Ein Bericht sorgt für Aufregung
Starke Kürzungen an den Unis in NRW geplant - studentische Protestwoche vom 23. bis 26. April
Lang erwartet (aber nicht ersehnt) kam er Ende Februar endlich: der Bericht des Expertenrats für die Hochschullandschaft
in NRW. Im Auftrag des Landesministeriums war umfangreich untersucht worden, wie es um die universitäre Ausbildung
in NRW steht. Heraus kam, dass es in NRW angeblich ein zu großes Angebot an Studienmöglichkeiten gebe
- der Expertenrat schlug daher vor, eine Menge Studiengänge in NRW einfach dicht zu machen. Einige davon auch
in Bochum.
Generell gibt es laut Expertenrat ein zu großes Angebot an den Unis in NRW. Diese Feststellung mag allgemein
verwundern: Ist man es doch eher gewohnt, in zu vollen Hörsälen und Seminarräumen zu sitzen und
lässt einen doch der normale Studienalltag danach schreien, dass das Angebot an den Hochschulen erweitert
werden müsse.
Aber in Zeiten, wo angeblich alle den Gürtel enger schnallen müssen, will man natürlich auch an
den Hochschulen sparen. Treffen wird es (wie schon öfters) vor allem die kleineren Fächer und die Ausbildung
der LehrerInnen.
Die kleineren Fächer (wie z.B. Skandinavistik, Slavistik oder Musikwissenschaften) sollen an einzelnen Unis
in NRW konzentriert werden. So verliert z.B. Münster Musikwissenschaften, Bochum die Fächer Skandinavistik,
vergleichende Sprachwissenschaften, Publizistik und weitere kleine Philologien.
Benachteiligt sind alle Studierende, die diese sogenannten "Orchideen-Fächer" studieren wollen,
sie haben eine erheblich kleinere Auswahl, wo sie studieren können und mit welchen Fächern sie kombinieren
können.
Auch die herkömmliche Lehramtsausbildung soll in Bochum abgeschafft werden, weil sie zu wenig mit der Erziehungswissenschaft
und der Fachdidaktik verzahnt sei. Dies stimmt auch, die mangelnde pädagogischen Anteile in den einzelnen
Studienfächern sind oft bemängelt worden. Der Vorschlag des Expertenrates bringt aber keinerlei Verbesserung:
Vorsorglich wird die alte Ausbildung schon einmal gestrichen, auch wenn man noch nicht weiß, was kommen wird.
In Zukunft soll die Lehramtsausbildung in Kooperation mit der Uni in Dortmund stattfinden und an die geplanten
gestuften Studiengänge (Bachelor/Master) gekoppelt werden. Zuerst soll man seinen Bachelor erwerben, danach
kann man entweder einen fachwissenschaftlichen oder einen schulpädagogischen Master-Abschluss machen. Das
kann in der Praxis heißen, dass man erst drei Jahre studiert, bevor man überhaupt das erste mal das
Wort "Fachdidaktik" hört - ob dieses eine Verbesserung der Lehramtsausbildung darstellt, kann doch
stark bezweifelt werden.
Unverschämt ist natürlich mal wieder das Verfahren, in dem diese Beschlüsse mal eben durchgesetzt
werden:
Zu Beginn der Semesterferien wird der Expertenratsbericht verkündet - wenn alle Studis jobben oder Hausarbeiten
schreiben und sich Protest nur schwer organisieren lässt. Das Ministerium hat es wohl lieber, wenn die Studierenden
gar nicht erst mitbekommen, was aus ihren Hochschulen wird.
Natürlich müssen solche Vorschläge auch nicht mit den Studierenden besprochen werden. Beim Auswerten
der Hochschullandschaft und Erstellen der Berichts hat man lieber nur mit den Rektoraten der Universitäten
gesprochen und Statistiken ausgewertet, als die Meinung der Studierenden selber zu hören und wie diese sich
eine Umstrukturierung der Hochschulen vorstellen.
Das lassen wir uns nicht bieten! Zeigen wir jetzt gleich zu Semesterbeginn der Landesregierung, was wir von ihrem
Sparkurs an den Unis halten!
Beitrag von Johannes Bock in der BSZ vom 23.4.01