Mittwoch 13.06.18, 15:18 Uhr
Begegnungsräume als Aufforderung zu einer offenen Gesellschaft

Rundgang durch die Musikschule

Rund 50 Besucher*innen folgten am Samstag, den 9. Juni der Einladung des Netzwerks »Stadt für Alle« zum Gebäuderundgang durch die Bochumer Musikschule. Die initiative berichtet: »Der Architekt Vincent Forster führte die Gruppe durch das Haus und erläuterte, dass Architektur immer auch die Geschichte einer Idee erzählt. In den 50er Jahren, in denen die Schule gebaut wurde, entstanden die großzügigen hellen Begegnungsräume im Eingangsfoyer und in den Treppenhäusern als Aufforderung zu einer offenen Gesellschaft. Der Schrecken des deutschen Faschismus lag gerade ein Jahrzehnt zurück. Besonders das lichtdurchflutete Foyer, das geschwungene Treppenhaus sowie die warmen unaufdringlichen Farben darin, sind auch heute noch beeindruckende Merkmale für die Architekturqualität der 50er Jahre.

Das Gebäude ist baulich in einem sehr guten Zustand. Auch wenn die Schule energetisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, erklärte Vincent Forster, wäre die Energiebilanz bei Abriss und Neubau, also der Vernichtung der im Gebäude gebundenen Energie, deutlich schlechter, als wenn es in seinem aktuellen Zustand noch Jahrzehnte weiter genutzt würde. Und hier waren sich alle, die sich zu Wort meldeten, einig: Die Musikschule muss als Gebäude erhalten bleiben. Die Pläne der Stadt, das Grundstück der Musikschule und des Gesundheitsamtes inklusive der Gebäude, und damit auch der Option sie abzureissen, an einen Investor zu verkaufen, wurden kritisiert.

Auch für eine neue Nutzung hatte Vincent Forster einige Ideen. Denkbar wäre eine gemischte Nutzung als Wohnraum mit großen und kleinen Wohnungen sowie öffentlichen Räumen, z.B. Beratungsstellen oder Räume für Kultur. Beispiele für gelungene Umnutzungen gibt es viele. Genutzt werden sollte das Gebäude am besten in einer nicht renditen- sondern gemeinwohlorientierten Trägerschaft auf der Basis eines Erbbaurechts, bei dem das Grundstück in städtischer Hand bleibt. Die Gebäude und der Boden, auf dem sie stehen, gehören den Bürger*innen der Stadt. Diese wertvollen Gemeingüter müssen als solche erhalten bleiben. Sie dürfen nicht zum Stopfen von kurzfristigen Finanzierungslücken einfach verkauft und damit für immer aus der Hand gegeben werden.

Um diese Selbstenteignung der Stadt zu verhindern und in den Planungsprozess einzugreifen, lädt das Netzwerk »Stadt für Alle« am Dienstag den 26. Juni  um 19:00 Uhr in den Mieterverein Bochum, Brückstraße 58 zur vierten Stadtteilversammlung ein.«

 
 
 
 


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