Alternativen zum Krieg

Rede zur Friedensdemonstration, Bochum 6. Oktober 2001, Knut Rauchfuss

Liebe Freundinnen, liebe Freunde, liebe Passantinnen und Passanten,

Man hat mich gebeten hier heute in drei Minuten die Alternativen zum Krieg aufzuzeigen.

Nun, ich könnte dies in einem einzigen Satz tun: die Alternative zum Krieg ist der Frieden.

"Wie platt," werden manche sagen, "wie naiv" andere.

Doch der Krieg ist keine Alternative - nicht nur, weil er ungeeignet ist, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die jenes Massaker am 11. September in New York und Washington begangen haben - nein.

Krieg ist niemals ein geeignetes Mittel um Gewalt zu bekämpfen. Krieg schafft nur weitere Opfer. Krieg schafft nur weiteren Hass, Krieg ist Terror und wird weiteren Terror hervorbringen. Krieg schafft neue Täter, neue Sieger und neue Machthaber.

Nun, diejenigen, die mich kennen werden wissen, dass ich nicht zu jenen gehöre, die unter Frieden verstehen, die Hände in den Schoss zu legen, die andere Wange hinzuhalten und zu warten, bis Krieg, Terror und Unterdrückung von alleine weichen und sich der Frieden als Zustand einstellt.

Nein, Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg, Frieden ist ein Prozess, der ständig neu erkämpft werden muss.

Wer Frieden schaffen will, muss sich radikal auf die Seite der Opfer stellen:

Wer Frieden schaffen will, muss sich radikal gegen den Terror wenden:

Wer Frieden schaffen will, muss Feindbilder zerstören:

Aber Büroangestellte, Putzkolonnen, Feuerwehrleute, Pförtner und TouristInnen, haben nicht die Bomber auf Bagdad geflogen, vietnamesische Kinder mit Napalm verbrannt oder lateinamerikanische Operettengeneräle in ihren Folterschulen ausgebildet.
Jüdische Wartende an Busbahnhöfen tragen nicht die Verantwortung für Massaker in palästinensischen Flüchtlingslagern und die Menschen in den Ruinen von Kabul standen nicht Pate für die Attentate von Washington und New York.

Wer Frieden schaffen will, muss sich gegen die Täter wenden:

Wer Frieden will, muss dem Hass den Nährboden entziehen:

Wer Frieden will, muss für Gerechtigkeit einstehen:

Wer Frieden will, muss wieder Visionen bereitstellen,
Visionen von eine besseren Welt:

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

In diesem Sinne lasst uns Afghanistan bombardieren, Afghanistan und den übrigen Globus.
Lasst uns die Welt bombardieren mit Brot, Bleistiften und mit Medikamenten, mit der Forderung nach einer gerechten Verteilung der Ressourcen und der menschlichen Würde, gemeinsam mit unseren arabischen, jüdischen und amerikanischen MitstreiterInnen.


Danke.