Gewaltprävention durch WenDo an Bochumer Schulen

-Feministische Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen-

Dokumentation

 Seit fünf Jahren finden in Bochum in unterschiedlichen Institutionen, wie Schulen, VHS, Jugendzentren und anderen Bildungs- und Sporteinrichtungen WenDo-Kurse für Mädchen und Frauen statt.

Mit WenDo wird ein wichtiger Beitrag zu Gewaltprävention geleistet und ein Schritt zur Verbesserung der Lebensqualität von Mädchen und Frauen getan.

Folgende Schulen bieten WenDo an (Auswahl):
Erich-Kästner-Gesamtschule (Bochum)
Willy-Brandt-Gesamtschule (Bochum)
Freie Schule (Bochum)
Annette Droste-Hülshoff-Schule (Bochum)
Gräfin-Imma-Grundschule (Bochum)
Goethe Schule (Bochum)
Kämpenschule - Schule für geistig Behinderte (Witten)
Gesamtschule (Hasslinghausen)


Finanzierung und Einbettung der Kurse

Die finanzielle Absicherung der Kurse wird häufig durch eine Mischfinanzierung erreicht. Daran sind beteiligt: Das Land mit dem "Initiativprogramm Selbstbehauptung- und Konflikttraining für Mädchen und Jungen an Schulen", Elternbeiträge und die Fördervereine der Schulen.

Die Landesmittel sind als einmalige Zuwendungen konzipiert und als Anschub für eine Auseinandersetzung mit fördernder Mädchenarbeit an den Schulen gedacht. Es obliegt somit den Schulen die Angebote zur Prävention von Gewalt weiter zu führen.

Aus unseren Erfahrungen als WenDo-Lehrende sind längerfristig angelegte Schulprojekte, wie z. B. WenDo für die Mädchen einer Jahrgangsstufe oder mehrere WenDo-Kurse an einer Schule sinnvoll und effizient.

Die Langfristigkeit bietet den LehrerInnen die Möglichkeit, Strukturen an der Schule zu schaffen, die z. B. bei Grenzüberschreitungen und Übergriffen verbaler und körperlicher Art im Schulalltag den Mädchen einen besseren Schutz bieten. Somit ist das Thema "Gewalt gegen Mädchen" mit all seinen Auswirkungen keine "Eintagsfliege", sondern wird in den Schulalltag integriert, und kann auch inhaltlich im Unterricht und in AG`s oder während der

Projektwochen weiter bearbeitet werden. Es bedarf oft jahrelanger Zusammenarbeit, um Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Mit der Landesförderung und dem Engagement vieler Schulen ist bereits ein wichtiger Schritt getan.

Kursinhalte

Mädchen erleben in allen Lebensbereichen unterschiedliche Grenzüberschreitungen, wie Blicke, festgehalten und "angegrapscht" werden, sexualisierte Anmache bis hin zu körperlicher Gewalt und Vergewaltigung. Viele Mädchen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion angegriffen, d.h. sie erleben rassistisch motivierte Übergriffe. Mädchen mit körperlichen Einschränkungen berichten von Diskriminierungen aufgrund ihrer Behinderung und von bevormundenden Verhaltensweisen, z.B. gutgemeinten aber ungewollten Hilfestellungen.

Über sexualisierte Belästigungen zu sprechen ist an Schulen oft noch ein Tabu.

Immer wieder sind Übergriffe von gleichaltrigen oder älteren Jungen Gegenstand von Erzählungen, wie z.B. gegen den Willen geküsst oder abgeknutscht werden, Grapschereien bis hin zur Androhung und Erfahrung massiver körperlicher Gewalt.

Mädchen machen immer wieder die Erfahrung, von Exibisionisten auf der Strasse belästigt zu werden oder berichten von Männern, die sie im Bus beobachten.

Einige Mädchen sprechen über ihre Erfahrungen sexualisierter Gewalttaten von Verwandten oder bekannten Männern.

Und immer wieder erzählen die Mädchen, dass sie sich schämen und sich nicht trauen anderen von ihren Erlebnissen zu berichten und dass ihnen oft nicht geglaubt wird oder ihre Aussagen keine Konsequenzen haben.

Ziele von WenDo

WenDo gibt den Mädchen die Möglichkeit über diese Themen zu sprechen, sich auszutauschen, von eigenen Ängsten, Unsicherheiten aber auch von Erfolgserlebnissen zu berichten. WenDo stärkt Mädchen in ihrem Wunsch, sich selbst zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden.

Viele Mädchen bezeichnen sich nach einem Kurs als selbstbewusster und fühlen sich sicherer im Umgang mit alltäglichen Belästigungen. Durch ein rechtzeitiges Erkennen und Einschätzen einer bedrohlichen Situation sowie durch sicheres Auftreten können Mädchen einer Vielzahl von Angriffen bereits im Vorfeld vorbeugen.

Viele Eltern haben heute ein ruhigeres und sicheres Gefühl, wenn ihre Töchter das Haus verlassen. Oft ist das Vertrauen gewachsen und dem Thema "Grenzverletzungen" wird mit größerer Offenheit und Sensibilität begegnet. Dieser Ausstausch wird verstärkt, wenn die Mütter und die Töchter einen Kurs besucht haben.

Lehrerinnen und Lehrer haben Gedankenanstösse und Hilfe bekommen, wie sie ihre Schülerinnen unterstützen können. WenDo war gleichzeitig Motor für neue schulische Initiativen zu den Themen: Übergriffe, Gewalt bzw. Missbrauch.

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