Freitag 06.04.18, 08:15 Uhr

Samstag, 14.30 Uhr, Hauptbahnhof

Die Antifaschistische Linke Bochum schreibt: »Am Samstag, den 7. April möchten die Dortmunder Nazistrukturen für ihre Großdemonstartion mit dem Motto “Europa Erwache” am 14. 4 werben. Dazu haben sie, mit Hilfe des NPD Landesvorsitzenden und Bochumer Stadtratabgeordneten Claus Cremer, eine Kundgebung um 16:00 Uhr vor dem Bochumer Hauptbahnhof angekündigt. Wir als Bochumer Antifaschist*innen werden diese Provokation nicht unbeantwortet lassen und rufen zu Gegenprotesten auf. Kommt am Samstag um 14:30 Uhr zum Kurt-Schumacher Platz – gegenüber vom Eingang des Hauptbahnhofs!

Dortmund und die europäische Rechte
Wie bereits erwähnt möchten die Dortmunder Neonazis der Partei die Rechte (Nachfolgeorganisation des verbotenen Nationalen Widerstand Dortmund/NWDO) am 14. April eine Großdemonstration in Dortmund abhalten. Seit Ende letzten Jahres mobilisieren die in Dorstfeld angesiedelten Nazistrukturen zu einer europaweiten Demonstration unter dem Motto “Europa Erwache”. Im November 2017 hielten deutsche Neonazis in Schwerte einen Kongress mit internationaler rechter Beteiligung ab. Hier kamen Neonazis aus Bulgarien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Russland, Ungarn und Deutschland zusammen, um gemeinsame “Lösungen” für die sogenannte “Masseneinwanderung” und den Liberalismus zu finden. Das Dortmunder Nazistrukturen über Jahre hinweg gute Kontakte zu Kamerad*innen im Ausland pflegen, ist bekannt. Ob es die Großdemonstrationen des “Antikriegstag” waren, die ausländische Neonazis anzogen, Kontakte Dortmunder Nazistrukturen zum Zentropa Netzwerk, die Verbindung zwischen Dortmunder Hooligans und Neonazis zum Betreiber der rechten Kampfsportmarke “White Rex” aus Russland oder die zahlreichen Besuche der Dortmunder Neonazis bei anderen Großevents der europäischen Rechten. Wie groß das Mobilisierungspotential aus dem Ausland für eine Demonstration in Dortmund sein wird, bleibt abzuwarten. Angekündigt sind bisher rechte Delegationen und Redner*innen aus anderen europäischen Ländern. Die letzten Großdemonstrationen im Jahr 2016 zeigten, dass sich Führungspersonen aus dem europäischen “Combat 18” Spektrum nicht zu Schade waren, dem Ruhrgebiet einen Besuch abzustatten und die lokale Naziszene beste Kontakte zu eben diesen pflegt. Dass nun diese Dortmunder Strukturen, die seit dem Jahr 2000 mindestens 5 Morde zu verantworten haben, mit der hier ansässigen NPD kooperieren, um auch in Bochum für ihr Vorhaben zu werben, wird nicht unbeantwortet bleiben.

Claus Cremer und die Dortmunder Nazis
Claus Cremer ist zwar nicht Teil von die Rechte Dortmund, übernimmt jedoch die Geschäftsführung der Dortmunder Ratsgruppe, welche aus der Partei die Rechte und der NPD Dortmund besteht. Die NPD in Nordrhein-Westfalen befindet sich schon seit Jahren unter der Führung von Claus Cremer im Sturzflug. Zahlreiche Eskapaden einzelner NPD Mitglieder und Vorwürfe gegen Cremer führten dazu, dass die NPD auf Landesebene keinerlei Bedeutung mehr besitzt. Mit dem Erfolg der AfD geht es auch bezüglich der Wählerstimmen bergab. Daher scheint es für den vorbestraften Claus Cremer sinnvoll, Kontakt zu den gut organisierten Nazistrukturen aus der Nachbarstadt zu pflegen. So hat Cremer zwar die Kundgebung am kommenden Samstag angemeldet, es ist jedoch davon auszugehen, dass Neonazis aus Dortmund an der Kundgebung teilnehmen werden. Auch wenn die NPD, wie bereits angedeutet, in Bochum als auch in NRW kaum noch Relevanz besitzt, bleibt sie eine Partei die menschenverachtende Politik betreibt, hin und wieder noch Aktionen durchführt und somit gewaltbereiten Neonazis eine Bühne bietet. Genau dagegen werden wir am Samstag auf die Straße gehen!

Kundgebungstour durch das Ruhrgebiet
Zuvor sollen ebenfalls Nazikundgebungen in Duisburg und am Gelsenkirchener Hauptbahnhof stattfinden. Gelsenkirchen war in den letzten Jahren, trotz erschreckender Wahlergebnisse, eine Stadt in denen extreme Rechte immer wieder Probleme bekamen. So blockierten zahlreiche Gelsenkirchner*innen (mit Unterstützung der Schalker Fußballszene) am 1. Mai 2015 den Zuweg in ihre Stadt. Damals versuchten Dortmunder Nazis eine Demonstration durchzuführen, welche in Essen startete und in Gelsenkirchen enden sollte. Weiterhin ist es bekannt, dass rechte Plakatierer*innen während der vergangenen Wahlkämpfe immer wieder Schwierigkeiten mit engagierten Bürger*innen in Gelsenkirchen bekamen. Wir hoffen natürlich, dass die antifaschistischen Proteste sowohl in Bochum als auch in Gelsenkirchen und Duisburg erfolgreich ausgehen werden.

Daher kommt am 7. 4. um 14:30 Uhr zum Bochumer Hauptbahnhof! Stellt euch gemeinsam mit uns den Faschist*innen entgegen! Wichtig ist uns, dass wir bei jeglichen Formen des Widerstands solidarisch miteinander sind und uns gegenseitig unterstützen!
Ebenso rufen wir dazu auf, die Gegenaktionen in Duisburg und Gelsenkirchen zu unterstützen.

Nach den Protesten gegen die Nazikundgebung wird eine antifaschistische Demonstration durch die Bochumer Innenstadt ziehen. Diese soll einerseits deutlich machen, dass Nazis auf Bochums Straßen nicht willkommen sind, andererseits wird die Demonstration dazu genutzt, für die Gegenaktivitäten eine Woche später in Dortmund und für die Vorabenddemo am 30. April in Bochum zu mobilisieren.
Daher bringt nicht nur Gegenstände mit, die akustisch und visuell zum Protest gegen die Neonazis genutzt werden können, sondern auch ihren Zweck auf einer antifaschistischen Demonstration erfüllen.

Es bleibt dabei! Gemeinsam gegen die Nazikundgebung – Keine Nazis auf Bochums Straßen!«

2 LeserInnenbriefe zu "Samstag, 14.30 Uhr, Hauptbahnhof" vorhanden:

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6. Apr. 2018, 10:17 Uhr

LeserInnenbrief von Rene:

- “Wie groß das Mobilisierungspotential aus dem Ausland für eine Demonstration in Dortmund sein wird, bleibt abzuwarten.”

Na, um die Anzahl der TeilnehmerInnen aus dem Ausland wird es wohl kaum gehen. Es geht bei der Nazi-Demonstration und ihrem Motto “Europa Erwache” um eine perspektivische Ausrichtung ihrer Politik und bei der Demo um den gemeinsam vollzogen symbolischen Akt der Verbrüderung.
Die von den Nazis erhoffte Wirkung zielt vor allem nach Innen, in die internen aber auch trans-nationalen rechten Strukturen. Für sie dürfte die generelle Anwesenheit ausländischer Kameraden wichtiger sein, als ihre Anzahl.

Wäre schön, wenn diese Art naiver Antifa-Narrative und Erfolgsbilanzierung „Wir waren mehr als die Nazis“ nicht weiter Schule macht, sondern man sich mehr Zeit nimmt um sich Gedanken über Strategie und Taktik der Nazis zu machen. Aber auch Recherche, Analyse, Monitoring, Dokumentation, und und und. Und das als Linke und nicht als neo-stalinistische Pooser, die Sexismus, Verrat, Bedrohung und Denunziation gegen Linke nicht nur dulden, sondern selbst ausführen.

In diesem Sinne ein Gedicht:

Ein Faschist, der nichts ist, als ein Faschist, ist ein Faschist.
Aber ein Antifaschist, der nichts ist, als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist.
(Erich Fried)


 

6. Apr. 2018, 16:27 Uhr

LeserInnenbrief von b.akunin:

…liest sich so als sei Rene ein personifizierter Insider, was er nicht ist. Die Vermutungen sind daher hypothetisch und stammen zudem aus der Weihnachszeit, in der es Spekelatius gibt.
Angesichts einer Kundgebung ist eher mit weniger Nazis zu rechnen, da nur an einer Stelle verblieben wird.
Somit kommt eine Eventkultur zu kurz, sozialer Treff, Gebrülle und mackerhafte Profilierungssucht verorten sich eher nächste Woche in Dortmund.
Hier in Bochum werden sie dementsprechend empfangen: mit Trillerpfeifen lauthälsigen antifaschistischen Parolen, Musik und Lautsprecherwagen. Das kennen sie, primär gilt es für sie ein ” Lebenszeichen ” zu senden.

Wir sind auch da!

B.Akunin *


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