Politische Stellungnahmen

EILMELDUNG:

Sicher habt ihr schon von unserer geplanten ‚Aktionstour quer durch Deutschland‘ erfahren:
Wir wollen uns gemeinsam mit anderen Flüchtlingsfrauen an einem Projekt des Musikers Heinz Ratz und seiner Band Strom & Wasser beteiligen: Auf Flößen werden wir vom 14.7. bis 27.8. über Flüsse und Kanäle von Nürnberg bis Berlin reisen, als schwimmende Demonstration auf die Situation von fliehenden Frauen und Kindern aufmerksam machen und lautstark unsere Forderungen in die Öffentlichkeit tragen.
Der ganze Aufruf kann hier gelesen werden:
http://women-in-exile.net/2014/06/10/kommt-mit-aktionstour-quer-durch-deutschland/
Aktuell sind es 31 Organisationen, die den Aufruf mittragen. Wir freuen uns sehr, wenn ihr unseren Aufruf unterstützt, ihn auf eurer Homepage verlinkt und dazu beitragt ihn zu verbreiten.

Unter dem Motto „Von persönlichen Problemen zu politischen Forderungen“ hat am vergangenen Wochenende in Magdeburg der erste Vorbereitungsworkshop für Flüchtlingsfrauen stattgefunden, zwei weitere am Samstag, 5.7.14, in Berlin und am Sonntag, 13.7.14, in Nürnberg werden folgen. Mehr darüber hier:
http://women-in-exile.net/2014/06/03/seminare-von-persoenlichen-problemen-zu-politischen-forderungen/
Wir bitten alle, die Kontakte zu asylsuchenden Frauen haben, die Einladungen zur Aktionstour und zu den  Workshops an sie weiterzugeben. Sie können in Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch, Farsi, Serbisch, Somali, Amharisch (Äthiopien) und Tigrigna (Eritrea) hier als PDF heruntegeladen werden:
http://women-in-exile.net/2014/06/10/kommt-mit-aktionstour-quer-durch-deutschland/

Mit der Vorfreude wächst auch die Sorge, ob wir das alles finanzieren können. *Denn das alles kostet viel Geld, das wir im Moment noch nicht haben. Vor allem ein Begleitfahrzeug wird dringend gebraucht, weil Kleinkinder gar nicht und ältere Kinder nur sehr begrenzt mit auf das Floß dürfen.
Aktuell ist es leider nur für die ersten Tage der Tour finanziert. Deshalb bitten wir Sie/euch unterstützen Sie/unterstützt unsere Aktionstour auch mit einer Spende!
Online spenden können Sie/ könnt ihr hier:
https://www.betterplace.org/de/projects/18916
Deshalb bitten euch auch, uns beim Spendensammeln zu unterstützen: Bitte macht Freund*Innen, Kolleg*innen, Verbündete, Genoss*Innen auf unser Projekt aufmerksam!
Wir wünschen uns sehr, an der ganzen Tour und an diesem großartigen Projekt von Heinz Ratz teilnehmen zu können, und hoffen, dass es an der Finanzierung nicht scheitern wird.

Vor und während der Aktionstour werden auch noch viele Helfer*Innen gesucht:

  • Frauen, die bereit sind, ein Info-(Mobil)telefon in Russisch, Serbisch oder Arabisch zu betreuen.
  • Frauen, die während der Tour einige Tage mitfahren können, um zu übersetzen.
  • Freund*Innen, die während der Tour das Begleitfahrzeug (9-Sitzer) fahren können. (Das Begleitfahrzeug wird dringend benötigt, weil Kinder nur sehr begrenzt mit auf das Floß dürfen.)
  • Freund*Innen, die uns während der Tour bei der Kinderbetreuung unterstützen wollen.

Wir danken euch für eure Unterstützung.
15.8.14 im Bhf.-Bochum-Langendreer, 20:00

 

EILMELDUNG:

Die Türkei kommt innenpolitisch nicht zur Ruhe. Erst vor wenigen Tagen kam es in Soma/West-Türkei zu einem neuerlichen und tragischen Grubenunglück, bei dem über 250 Bergarbeiter ihr Leben ließen, so lautet zumindest die offiziell genannte Zahl, regierungskritische Kreise sprechen aber von viel mehr Toten. Basbakan Erdogan, kontinuierlich im Focus der sozialen Widersprüche stehend, spielt diese Tragödie mit den Worten „Unglücke geschehen ständig“ herunter und zieht sich den Zorn der Bevölkerung zu. DemonstrantInnen werden nieder geknüppelt und festgenommen, Tränengas vernebelt die Straßen der Städte. Durch diese menschenverachtenden Umstände katapultiert sich Erdogan immer näher an den Rand des politischen Abgrunds und wird auf Dauer nicht mehr zu halten sein. Selbst AKP-treue WählerInnen wenden sich mehr und mehr von ihm ab. Worte der Emphatie und des Bedauern sowie die Ankündigung einer zeitnahen Aufklärung des Unglücks scheinen nicht zu seinem Vokabular zu gehören. Im Gegenteil: politische Berater schlagen und treten mit seiner Beteiligung auf am Boden liegende DemonstrantInnen ein.
Mehr noch: Worte über fehlende Sicherheitsstandards, Alarmsysteme, Luftfilteranlagen oder Flucht- und Schutzräumen unter Tage werden ausgeblendet. Angesichts eines neoliberalen Kalküls der AK-Partisi u.a. immer mehr Bergwerke zu privatisieren, bei dem Profite in den Vordergrund treten, Hungerlöhne, gefährliche Arbeit und Menschenleben keinen Stellenwert einnehmen, ist für Erdogan und seine Partei kein Widerspruch, sind sie doch Protagonisten für diese Entwicklung und Politik in der Türkei. Aber eben diese Ungeheuerlichkeiten wird die Lunte für den Untergang sein. * Unsere Solidarität gehört den Werktätigen und Hinterbliebenen sowie den Menschen, die diese Verhältnisse beenden werden*
16.05.2014

EILMELDUNG:

Wir sind voller Wut und Trauer über den Tod des 15-jährigen Berkin Elvan, der während der Kämpfe um den Gezi-Park und gegen die Politik der Regierung Erdogan in Istanbul im letzten Sommer beim Brotholen und somit Unbeteiligter von einer Tränengaskartousche am Kopf getroffen wurde. Am heutigen Tag ist er nun, nach langen Monaten des Komas, verstorben. Erneut erheben sich große Teile der Bevölkerung in vielen Städten der Türkei! In Solidarity*

11.03.2014

Erklärende Worte und Hintergründe zu den Ereignissen in der Türkei:

Seit einer Woche spitzt sich die Situation in Istanbul und mittlerweile vielen anderen Städten von u.a. Izmir über Ankara bis in die kurdische Hauptstadt Amed (Diyarbakir) dramatisch zu. Auslöser für die Proteste in Istanbul ist die Ankündigung der Stadtverwaltung einen Park zu schließen und dem Erdboden gleich zu machen. Der bei der urbanen Bevölkerung beliebte Gezi-Park gilt als eine der letzten grünen Lungen in einer von Gentrifizierung (ganze Stadtteile werden abgerissen, die arme Bevölkerung vertrieben, um Wohn- und Konsumraum für Reiche zu schaffen) betroffenen Stadt und ist gleichwohl Naherholungsgebiet für viele Menschen. Mehrere tausend Bäume sollen einem multifunktionellen Einkaufszentrum (dem 93.) weichen. Zunächst einem zivilen Ungehorsam Folge leistend, setzt sich die Bevölkerung zur Wehr und hat den Park besetzt. Diese Praxis der Rückeroberung des öffentlichen Raumes wird durch äußerst brutale und völlig überzogene Angriffe mittels Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschossen bis hin zu scharfer Munition durch Polizei und Sicherheitskräfte als Strategie der Einschüchterung durchgesetzt. Wasserwerfer fahren über auf der Straße sitzende DemonstrantInnen, von Massenfestnahmen und vielen Schwerstverletzten ist die Rede. Dennoch leistet die Bevölkerung Widerstand; mittlerweile 2 Millionen Menschen in der gesamten Türkei und es werden immer mehr. Polizeikräfte sind temporär vom zentralen Taksim-Platz zurück gedrängt worden, was Tränengasabschüsse aus Hubschraubern nach sich zog. Istanbul versinkt im Rauch dieser gesundheitsschädlichen Chemikalie.

Bestätigten Informationen zufolge, haben sich einige hunderte Polizisten mit den DemonstrantInnen solidarisch erklärt und verweigern ihre Einsatzbefehle. Ebenso bestätigt ist, dass es zu mehreren Todesfällen gekommen ist, die genaue Zahl der Opfer ist bis dato unbekannt. Die staatlich gelenkten Medien schweigen. Kritische Medien dagegen werden an der Öffentlichkeitsarbeit gehindert. Internetaustausch mit bezugnehmendem Charakter wird durch Zensur verhindert und blockiert, was an China und diktatorische Maßnahmen erinnert.

Dennoch sind erwähnte Proteste nur eine Seite der Medaille. Das erst kürzlich durch die AKP und Tayyip Erdogan verfügte Alkoholverbot ist nur ein Fragment einer schleichenden, aber doch so augenscheinlich deutlichen Islamisierung der Türkei. Die laizistisch-orientierten (Trennung von Religion und Staat) ehemaligen Generäle wurden vor Gericht gestellt und zu langjährigen bis lebenslangen Haftstrafen verurteilt und durch islamistische und linientreue ersetzt und ausgetauscht. Bars und Teehäuser, die Teil eines pulsierenden Lebens in den malerischen Gassen und Straßen der Metropole am Bosporus ausmachen, werden mit Schließung bedroht, sollten BetreiberInnen Stühle und Tische vor ihren Lokalen aufstellen, so wie sie es schon immer taten und es ins bekannte Bild passt. Bei Nichtbeachtung werde das Lokal geräumt und gesamtes Mobiliar konfisziert bzw. zerschlagen.

Des Weiteren wird verschärft diskutiert, dass sich Frauen in Zukunft in der Öffentlichkeit mit Kopftüchern zu bedecken haben. Zwei weitere Aspekte, die ebenso dem Größenwahn der neoliberalen AKP anheim fallen, dürfen im Gesamtzusammenhang des aktuellen Widerstandes als Lunte des sozialen Pulverfasses nicht außer Acht gelassen werden: Einerseit der geplante Bau einer 3. Brücke über den Bosporus, der ökologische Konsequenzen einer nachhaltigen Umweltzerstörung von Flora und Fauna nach sich zöge. Andererseits soll ein neuer Flughafen und damit der Dritte entstehen. Dieser wird in einem großen Waldgebiet vor den Toren der Stadt verortet. Viele tausend Bäume würden gerodet, die letzte grüne Lunge zerstört.

Istanbul und die Türkei aber haben andere Probleme, die sich aus der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, menschenwürdigem Leben und Freiheit für Alle sowie der Kurdistan-Frage speisen. Mit diesen Forderungen gilt es sich solidarisch zu erklären!

Compania Bataclan 02.06.2013

 

http://occupygezipics.tumblr.com/
Achtung: der hier dokumentierte Link mit Fotos zur Situation beinhaltet teils brutale Szenen und ist je nach Befindlichkeit und persönlicher Aufnahmefähigkeit mit Vorsicht zu genießen!

fortlaufende Informationen gibt es hier: http://gezipark.nadir.org/

11.06.: Spiegel Online Artikel zu den aktuellen Entwicklungen

 

Solidarität mit und Freiheit für Pinar Selek und Grup Yorum!

Wieder erreichen uns bedenkliche und schreckliche Nachrichten aus der Türkei:
Nach den tödlichen Folgen eines Anschlags gegen 3 kurdische Politikerinnen in Paris, dessen Verantwortliche bis heute unbekannt sind, ist aktuell die Soziologin und Schriftstellerin Pinar Selek, die zweimalig in einem gegen sie geführten und der Täterinnenschaft konstruierten Prozess frei gesprochen wurde, bei einem neuerlichen Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Pinar Selek recherchierte in ihren wissenschaftlichen Abhandlungen über sog. „Außenseiter“ in der Türkei wie Schwule und Transsexuelle, gleichwohl aber auch zur Kurdistan- und Armenienfrage. Hintergrund ihres Strafverfahrens ist ein Bombenanschlag auf einen Gewürzbasar in Istanbul, welcher aufgrund von Gutachten zweifelsfrei widerlegt wurde, da dem Vernehmen der Gutachter nach eine Gasflasche explodiert sei.
Im Falle von Grup Yorum, einer bekannten türkischen Band, ist ein Kulturzentrum, indem sich auch ein Tonstudio der Band befand, von Sicherheitskräften angegriffen worden. Die dort angetroffenen MusikerInnen wurden festgenommen und zusammengeschlagen, wie andere BesucherInnen auch, das Tonstudio zerstört.
Grup Yorum thematisert in ihren Texten immer wieder die politischen Probleme in der Türkei, singt über Solidarität und ein emanzipatorisches Leben aller Menschen. Nun haben sie neuerlich den Preis für ihren Mut und für ihr politisches Selbstverständnis zahlen müssen. Kritische AnwältInnen, die sie vertreten können, gibt es in Istanbul kaum noch, da sich die meisten selbst in Haft befinden!
Selbiges gilt darüber hinaus auch für kritische JournalistInnen!

Reisebericht Istanbul