WAZ-Artikel vom 6.8.02
Frau in Trennung:
Wohnungsverein schaut genauer hin
Bewerberin fühlt sich diskriminiert

Streit gibt es zurzeit um die Vermietungspraxis des Gemeinnützigen
Wohnungsvereins, der in Bochum etwa 2900 Wohnungen unterhält. Eine Frau,
die sich seit April vergeblich um freie Wohnungen beworben hat, fühlt
sich diskriminiert.
,,Sie müssen es immer wieder versuchen", hatte man Petra Planeck noch
gesagt, als sie die erste Absage erhielt. Das war im Mai. Als sie sich
im Juli noch einmal bewarb, bekam sie eine andere Auskunft: ,,Man teilte
mir mit, dass der Verein nicht an Frauen vermieten würde, die in
Trennung leben", berichtet die 40-Jährige von diesem Telefongespräch. In
ihrer Bewerbung hatte sie angegeben, dass die Trennung von ihrem Mann
der Grund dafür sei, dass sie jetzt eine Wohnung sucht.
Mit Mieterinnen in dieser Situation hat der Gemeinnützige Wohnungsverein
offenbar ,,schlechte Erfahrungen" gemacht. Norbert Reitz,
Vorstandsmitglied des Vereins, berichtete gegenüber der WAZ von einem
einige Jahre zurückliegenden Fall, in dem eine Mieterin von ihrem
Ex-Ehemann erstochen wurde. Allerdings widersprach Reitz der Aussage der
abgewiesenen Bewerberin: ,,Grundsätzlich vermieten wir schon an Frauen,
die in Trennung leben", sagt Reitz. ,,Aber bei Bewerbern, die nicht
Mitglied unseres Vereins sind, schauen wir etwas genauer hin."
Genau das hätte sich Petra Planeck eigentlich auch gewünscht. ,,Ich habe
zweimal um ein persönliches Gespräch mit Herrn Reitz gebeten", sagt sie.
,,Ich wollte, dass er sich selbst ein Bild von mir macht. Ich habe ihm
auch versichert, dass es keinen schlagenden Ehemann gibt." Doch zu einem
Gespräch wollte sich der Verein nicht bereit finden. abe