedenken an die Pogromnacht teilnehmen. mehr…
Das Kuratorium Stelen der Erinnerung teilt mit, dass die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht am 9. November 1938 trotz des Corona-Lockdowns in Wattenscheid stattfinden kann: »Erstmals findet das Gedenken in Wattenscheid gemeinsam statt. Bislang erinnerte das Kuratorium mit einer eigenen Kundgebung an den Stelen am Nivellesplatz an die ungeheuerlichen Verbrechen, während die Bezirksvertretung im Wattenscheider Rathaus ihre Veranstaltungen durchführte. Nun gibt es erstmals eine gemeinsame Veranstaltung. mehr…
Das Wattenscheider Kuratorium Stelen der Erinnerung lädt am 9. November ab 13:30 Uhr gemeinsam mit der Bezirksvertretung Wattenscheid auch in diesem Jahr zum Gedenken an die ermordeten Wattenscheider jüdischen Glaubens ein: „Treffpunkt ist anders als in den letzten Jahren der Betti Hartmann Platz vor dem Rathaus Wattenscheid, von dort gehen wir Richtung Saarlandbrunnen und weiter zu den drei Stelen am Standort der ehemaligen Synagoge am Nivellesplatz. Wir werden trotz der notwendigen Einschränkungen wegen der Pandemie das Gedenken an die Opfer der Shoa nicht ausfallen lassen. Das Programm der Gedenkveranstaltung: mehr…