
aus 2313, Nr. 26, v. 25. 1. 00
Skandal im Papageienhaus
Rassistische Praxis in Wohnheimen
Seit knapp zwei Monaten ist es für marokkanische Studenten in Bochum kaum noch möglich, einen Platz in privaten studentischen Wohnheimen (u.a. Papageienhaus, Roncallihaus) zu bekommen. Zwischen den Wohnheimverwaltungen besteht ein mehr oder weniger informelles Abkommen, keine marokkanischen Studenten mehr aufzunehmen.
Wenn HeimleiterInnen die Weigerung, marokkanischen Studenten trotz leerstehnder Zimmer nicht zu berücksichtigen, als eine ‚demokratische Bestrafung' (wofür auch immer) zu legitimieren versuchen, zeigt dies umso mehr die rassistische Motivation. Mit der Begründung, es hätte zu viele Beschwerden über die Studierenden aus Marokko gegeben, wurde eine HeimleiterInnenkonferenz einberufen. Statt sich vernünftig mit den einzelnen Beschwerden auseinanderzusetzen, wurde dort der so genannte 'MarokkanerStopp' beschlossen. Mit der Legitimation der HeimleiterInnenkonferenz glaubten sie, die marokkanischen Bewerber leicht und bedenkenlos abweisen zu können.
Als die marokkanischen Studierenden und das BAS (Bündnis Ausländischer Studenten) von diesen Beschlüssen und der so legitimierten Verfahrensweise im Papageienhaus erfuhren, zeichnete sich ab, dass es zu Protestaktionen kommen würde, um gemeinsam dieser Angelegenheit entgegenzuwirken.
pseudo-heimvollversammlung
Die Heimleiterin wurde so gezwungen, ihre Entscheidung vor den BewohnerInnen zu rechtfertigen und ließ dazu eine sechsköpfige 'Scheinvollversammlung', die sich noch nicht einmal an die bereits vorhandenen Regeln hielt, tagen. Dieses Manöver wurde jedoch von den anderen Studierenden entlarvt, und eine richtige Vollversammlung, bei der sich dann auch deutlich mehr TeilnehmerInnen einfanden, wurde einberufen. Auf dieser wurde der rassistische Beschluss der Scheinvollversammlung für nichtig erklärt und zusätzlich gefordert, dass sich alle sechs verantwortlichen Personen bei allen BewohnerInnen des Papageienhauses entschuldigen müssen.
Zwar existiert derzeit offiziell kein 'Marokkaner- Stopp' im Papageienhaus, was aber nicht auf die Praxis der Heimleiterin schließen lässt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass bei nächster 'günstiger' Gelegenheit erneut versucht werden, eine derartige Regelung offiziell durchzusetzen.
wehret den anfängen!
Nicht nur im Papageienhaus, sondern auch in anderen Wohnheimen in privater Trägerschaft sind Regelungen dieser Art mehr oder weniger offiziell Praxis. Dieser 'Marokkaner-Stopp' als eine rassistische Regelung richtet sich natürlich nicht nur gegen marokkanische oder ausländische Studierende, sondern gegen alle Studierenden. Diese Bestimmung stellt leider einen Schritt weiter in Richtung rassistischer Alltagspraxis dar, fügt er sich doch nahtlos ein in schon seit Jahren bestehende Regelungen, beispielsweise in die 'AusländerInnenquote' im Papageienhaus, nach der von den dreizehn Zimmern einer Etage maximal fünf von 'nichteuropäischen' AusländerInnen bewohnt werden dürfen und im Zweifelsfall zusätzlich noch zwei weitere 'europäische AusländerInnen' geduldet sind.
Rassimus-Stopp statt 'Marokkaner-Stopp'!
BAS (Bündnis Ausländischer Studenten)
Die fast komplette
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