Rede von Annemarie Grajetzki auf der
Friedensdemonstration am 15.09.01 am Husemannplatz / Bochum
Danke für Ihr Kommen, für euer Kommen
Wir sind mit den Menschen in den USA in ihrem Schock und Leiden uneingeschränkt solidarisch. Das kann aber
nicht heißen, dass wir mit allen Entscheidungen der US-Regierung im ,,monumementalen Kampf", den ,,das
Gute gegen das Böse" so Präsident Busch jetzt zu führen hat, einverstanden sind.
Wir sagen NEIN zu militärischen Racheaktionen. Militärschläge nützen weder den Opfern des Terrors,
noch sind sie ein geeignetes Mittel zur Verhinderung oder Eindämmung des Terrorismus.
Wir sagen NEIN zur Feindschaft gegen den Islam. Gemeinsam gedachten Moslems, Juden und Christen am Donnerstagabend
in Bochum in der Christus Kirche den Opfern des Terrors in den Vereinigten Staaten. .Die Christuskirche, die mit
ihrem vom zweiten Weltkrieg gezeichneten Turm ,selbst ein Denkmal gegen die Gewalt ist, wirkte an diesem Abend
als Brücke zwischen den Völkern, zwischen den Kulturen und zwischen den Religionen. BRÜCKEN BAUEN
dazu ruft das Bochumer Friedensplenum heute auf.
Wir sagen JA zum Brücken bauen.
Deshalb dürfen wir uns von niemanden verleiten lassen ganze Religioner Kulturen oder Völker als schuldig
zu verdammen. Die uns von den Medien suggerierte Gleichung ,,Muslim = Fundamentalist" ist absurd und dem
Zusammenleben verschiedener Nationen und Religionen abträglich, auch hier in Bochum. Die Terroristen benutzen
islamische Glaubenselemente und religiöse Begrifflichkeiten als willkommene Stützen der eigenen ideologischen,
fatalen Position. Lassen wir uns nicht mit hinein-nehmen in dieses fatale Denken und Handeln. Die Fanatiker sind
die Minderheit. Die Mehrheit der 1 Milliarden Muslime leidet unter den Fundamentalisten. Sie will ein friedliches
Zusammenleben mit anderen Völkern.
Den Terroristen Osama bin Laden will ich nicht verharmlosen. Aber in unserer Wut auf solche Fanatiker und Anstifter
zur Gewalt und solche Drahtzieher zur Gewalt dürfen wir nicht vergessen, dass wir keinen Kampf der Kulturen
erleben, keinen der Religionen.
Denn, wenn es eine Lehre gibt aus dem Terror, dann die,
- dass friedliebende Menschen zusammen rücken müssen über Religionen hinweg, damit sich so etwas
nicht wiederholt
- dass in unserem Land, in unserer Stadt nicht Vorurteile gegen die muslimischen Bürger und Bürgerinnen
wachsen
- dass wir nicht geblendet werden durch religiösen Hass.
Besonnenheit und Toleranz mögen unser Handeln und das der Politiker und verantwortlichen leiten.
Mögen die Politiker und Verantwortlichen mit Stärke und Entschlossenheit reagieren sich aber nicht von
Hass blenden und leiten lassen.
Wir sagen NEIN zu militärischen Racheaktionen.
Wir sagen NEIN zur Feindschaft gegen den Islam.
Wir sagen JA zum Brücken bauen.
Danke für ihr Kommen, für euer Kommen.
Annemarie Grajetzky