| Ruhr-Nachrichten vom 22.9.01 Der neue Krimi: Glatzenschnitt Wenn plötzlich das Küchenbesteck "unter der Ruhrbrücke" liegt, dann wissen die Lieben zu Hause, jetzt ist es wieder soweit: Reinhard Junge liegt mit seinem neuen Krimi in den letzten Zügen! "Glatzenschnitt" heißt das Werk, das kurz vor der Vollendung das Denken des Autors so beherrscht, dass er auf alltägliche Fragen seiner Frau keine präzisen Antworten mehr geben kann. Als Lehrer an der Wattenscheider Hellweg-Schule muss er allerdings vormittags im Deutsch- und Lateinunterricht "den Kopf frei haben". Dort ganz in der Nähe beginnt übrigens sein Roman: In einem Multikulti-Nachhilfeverein an der Westenfelder Straße wird eine türkische Frau bei einem Skinhead-Überfall vergewaltigt. Zwei Stunden später sind die Täter gefasst, am nächsten Tag wieder draußen. In der Silvesternacht, drei Tage später, fliegt einer der Täter in die Luft. Mehr wird nicht verraten. Insider werden es schnell merken -, dieser neue, vierte Krimi schließt an "Klassenfahrt" von 1985 an. Vertraut sind auch die Ermittler: das "Pegasus-Team" und der Leiter der Polizieinspektion West Lohkamp. Das Thema Rechtsradikalismus steht im Mittelpunkt der fiktiven Geschichte, die in Wattenscheid und Bochum spielt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich ganz zufällig. Weniger die kleinen Spitzen. "Andeutungen machen Spaß, wenn sich die Richtigen darüber ärgern," meint der Latein-Pauker verschmitzt. Er stellt fremdenfeindliche Aktionen in den Mittelpunkt seines Krimis, die seiner Ansicht nach im wirklichen Leben "vom Staatsschutz verharmlost werden". Ihn reizt, "wenn Leute glauben, sie könnten sich mit den besseren Anwälten rausreden," verrät Junge und lässt keinen Zweifel dran, dass es ihnen in seinem Roman aber wohl kaum gelingen wird. Sein Herz schlägt links, daran lässt der Lehrer, der nach seinem Studium mit dem Radikalenerlass zu kämpfen hatte, keinen Zweifel. Für die ersten Grafit-Krimis, sechs in Zusammenarbeit mit Leo.P.Ard, der jetzt Drehbücher für die TV-Serie "Balko" schreibt, hatte er direkt in der rechten Szene recherchiert. "Jetzt bin ich zu alt, um unbemerkt einzutauchen," erklärt der 55jährige Krimi-Autor den Übergang zu anderen Recherchemöglichkeiten wie Gespräche mit Polizisten und anderen Lehrern und Presseberichte, um sich ein Bild vom Glatzenschnitt zu machen.Sabine Strohmann Ruhr Nachrichten - 21. 09. 2001 |