Von Rassismus wurde nicht gesprochen


Im Rahmen des Projekts „Kein schöner Land? Kontinuitäten rassistischer Gewalt“ findet am Freitag, den 14. Juni um 18.30 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Von Rassismus wurde nicht gesprochen – Rassismus, Rechte Gewalt und die selbstorganisierte Aufklärung“ im Blue Square, Kortumstr. 90 statt. TeilnehmerInnen des Gesprächs sind: Bengü Kocatürk (DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V.), Kutlu Yurtseven (Initiative Keupstraße ist überall) und Jan-Robert Hildebrandt (Opferberatung Rheinland). Voraussichtlich wird auch noch jemand vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung teilnehmen. In der Einladung heißt es: »Am 26. August 1984 sterben bei einer Brandstiftung auf ein Wohnhaus in einer ArbeiterInnensiedlung am 26. August 1984 sieben Mitglieder einer „Gastarbeiterfamilie“ aus Adana. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei schließen sehr schnell ein „ausländerfeindliches“ Motiv aus. Der Fall wird erst 1996 aufgeklärt und eine sogenannte „Einzeltäterin“ verurteilt. Die Behörden schließen nach wie vor eine politische Motivation aus, und sprechen von Pyromanie. Die Brandstiftung gerät derweil in Vergessenheit.
Das gesellschaftliche Klima der 1980er zeichnete sich durch zunehmenden Rassismus und Migrationsfeindlichkeit aus. Über Rassismus oder rechte Gewalt konnte aber dennoch inner- halb der gesellschaftlichen und institutionellen Verhältnisse der 1980er Jahre nicht gesprochen werden. Rassistisch oder rechts-gewalttätig konnten nur Nazis sein, deren Täterprofil dem Wissensstand der Behörden entsprachen, aber nicht der Realität der rechten-rassistischen Gewalt. Das Dunkelfeld der Gewalt, die von als „unpolitische Einzeltäter“ eingestuften Tätern ausging, steht hiermit vor einer neuen Herausforderung.
Seit den NSU Prozessen wissen wir, wie behördliche Blindheit zu einer Entwertung von Rassismuserfahrungen, institutioneller Gewalt und zu strukturellen Ohnmachtserfahrungen auf der Seite der Betroffenen führen. Auf dieser Podiumsveranstaltung wollen wir gemeinsam danach fragen, wie eine Anerkennungs- und Erinnerungspolitik für die Opfer rechter Gewalt aussehen kann. Wie kann die Angehörigen- und Opferperspektive in den Mittelpunkt gerückt werden?
Wie kann man über die Prekarisierungsfolgen bei Betroffenen von rechter Gewalt sprechen, Solidarität organisieren und eine erweiterte Rassismusanalyse durchsetzen?«
Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung per Email wird gebeten: inidu84@riseup.net