Mittwoch 28.03.18, 07:00 Uhr

Thomas Schulz

13 anni senza te, 13 anni con te

Am 28.03.2005 wurde der antifaschistische Punk Thomas Schulz von dem Nazi-Skinhead Sven Kahlin in der U-Bahn Station Kampstraße in Dortmund erstochen. Thomas Schulz hinterließ zwei Kinder. An ihn will das Politcafé Azzoncao  dreizehn Jahre nach dieser Tat mit Texten, Fotos und einem Interview erinnern: Am Abend des Ostermontag 2005 wollte der 31 jährige Thomas Schulz mit seinen FreundInnen zu einem Punkkonzert fahren. In der U-Bahnstation Kampstraße fuhren sie die Rolltreppe hinauf, als auf der anderen Rolltreppe in gegenläufiger Richtung der rechte Skinhead Sven Kahlin mit seiner Freundin hinabfuhr, um die U-Bahn zu erreichen. Es entwickelte sich ein Wortgefecht, da der zur „Skinhead-Front Dortmund Dorstfeld“ zählende Sven Kahlin unschwer als Nazi auszumachen war.

Polizeilich war der 17.jährige Kahlin schon zweimal aufgefallen und juristisch belangt worden. Zuletzt war er Anfang März 2005 wegen Körperverletzung in zwei Fälle verurteilt worden. Bei einem der Fälle hatte er mit zwei anderen rechten Skinheads im Juni 2004 in einer Bahn einen Punk bedroht und diesen dann hinterrücks angegriffen
Sven Kahlin rief an diesem Ostermontag den Punks (sinngemäß) nach, wenn sie was von ihm wollten, sollten sie doch zu ihm kommen. Allein Thomas Schulz, von seinen FreundInnen auch „Schmuddel“ genannt, reagierte darauf, kam die Treppe herab und wollte Kahlin für seine Sprüche zur Rede stellen. Es kam zu einem weiteren Wortgefecht, der sich bis zur Bahnsteigkante der U-Bahn dahin zog. Was der bekiffte Thomas Schulz während des Disputs nicht mitbekam war die Tatsache, dass Sven Kahlin ein 15 cm langes Messer gezogen hatte und dieses einsatzbereit vor Thomas verbarg. Als die U-Bahn einfuhr stieg Sven Kahlin nicht in die U-Bahn ein und beendete so den Streit, sondern er stach unvermittelt und mit großer Wucht mit dem Messer zu. Das Herz von Thomas Schulz wurde durchbohrt, er brach zusammen und Kahlin und seine Freundin flohen. Trotz Notmaßnahmen des Notarztes auf dem Bahnsteig und einer Notoperation im Krankenhaus konnte Thomas Schulz nicht gerettet werden. Er starb am selben Abend.
(Quelle:  Urteil der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Dortmund vom 17.11.2005 – 67 Ds 155 Js 481/04 = 31/05)

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Thomas Schulz
- in memoria -

Am Ostermontag, den 28. März 2005 wurde der 31-jährige Thomas Carsten Schulz von dem rechtsradikalen Skinhead Sven Kahlin an der U-Bahn-Haltestelle Kampstraße in Dortmund erstochen.
Mit dieser Dokumentation wollen wir dem zweifachen Vater Thomas Schulz gedenken und auf den politischen Hintergrund des Mordes und die rechtsradikalen Bezüge seines Mörders aufmerksam machen.

- die Tat -

Thomas Schulz, ermordet am 28.3.2005 durch Sven Kahlin von der Skinhead Front Dorstfeld (Foto ©Azzoncao)

Thomas Schulz, auch Schmuddel genannt, war an diesem Abend mit einigen seiner FreundInnen aus der Punk-Szene auf dem Weg zu einem Konzert. Während die Gruppe die Rolltreppe in der U-Bahn-Haltestelle Kampstraße hinauf fuhr, kamen ihnen auf der gegenläufigen Rolltreppe Sven Kahlin mit einer Freundin entgegen. Kahlin ist ein rechtsradikaler Skinhead und seine national-sozialistische Gesinnung war unschwer an seiner Kleidung zu erkennen. Er trug Bomberjacke, Glatze und Doc Martin Stiefel mit weißen Schnürsenkeln. Zwischen Kahlin, der keine zwei Wochen zuvor wegen eines Überfalls auf einen anderen Punk verurteilt worden war, und den Punks entspann sich ein Wortgefecht. Kahlin rief den Punks (sinngemäß) nach, wenn sie etwas von ihm wollen würden, sollten sie doch kommen. Thomas war der Einzige aus der Gruppe der Kahlin nachging und diesen zur Rede stellen wollte. Was Thomas nicht wusste war der Umstand, das Kahlin längst ein Messer gezogen hatte und es vor ihm verbarg. Während der verbalen Auseinandersetzung stach Sven Kahlin unvermittelt mit großer Wucht zu. Er stieß Thomas das Messer zielgenau bis zum Heft in die Brust und durchbohrte sein Herz. Thomas brach zusammen und Kahlin und seine Freundin flohen. Trotz der Hilfe von PassantInnen und Maßnahmen eines Notarztes auf dem Bahnsteig konnte Thomas Schulz nicht gerettet werden. Er starb am selben Abend.
(Quelle: Urteil der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Dortmund / 14 (I) K 3/05)

- Reaktion der Dortmunder Nazi-Szene -

Die Dortmunder Nazi-Szene triumphierte über den Mord. Im Internet verbreitete sie: „Die Machtfrage wurde gestellt und wurde für uns befriedigend beantwortet: Dortmund ist unsere Stadt!“ Schon während der Mahnwache, die FreundInnen und Bekannte von Thomas am Tag nach der Tat für ihn auf der Verteilerebene der U-Bahn-Haltestelle Kampstraße abhielten, kam es zu ersten weiteren Drohungen und Angriffen durch Nazis.

Mahnwache 2005 in der U-Bahn Station Kampstraße (Foto ©Daniel Rehbein)

So drohte am Nachmittag ein 23-jähriger Nazi einem Punk der Mahnwache verbal mit „Ich stech Dich auch ab!“ und in der Nacht vom 30. auf den 31. März griff dieser die dort Anwesenden mit einem Messer an. In der Nacht vor der großen antifaschistischen Demonstration zum Gedenken an Thomas am 2. April 2005 verklebten Dortmunder Nazis ein Plakat mit dem sie AntifaschistInnen offen mit Mord drohten: „Wer der Bewegung im Weg steht, muss mit den Konsequenzen leben….Organisiert die Anti-Antifa“.

31.3.2007 Naziplakat zur Schmuddeldemo (Foto-©Azzoncao)

Und am Tag der Antifa-Demo veröffentlichte der bekannte Dortmunder Rechtsradikale Siegfried Borchardt auf einer rechten Internetseite einen Artikel mit dem hämischen Titel „Täter sind keine Opfer – no tears for punks“. In diesem relativiert er den Mord an Thomas Schulz. Den Mörder Sven Kahlin bezeichnete die Dortmunder Naziszene umgehend als ihren „Kameraden“ und versorgte ihn mit einem renommierten Strafverteidiger.

- der Prozess -

Sven Kahlin wurde am 17. November 2005 zu einer einheitlichen Jugendstrafe von sieben Jahren ohne Bewährung verurteilt. Aber nicht wegen Mordes wie man angesichts des Tathergangs schlussfolgern könnte, sondern wegen Totschlags. Das Gericht befand:
„Der Angeklagte hat sich durch das festgestellte Verhalten des Totschlags gemäß § 212 StGB schuldig gemacht. Die Kammer ist der Auffassung, dass Mordmerkmale im Sinne des § 211 StGB nicht vorliegen. Es lässt sich nicht feststellen, dass der Angeklagte aus niedrigen Beweggründen gehandelt hat. Die Tatsache, dass der Angeklagte Punker als “Zecken” bezeichnet, lässt einen solchen Rückschluss nach Auffassung der Kammer nicht zu.“ (Aktenzeichen: 14 (I) K 3/05)
Das Gericht sprach dem Angeklagten die Heimtücke ab und interpretierte Kahlins tödlichen Messerstich als eine spontane Tat unter „Aufwallung von Wut und Verärgerung“. Darüber hinaus deutete das Gericht Sven Kahlins national-sozialistischen Sprachgebrauch, Menschen als lebensunwertes Ungeziefer zu bezeichnen, als normalen Sprachgebrauch unter Jugendlichen und entpolitisierte so die Tat. Die einheitliche Jugendstrafe entstand dadurch, dass ein weiteres Urteil wegen Nötigung und Körperverletzung zu einer Straftat Kahlins aus dem Jahr 2004 mit einbezogen wurde. Zusammen mit anderen Nazi-Skins bedrohte Kahlin damals einen Punk in einem Zug und schlug den Punk anschließend zusammen.

Dortmund – deine Zivilgesellschaft

Diese richterliche Entpolitisierung des Mordes an Thomas Schulz reihte sich ein in viele ähnliche behördliche Entscheidungen und Reaktionen seitens der kommunalen Verantwortlichen der Stadt Dortmund auf die immer aggressivere und gewalttätigere Naziszene. So wurde nicht nur Thomas Schulz, sondern auch die drei PolizistInnen, die im Juni 2000 von dem Dortmunder Rechtsradikalen Michael Berger erschossen wurden, offiziell nicht als Opfer rechtsradikaler Gewalt anerkannt. Von einem notwendigen Ermittlungs- und Verfolgungsdruck einmal ganz abgesehen. Die Dortmunder Nazi-Szene blieb und bleibt bis heute so gut wie unbelästigt von staatlichen Maßnahmen. Die kosmetischen Interventionen des Staates verstand die Nazi-Szene zu umgehen und gegen diesen zu wenden. So z.B. die prompte Umorganisierung des 2012 verbotenen rechtsradikalen Zusammenhangs „NWDO“ in die neue Parteistruktur „Die Rechte“.

- Deutungshoheiten -

Kranzniederlegung in Dortmund Brackel-2010 (Foto-©Azzoncao)

Am 14. Juni 2000 erschoss der Dortmunder Nazi Michael Berger bei einer Verkehrskontrolle den Polizisten Thomas Goretzky und verletzte dessen Kollegin Nicole Hartmann schwer. Auf der anschließenden Flucht erschoss Berger in Waltrop die beiden PolizistInnen Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch-von-Woitowitz. Schließlich soll sich Berger auf einem Olpener Waldweg selbst gerichtet haben. Aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage im NRW-Landtag aus dem Jahr 2011 geht hervor, dass die Behörden bis heute der Meinung sind, dass das Motiv der Tat Verdeckungsabsicht war„… da der Genannte – obwohl mehrfach einschlägig vorbestraft – den PKW ohne Fahrerlaubnis geführt hatte und sich außerdem in seinem Wagen und in seiner Wohnung mehrere Schusswaffen befanden, für deren Besitz er keine Erlaubnis hatte. Anhaltspunkte für eine politische Tatmotivation im Sinne der Definition “Politisch motivierte Kriminalität” lagen nicht vor. Vermutungen in den Medien über einen Zusammenhang zwischen der Tat und Hinweisen auf Aktivitäten des Genannten in der “rechten Szene” ließen sich nicht verifizieren.“

Die Definition eines psychisch gestörten Waffennarrs und Einzeltäters wird bis heute von den Verantwortlichen vertreten. Und das, obwohl bei Hausdurchsuchungen die Mitgliedsausweise Bergers in den rechten Parteien „Die Republikaner“ und „DVU“ gefunden wurden. Obwohl bekannt wurde, dass Berger Sympathisant der NPD war und zum Umfeld der „Kameradschaft Dortmund“ gehörte. Und obwohl er mit den bekannten Rechtsradikalen Siegfried Borchardt und Michael Krick befreundet war und über soviel Waffen und Sprengstoff verfügte, um eine ganze Terrorzelle auszurüsten.
Die Naziszene Dortmunds begrüßte die Morde mit Flugblättern und Aufklebern auf denen stand: „Berger war ein Freund von uns. 3:1 für Deutschland. KS Dortmund.“ Die von BürgerInnen eingerichtete Trauerstätte für die BeamtInnen in Dortmund-Brackel wurde geschändet und unweit an einer Mauer die Sätze „Scheiß Bullen! Krepieren sollen sie alle! Elendig!“ geschrieben. Unbekannte sprühten in einem vier Meter langen und ein Meter hohen Schriftzug „3 weniger“ an die Hiltruper Polizeiwache und vor Bergers Wohnsitz wurden Blumen abgelegt. Alles Hinweise auf eine gute Einbindung Bergers in die rechtsradikale Szene Dortmunds.

Azzoncao Transparent 1.9.

- den Nazis eine Gasse -

Unter den Augen der Behörden konnte die rechtsradikale Szene in Dortmund machen was sie wollte. Ein Umstand der die Nazis immer mehr anspornte und ihnen ermöglichte, politische Handlungsmöglichkeit und gesellschaftliche Freiräume zu erringen.
So schafften sie es z.B. in dem Stadtteil Dorstfeld ein Klima aufzubauen, das für viele MigrantInnen und demokratische Menschen Angsträume entstehen ließ. Auch hier waren es die Dortmunder Stadtverwaltung und die Sozialdemokraten, die ihnen diesen Sozialraum kredenzten indem sie Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre die linksalternative Hochburg Dorstfeld mit ihren zehn besetzten Häusern, Alternativprojekten und sozialen Initiativen zerschlugen und damit ermöglichten, dass sich in dem entstandenen politischen Vakuum die rechtsradikale FAP in dem Stadtteil einquartieren konnte. Seit der Jahrtausendwende sind es diese inkompetenten und/oder bewusst ignorierenden Behörden, die Dorstfeld und mittlerweile auch andere Stadtteile zu braunen Brennpunkten mutieren lassen.

Einige wenige exemplarische Beispiele aus Dortmunds behördlichem Demokratieverständnis Anfang der Jahrtausendwende:

- am 21. Oktober 2000 demonstrierten ca. 500 Nazis in der Dortmunder Innenstadt. Die Polizei kesselte stundenlang fast 400 jugendliche AntifaschistInnen ein, die sich den Nazis entgegenstellen wollten.

- am 25. Oktober 2000 zogen ca. 40 Nazis von der Polizei unbehelligt im SA-Stil durch die Dortmunder Nordstadt, riefen „Deutschland den Deutschen – Ausländer Raus“, zeigten den Hitler-Gruß und versuchten gewaltsam in das links-alternative Zentrum „Langer August“ einzudringen. Als die Polizei schließlich erschien, ließ sie alle Nazis ohne Personalienkontrolle nach Hause gehen. Lediglich der stadtbekannt Siegfried Borchardt wurde kontrolliert.

- am 16. Dezember 2000 wurden anlässlich einer faschistischen Demonstration 595 vor allem jugendliche AntifaschistInnen stundenlang eingekesselt, inhaftiert und erkennungsdienstlich behandelt. Die Nazis konnten unbehelligt durch Dortmunds Straßen demonstrieren.
(Quelle: www.dortmunder-polizeikessel.de)

- am 16. März 2002 wirkte die Dortmunder Polizei auf den Vermieter einer Eventhalle in Dortmund-Schüren ein, ein Nazi-Konzert stattfinden zu lassen. Über 1.000 Rechtsradikale konnten dort bei einem Konzert mit internationalen Nazibands feiern. Die grüne Bundestagsabgeordnete Annelie Buntenbach sprach angesichts des Verhaltens der Polizei von einem Skandal und „aktiver Ignoranz“.

Diese Aufzählung ließe sich um endlose kleine und große Berichte über Beleidigungen und Bedrohungen, Übergriffe und Überfälle durch Nazis, behördliches Negieren, Verschweigen und Verharmlosen und aktiven polizeilichen Vorgehen gegenüber AntifaschistInnen aus den letzten 15 Jahren erweitern. Dortmunds Behörden und Administration weisen eine ebenso hohe Toleranzschwelle gegenüber rechtsradikalen Aktivismus und Organisationen, Mord und Totschlag auf, wie diese Szene an den Tag legt. Selbst der Wechsel der Polizeipräsidenten und die halbherzigen und mediengerechten Inszenierungen von rechtsstaatlichen Vorgehen haben an der grundlegenden Haltung der Dortmunder Polizei, Justiz und Stadtverwaltung nichts geändert. Diese scheinen eher ein Problem im eigenverantwortlichen demokratischen und antifaschistischen Engagement der Dortmunder Bevölkerung zu sehen, als in den rechtsradikalen Bestrebungen Dortmund zu einer braunen Hochburg und Laboratorium für ihre Strategien zu machen.
Trauriger Höhepunkt in dieser Entwicklung stellt der rechtsradikale Mord der NSU an dem kurdisch-stämmigen Kioskbesitzer Mehmet Kubaşık dar. Dieser wurde von Tätern des rechten Terrornetzwerks am 4. April 2006 in der Dortmunder Nordstadt begangen. Wie bei den anderen Migranten, die durch den NSU ermordet wurden, ermittelten auch hier die deutschen Ermittlungsbehörden gegen Mehmet Kubaşık und sein persönliches Umfeld. In einer Täter-Opfer Umkehr standen die Opfer der rassistischen Morde, nicht aber die national-sozialistischen Täter und ihr Netzwerk unter Verdacht und Verfolgungsdruck seitens der deutschen Behörden. Das rechte Netzwerk befand sich hingegen unter einer fast fürsorglichen Obhut diverser deutscher Geheimdienste, die nach der Selbstenttarnung des NSU 2011 als erstes ihre Akten zu den Wissensständen ihrer Dienste vernichteten und seitdem ihre Hände in Unschuld waschen.

Während die Familie Kubaşık noch trauerte und wie zum Hohn veranstaltete der NRW-Verfassungsschutz drei Wochen nach dem Mord und nur eine Minute Fußweg vom Tatort entfernt am 27. April 2006 im Dietrich-Keuning-Haus einen Jugendkongress mit dem Titel „Wir im Revier: für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“. Dies war ein Modellprojekt des NRW-Geheimdienstes um sich in den Pädagogik- und Bildungssektor zu verankern und dort Deutungshoheit darüber zu gewinnen, was in staatlichen Bildungseinrichtungen unter Rechtsextremismus und was unter Demokratie zu verstehen ist. Unterstützt wurde dieser Kongress von großen Teilen der Dortmunder Zivilgesellschaft. Und noch ein Jahr später verlautbarten die damalige Landesvorsitzende der Grünen Daniela Schneckenburger und der Sprecher des „Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus“, der Pfarrer Friedrich Stiller: „Der Schülerkongress, den wir im vergangenen Jahr mit dem Verfassungsschutz durchgeführt haben, war gut. Aber so etwas müssten wir jetzt jedes Jahr machen…”
(Quelle: WR 21.06.2007)

Während große Teile der Dortmunder Zivilgesellschaft diese Offerte des Verfassungsschutzes dankend annahmen, war der Nazi und Verfassungsschutzagent Sebastian Seemann laut Aussagen seiner Kameraden dabei, Waffen und Sprengstoff an die Dortmunder Naziszene zu liefern.
Der Lünener Sebastian Seemann gehörte zur Dortmunder Nazi-Szene und war eine Zeitlang nach Belgien gezogen. Von dort aus strickte er an dem Aufbau der in Deutschland seit 2001 verbotenen Organisation „Blood & Honour“. Offiziell wusste der Verfassungsschutz zu dieser Organisation 2006 zu berichten: “Nach dem rechtskräftigen Verbot im Jahr 2001 sind bis heute keine Aktivitäten in NRW festzustellen, die den Fortbestand von Strukturen der „Blood & Honour“- Organisation belegen würden.” Neben seiner Aufbauarbeit für die Naziszene war Seemann im Drogengeschäft unterwegs. Um ausstehendes Geld einzutreiben, nötigte er seinen Kompagnon, den Dortmunder Nazi Robin Schmiemann, einen Raubüberfall zu begehen und stattete diesen mit einer Waffe aus. Schmiemann überfiel am 2. Februar 2007 die Plus-Filiale in Dortmund-Brechten und schoss einen tunesisch-stämmigen Kunden nieder. Die Laufbahn der braunen Gangster unter der Obhut des Verfassungsschutzes endete mit dem Eingreifen der Bielefelder Drogenpolizei. Dabei flog die Identität Sebastian Seemanns als Geheimdienstagent auf. In den folgenden Strafprozessen kam die Rolle Seemanns als Verfassungs­schutzagent nicht zur Sprache. Als „normaler“ Krimineller wurde er verurteilt und die Tätigkeiten des Geheimdienstes beim Aufbau rechtsradikaler Strukturen blieben geheim.
Laut der WAZ vom 15. Mai 2012 gehörten Sebastian Seemann und Robin Schmiemann zu einer Dortmunder Terrorzelle aus dem „Combat 18“ – Umfeld. „Combat 18“ stellt den bewaffneten und terroristischen Flügel von „Blood & Honour“ dar. Angeblich stellte die Dortmunder Zelle ihre Aktivitäten im Jahr 2006 ein – in dem Jahr als Mehmet Kubaşık ermordet wurde. Robin Schmiemann fiel noch einmal im Frühjahr 2013 auf, als ihn das NSU-Mitglied Beate Zschäpe einen 26-seitigen Brief schrieb.

Dortmund – Streichelzoo für Nazis

Die Geschichte des Auf- und Ausbau der Dortmunder Naziszene geht bis beute weiter. Die diversen Strategien, sich in Stadtteilen zu platzieren, sich als soziale „Kümmerer“ in Szene zu setzen, die rassistischen Vorurteile der Mitte der Gesellschaft zu bespielen, Anhängerschaft zu rekrutieren und demokratische GegnerInnen einzuschüchtern werden praktiziert.

Azzoncao-Transparent-1.9.2007-(Foto-©Azzoncao)

Zum Letzteren zählten das Erstellen von sogenannten Anti-Antifa Listen mit Namen und Adressen von AntifaschistInnen im Internet, zahlreiche Überfälle und Körperverletzungen, der Angriff auf die 1. Mai Demo des DGB im Jahr 2009, die Angriffe auf die alternative Kneipe „Hirsch Q“ in Dortmund, der Überfall auf das Dortmunder Rathaus am Abend der Kommunalwahl am 25. Mai 2014, Bedrohungen von PressevertreterInnen, und vieles mehr. Als ein letztes Beispiel kann man auf die Demonstrationen der Partei „Die Rechte“ aus dem Dezember 2014 verweisen. Unbehelligt von der anwesenden Polizei konnten die Rechtsradikalen in der Dortmunder Nordstadt über die in Bergen-Belsen ermordete Jüdin Anne Frank gröhlen: „Anne Frank war essgestört!” und „Wer sitzt im Schrank? Anne Frank!” Später dann: „Antisemiten kann man nicht verbieten!” Zur Verhöhnung Mehmet Kubaşık riefen sie immer wieder: „Mehmet hat’s erwischt”. Und in Bezug auf Thomas Schulz jubelten sie immer wieder „Thomas Schulz, das war geil!” und „Thomas Schulz, das war Sport!”

Außer Spesen Nichts gewesen

Und so geht das rechtsradikale Bedrohungsszenario im braunen Laboratorium Dortmund weiter. Ebenso die bewusste rechtsstaatliche Ignoranz, die oberflächlich vorgibt, sie würde die anti-demokratischen und rechtsradikalen Angriffe auf die Menschen in Dortmund abwehren. Öffentlichkeitswirksam inszeniert sich der Staat alle paar Jahre über einige wenige Razzien oder Verbote. Diese werden dann von eingekauften Wissenschaftlern bejubelt und von den Medien als Ultimo Ratio gepriesen. Aber auf eine derart strukturierte und flexible Nazi-Szene hat dies kaum Auswirkungen – und soll es allen Anschein nach auch nicht haben.
Flankiert wird diese pseudo-demokratische Behördenpraxis von einer jammernden, bürgerlichen Zivilgesellschaft, die sich in symbolischen Inszenierungen angeblichen antifaschistischen Widerstands ergeht.
Ihre Haltung zeichnet sich durch Selbstüberschätzung, Wehleidigkeit und Anbiederung an den unwilligen Staat aus. Diese Haltung ist alles andere als konsequent gegen die rechtsradikalen Demokratiefeinde. Sie ist nicht behilflich, sich Kompetenzen anzueignen, soziale und vertrauensvolle Strukturen aufzubauen, Strategien, Konzepte, Taktiken und Perspektiven zu entwickeln, kontinuierliche Recherchen, qualifizierte Dokumentationen, genaue Analysen und effiziente Aktionen vorzunehmen. Diese Haltung pendelt zwischen Skandalisierung und Nicht-Beachtung der Nazi-Szene hin und her, betreibt „Leuchtturmpolitik“ an herausragenden Demonstrationstagen der Nazis, leistet PR- und Marketing Aktionen für den guten Ruf des „Standort Dortmund“, rangelt dabei um die spärlichen öffentlichen Gelder, die die städtischen Feigenblatt-Organisationen garantieren, befehdet sich untereinander und untergräbt ihre eigenen marginalen politischen Ansätze. Konsequenterweise denunziert sie dabei die wenigen antifaschistischen Gruppierungen, die Faschismus als Konsequenz kapitalistischer Ausgrenzungs- und Verarmungspolitik sehen und ihre antifaschistische Politik mit einer linken Perspektive verbinden wollen.
All dies schafft seit Jahren ein beklemmendes und bedrohliches Klima für die Teile der Dortmunder Bevölkerung, auf die die rechte Gewalt abzielt. Ein Klima, das bundesweit seinesgleichen sucht.

Sven Kahlin – ein rechtsradikaler Serientäter und staatlich geregeltes Fazit

Sven Kahlin wurde am 23. September 2010 vorzeitig und auf Bewährung aus der JVA-Werl entlassen. Der Grund: Gute Führung. Die Nazi-Szene höhnte und plakatierte anlässlich einer Demonstration gegen ihr damaliges Nazi-Zentrum auf der Rheinischen Straße am 29. September 2010: „5 Jahre für ein ganzes Leben! – 4 zu 1 für uns!“.
Kahlin galt den Nazis als Held und schon am 25. Oktober 2010 hielt er eine Rede auf einer rechtsradikalen Kundgebung in Hamm. Dabei trug er ein Sweatshirt mit dem Aufdruck: „Was sollten wir bereuen?“ Seiner Meinung nach vermutlich nichts. Und so schlug er sechs Wochen nach seiner Haftentlassung, am 13. November 2010, im Stadtteil Dorstfeld auf einen Wirt ein, der ihn auf Grund seines rechtsradikalen Auftretens der Kneipe verweisen wollte.
Ein Jahr später, am 8. November 2011, stand Kahlin wegen dieser Straftat vor Gericht. Er wurde aber nicht als Bewährungsversager wieder in Haft genommen, sondern ein weiteres Mal auf Bewährung entlassen. Die Richterin sah ihn einer Bewährung würdig. Und das, obwohl Kahlin neben dieser Gewalttat noch eine ganze Reihe ähnlich gelagerter, politisch motivierter Straftaten in der Zwischenzeit begangen hatte. So am 12. Dezember 2010, als er mit weiteren Mitgliedern der „Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld“ (SFD) die alternative Kneipe „Hirsch Q“ überfiel. Oder am 26. Juni 2011, als er wegen zweier Überfalle zusammen mit Mitgliedern der Skinheadfront im Bochumer Hauptbahnhof verhaftet wurde. Trotzdem wurde die neuerliche Strafe auf Bewährung ausgesetzt. Zwei Wochen später, am 26. November 2011, schlug Sven Kahlin mit anderen Mitgliedern der Skinheadfront zwei türkisch-stämmige Teenager auf den Dortmunder Weihnachtsmarkt krankenhausreif.

Radikales NS-Milieu – die Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld

Die vorzeitige Freilassung ihres Mitglieds Sven Kahlins motivierte die Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld zu immer mehr Straftaten. Schon im Februar 2009 machte sie bundesweit von sich reden, als Mitglieder von ihr auf der Raststätte „Rabensteiner Wald“ in Sachsen AntifaschistInnen zusammen schlugen und sie sich am 1. Mai 2009 an dem Überfall auf die Dortmunder DGB-Demonstration beteiligte. Nach Kahlins Freilassung setzten sich Mitglieder der Skinheadfront mit immer mehr Gewaltexzessen in Szene. Einige exemplarische Beispiele:

- 13.10.2010 – Angriff auf einen Tunesier (Oberhausen)
- 12.12.2010 -  bewaffneter Angriff auf die „Hirsch Q“ (Dortmund)
- 29.01.2011 -  Angriff auf Linke während einer Demonstration (Wuppertal)
- 11.06.2011 -  rassistische Pöbelei gegen zwei schwarze Frauen in einer U-Bahn, die Nazis stoßen deren Kinderwagen um, am gleichen Abend eine Schlägerei auf einer Kirmes (Dortmund)
- 26.06.2011 – Angriffe in einer Bar und im Hauptbahnhof (Bochum)
- 26.11.2011 -  Überfall auf zwei türkisch-stämmige Jugendliche auf dem Weihnachtsmarkt (Dortmund)
- 05.08.2012 – Angriff auf eine afro-deutsche Frau in Mc Donald (Dortmund)
- 25.05.2014 – Beteiligung bei dem Angriff auf das Dortmunder Rathaus

Dies sind nur einige ihrer Taten, die in den letzten Jahren publik wurden. Die Bevölkerung Dorstfelds kann von weiteren zahlreichen Bedrohungen und Übergriffen auf Gemeindefeste, Wahlstände von Parteien, einem Wahlbüro,  etc. berichten und von Pöbeleien, Beleidigungen, tätlichen Angriffen, usw. erzählen.
Im Jahr 2004 gründete sich die „Skinheadfront Dortmund – Dorstfeld“ als Kameradschaft rechter Skinheads und verkündete auf ihrer Internet-Seite ihr Vorhaben in Ober-Dorstfeld eine „National Befreite Zone“ aufzubauen. Die Kerngruppe entwickelte sich rund um den Steinauweg. Durch ihr brutales und bedrohliches Auftreten vertrieb sie immer mehr AnwohnerInnen. Beschwerden bei der Polizei und der zuständigen Wohnbaugesellschaft, der städtischen DoGeWo, brachten keinen Erfolg. Ganz im Gegenteil. Das städtische und behördliche Verhalten war derart eklatant ignorierend und tolerierend gegenüber den Nazis, dass die umliegende Bevölkerung von einem stillschweigenden Einverständnis seitens der Behörden mit dieser Entwicklung ausging. Immer mehr AnwohnerInnen zogen aus. Immer mehr Rechtsradikale zogen in und um den Steinauweg in städtische Wohnungen ein. Von der ca. 20 köpfigen Kerntruppe wohnten 2011/12 in und um den Steinauweg gut ein Dutzend Mitglieder der Skinheadfront. Andere Mitglieder kamen aus weiteren Dortmunder Stadtteilen, Bochum, Iserlohn, Hemer und Wetzlar zu regelmäßigen Besuchen in die braune Enklave am Steinauweg.
Derart logistisch unterstützt, entwickelte sich aus der Kameradschaft ein gefestigtes soziales Milieu. Was andernorts nur in verschwiegenen Hinterzimmern und heimlichen Konzerthallen möglich ist, wurde hier zu einer gelebten nationalsozialistischen Parallelwelt. In und um den Steinauweg ertönten fortlaufend volksverhetzende Parolen, erklang rechtsradikale Musik und wurden T-Shirts von verbotenen Organisationen getragen. Zu dieser Lebenswelt zählten aber auch StadtteilbewohnerInnen, Mitglieder des örtlichen Fußballvereins, Frauen und Kinder. Zu den für alle zugänglichen Bereiche gehörten z.B. Parties, Feste, Grillabende und Public Viewing von Fußballspielen. Zu den internen Bereichen: Zeltlager, Besprechungen und Kameradschaftsabende. Über die Jahre hinweg festigte sich die Skinheadfront sozial und strukturell und machte einen Radikalisierungsprozess durch, der immer mehr Gewaltexzesse gegen Menschen hervorbrachte, die ihren Feindbildern entsprachen. Der Zusammenhalt des Milieus und die Gewaltkarrieren der dort lebenden Nazis wurden zusätzlich über diverse verwandtschaftliche Beziehungen untereinander gefestigt. Neben Sven Kahlin war auch sein jüngerer Bruder Jan Kahlin in der SFD tätig. Aus Bochum erhielt die Skinheadfront Verstärkung durch die Brüder Daniel und Timo Ewers und ihren Schwager Martin Penic. Und zu nennen wäre noch das Mitglied Simon Schmiemann, dessen Bruder Robin Schmiemann noch wegen des Raubüberfalls im Gefängnis sitzt. Zuletzt machte Robin Schmiemann von sich reden, wegen seines Briefkontakts mit dem NSU-Mitglied Beate Zschäpe.

Nazi-Transparent zur Schmuddeldemo 29.3.2008 (Foto-©Azzoncao)

In- und ausländische Besucher gehörten zum Alltag im Steinauweg, nicht nur Mitglieder der Dortmunder Kameradschafts-Szene. Auch Nazis aus Holland und Belgien, vorwiegend Mitglieder von „Blood and Honour“ und dem „Combat 18“- Ableger, der „Racial Volunteer Force“ (RVF), wurden zu Dauergästen im Steinauweg. Diese politisch motivierten Besuche erwiderte die Skinheadfront mit diversen Konzert- und Demonstrationsbesuchen im Ausland. Die Kontakte nach Holland liefen vor allem zu Michael Krick und Ed Polman von der RVF. Das NS-Milieu der Skinheadfront und sein enormes Radikalisierungspotential ist nicht nur lokal und regional, sondern auch international verorten.
Am 10. August 2012 wurde der „Nationale Widerstand Dortmund“ verboten – mit ihm die „Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld“. Dies und einige Prozesse haben es um die Skinheadfront etwas ruhiger werden lassen. Das Milieu und die Strukturen bestehen aber weiterhin. Ebenso der durch die städtische Wohnbaugesellschaft DoGeWo ermöglichte räumliche Zusammenhang, der ihre Milieu-Strukturen ermöglicht und schützt.

Thomas Schulz – uno di noi

Thomas Schulz war einer von uns – uno di noi. Wir werden ihn nicht vergessen. Für uns heißt das, dass wir uns täglich und aktiv gegen jede Form von Unterdrückung, Rassismus und Faschismus einmischen werden. Egal, ob er uns in Gewand des Rechtsradikalismus oder staatlicher Institutionen entgegen tritt.

Kein Vergeben, kein Vergessen!
United we stand, devited we fall

V.i.S.d.P.: A. Müller, Geschichtswerkstatt, Dortmund

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Interview mit Paul zu dem Tod von Thomas Schulz und antifaschistischen Erinnerungsarbeit.

Azzoncao: Hallo Paul. Du hast am Meisten mit der Erinnerungsarbeit zu Thomas Schulz zu tun gehabt. Deswegen wollen wir Dich dazu befragen.
Wie hast Du vor 13 Jahren von der Tat mitbekommen?

Paul: Wie so viele andere auch, aus den Medien, aus der Zeitung. Am nächsten Tag bin ich sofort zur Kampstraße gefahren und habe mich der Mahnwache angeschlossen. Dort waren die unterschiedlichsten Personengruppen. Alle waren ziemlich aufgewühlt – mal traurig, mal wütend. An einer Säule war ein provisorischer Gedenkort eingerichtet worden. Mit Kerzen, Blumen, Plakaten. Ich hab mit Einigen, die ich vom sehen her kannte, geredet, mir die neuesten Gerüchte angehört, meinen Gedanken nachgehangen. Nach einigen Stunden bin ich dann gegangen.

Unter uns, also meinem Bekannten und Freundeskreis, wurde viel geredet. Und alle waren sehr wütend. Die ganze Jahre zuvor hatte die Präsenz der Nazis in Dortmund immer mehr zugenommen. Kundgebungen, Demonstrationen und Nazikonzerte, gewalttätiges Vorgehen gegen linke Einrichtungen und Personen konnten unter dem damaligen Polizeipräsidenten Hans Schulz ungehindert ansteigen. Im Juni 2000 hatte der Nazi Michael Berger in Dortmund drei PolizistInnen erschossen. Und wurde, kontrer aller Fakten, als geisteskrank definiert. Das Innenministerium und die Polizeiführung entlastete so die Naziszene und öffnete den Nazis in Dortmund Tor und Tür. Im Gegensatz belangte die Polizei die antifaschistischen Jugendlichen für jede Bagatelle. So gab es gegen den Aufmarschmarathon, den damals Christian Worch aus Hamburg angemeldet hatte, antifaschistische Demonstrationen. Die Antifademonstrationen wurden immer wieder massiv von der Polizei angegangen und teilweise wurden hunderte Jugendliche über Stunden eingekesselt. So am 21. Oktober und 16. Dezember 2000. Als ob nicht die Nazis, sondern die Antifas die Feinde der Demokratie wären. Es galt die jugendlichen Antifas nachhaltig zu frustrieren, um sie an der Gegenwehr gegen die Nazis zu hindern. In diesem Klima war es so nur eine Frage der Zeit, wann es zu einem weiteren Mord kommen würde. Und dieser Mord geschah dann am Ostermontag 2005 in der U-Bahnstartion an der Kampstraße. Es traf den 31jährigen Familienvater Thomas Schulz. Einen Punk. Aber es hätte auch jede und jeden Anderen treffen können, der Kahlin und seinen Kameraden nicht in ihr faschistisches Weltbild gepasst hätte. Das war vielen klar.
Wir sind dann alle nach Dortmund auf die Demonstration gegen rechte Gewalt gefahren. Dort waren rund 4.000 Menschen erschienen. Sehr viele Jugendliche aus den unterschiedlichen Jugendkulturen. Weniger das was man Zivilgesellschaft nennt, also Verbände, Parteien, Kirchen, usw.. Thomas war halt ein Straßenpunk und zählte für die Honoratoren der Stadtgesellschaft zu den zu vernachlässigenden Prekariat, das ihre kapitalistische Gesellschaftsordnung ja erst schafft. So wie hier in Bochum auch von der Zivilgesellschaft nicht an Josef Gera gedacht wird, ein alternder Homosexueller der Kontakt zur Wohnungslosenszene sucht – Igitt. An ihn wird ja auch nicht gedacht. So wie an anderen Orten in der Republik an Opfer rechter Gewalt auch nicht gedacht wird, weil sie Obdachlose waren, oder Flüchtlinge. Aber man kann auch schon sagen, dass es generell an einer Gedenkkultur fehlt. Meist zählen die Opfer rechter Gewalt nur nummerisch – in Statistiken, die die Zivilgesellschaft rauskramt, um ihre bürgerlichen Protest zu legitimieren und Projekte finanzieren zu wollen. So zumindest ist mein Eindruck, der entstand zwischen dem offiziellen Manetieren über Opfer rechterund rasistischer Gewalt und der realen Anteilnahme und Gedenk- und Erinnerungskultur. Die Dortmunder Jugendszenen erwiesen sich da 2005 als sensibler als diese Stadtgesellschaft. Sie hatten kapiert, was letztendlich Faschismus bedeutet, dass auch sie mit dem Mord gemeint waren und das sie sich solidarisieren mussten und dies auch wollten. Und dann standen sie wieder der Polizei der Dortmunder Stadtgesellschaft gegenüber, mussten sich verdächtigen, filmen und bedrängen lassen.
Für uns war klar, dass wir uns ab den Mord an Schmuddel mehr in Dortmund engagieren wollten. Wir waren schon die ganzen Jahre immer wieder nach Dortmund gefahren, auf Kundgebungen und Demonstrationen. Sind dann auch in Gruppen über die Bochumer Stadtgrenze gefahren und haben in den Nachbarstadtteilen Lütgen-Dortmund, Kley und Oespel organisiert Naziaufkleber abgerissen und so weiter. Aber die Entwicklungen machten klar, dass man sich als Auswärtiger in Dortmund mehr engagieren musste, damit man die Rechten dort aufhält. Nur mal auf eine Demo fahren, dass brachte es nicht. Und so entschlossen wir uns, dass wir uns in Dortmund mehr engagieren.

Azzoncao: Aber nachdem was man so alles hört scheint das ja mehr als schwierig zu sein?

Paul: Ja, ich kenne keine politische Szene wie in Dortmund, wo die linken Gruppen – und das was sich dafür hält -  so gegeneinander kämpfen. Und das unter der Gürtellinie, ohne Anstand, ohne einen Funken von Moral. Die haben sich jahrelang mehr untereinander bekämpft als gegen die Nazis. Die standen daneben und haben sich schlapp gelacht. Ich habe über fünf Jahre die Antideutschen, den Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus, das Bündnis um DKP und Co, den runden Tisch in Dorstfeld, die Opferberatung, und viele andere Gruppieungen und Initiativen kennen gelernt. Und ich bin ehrlich schockiert über das Ausmaß an Dummheit und Boshaftigkeit mit der diese sich bekämpfen. Und über die Profilneurosen und Karriereambitionen, die sich am Thema Antifa in Dortmund entfalten können. Ein Grund warum sich die Nazis in Dortmund so ausbreiten können liegt an dem Niveau der dortigen Gruppen, die sich den Antifaschismus zu eigen gemacht haben.

Azzoncao: Aber doch auch an der städtischen Administration, der Verwaltung, der Polizei, den Parteien?

Paul: Klar, die Stadt Dortmund und ihre Institutionen weisen einen Kuschelkursus mit den Nazis auf, der seinesgleichen sucht. Aber das begründet doch nicht das miserable Niveau und die anhaltende Erfolglosigkeit Dortmunder AntifaschistInnen. Zum allen Hohn schreiben sie sich ja noch zu erfolgreich zu sein. Wie meint der ehrenamtliche Sonderbeauftragte, die Ober-Schlafmütze von Dortmund, Hartmut Anders-Hoepgen noch einmal. Dortmund sei die Hochburg des antifaschistischen Widerstands. Und da wollen doch die Antifa-Gruppen nicht zurückstehen und behaupten das über sich auch.
Nur, warum werden dann die Nazis immer mehr und erfolgreicher in Dortmund?

Azzoncao: Woran liegt es denn das Dortmund die Hochburg der Nazis in Westdeutschland ist?

Paul: Ich würde sagen an drei Faktoren. Zu einen, dass keine Stadt so wie Dortmund die Nazis gewehren lässt und antifaschistisches Engagement aus der Bevölkerung attackiert. Um zu verhindern, dass sich Leute jenseits der Trinität Stadt – Verwaltung – Polizei gegen die Nazis wehren, werden alle Sozialverbände, die Kirchen, Gewerkschaften und Initiativen, die irgendwie mit der Stadt noch andere Vereinbarungen haben zu einem Zwangskontext vereinigt, der alles ausschließt, marginalisiert und zu verhindern sucht was auf Eigeninitiative ausgelegt ist. Für die städtisch alimentierten Stellen, die sich mit Antifaschismus befassen, sind in der Vergangenheit eingestellt worden, die genau das auch als persönliche Agenda verfolgt haben, bzw. verfolgen. Wie z.B. Claudia Luzar, Dirk Borstel, Anders Höpgen, Olaf Sundermeyer und viele ihrer Subalternen. Ausschlaggebend für deren Einstellung in städtischen Bezugsrahmen war nicht die inhaltliche Qualifizierung, sondern Opportunismus und eine ideologische Disposition. Für diese Personen sind anscheinend linke Antifagruppen schlimmer als Nazis.
Zu anderem haben sich die linken Gruppierungen in Dortmund gegenseitig an effektiver Anifa-Arbeit gehindert. Vor allem die Anti-Deutschen mit ihrer Nationalisierung und Ethnisierung des Antifaschismus, sowie ihrer Gleichstellung von linken Gruppierungen mit den Nazis haben für ein Klima in Dortmund gesorgt, dass seinesgleichen suchte. Da kann man nur auf den antideutschen Aufruf von 2007 „Pazifismus ist nichts wohinter man sich verstecken kann!“ verweisen. Darin hieß es „Wir werden nicht mit antiimperialistischen Linken, den Grünen und dem DGB gegen einen Aufmarsch demonstrieren, der sich inhaltlich nur in Nuancen von dem unterscheidet, wofür eben jene stehen.“ Energie, Zeit, Ressourcen, politische Ausrichtung, etc.p.p. wurden darauf ausgerichtet, der jeweiligen anderen linken Gruppe – und nicht den Nazis – zu schaden. Es ging darum sich an Antifa-Aktioen zu profilieren, den eigenen Peergroup eine Show zu bieten und daran Karriere zu machen. Jetzt 10 Jahre später siehst Du was aus den ehemaligen Vorzeige-Kommunisten und Leadern dieser Gruppen geworden ist. Brechreiz bekommst Du da. Und in Dortmund bekommt man außer schlappen Gegenprotesten zu Nazi-Aufmärschen gar nichts gebacken.

Azzoncao: Na solche Giftspritzen, Stalinisten, Ego Shooter, machtgeile und karrieregeile Flachpfeifen haben wir hier in Bochum doch auch zu genüge.

Paul: Genau, und deswegen haben wir ganz gezielt seit 20 Jahren, bzw. explizit seit 15 Jahren nichts mehr mit den bürgerlichen Kreisen, dem Sozialzentrum und Co. zu schaffen und suchen uns unsere Verbündeten woanders. Sollen die sich doch in ihren Minikreisen bekämpfen. Ihr Misserfolg in der Antifapolitik spricht für sich. Unsere Feinde sind die Nazis. Deswegen machen wir antifaschistische Politik und nicht weil wir das für ein Ranking in einem pseudo-linken Milieu gebrauchen. Aus unserer Abstinenz zu diesem pseudo-linken Milieus gelingt uns immer wieder neue Initiativen zu starten. Unsere Energie und Zeit, unsere Ressourcen und Ideen sind dafür da um uns zu informieren, zu bilden, zu recherchieren, zu schreiben, zu intervenieren, neue Projekte zu starten, usw.. So kamen die meisten Interventionen, Projekte und Kampagnen der letzten beiden Jahrzehnte in Bochum von uns. Während die Anderen schauten wie sie sich gegenseitig am besten beschädigen und ausstechen können, machten wir „unseren Job“.
Und für eine Ausbreitung dieser Ethnisierung und Nationalisierung des Antifaschismus durch die sogenannten Anti-Deutschen sorgten wir, in dem wir die Nutzung von Religions- und Nationalfahnen auf unserer Thor Steinar – Demo am 17. März 2007 verboten. Wir wollten nicht, dass sich Leute auf der Demo gegenseitig provozierten und körperlich angriffen, so wie es später auf der Thor Steinar – Demo in Essen passierte. Wir wollten eine Demo gegen den Naziladen haben. Und deswegen distanzierten wir uns auch ein Jahr später von der antideutschen Demo am 1. März 2008 in Bochum. Deren Inhalte waren untragbar für uns. Wir veröffentlichten unsere Meinung und blieben einfach fern – basta.  Auch für die autonome Anti-NPD Demo am 25. Oktober 2008 wurde so ein Fahnenverbot ausgesprochen. Also keine Israelfahne, keine Palästinafahne. An dieser Stelle, zu dieser Zeit, an diesem Ort wird gemeinsam gegen Nazis gestritten und nicht gegeneinander polemisiert, provoziert oder gar geprügelt. So tauchten bei rund 900 Antifas verschiedenster Coleur und aus verschiedenen Städten allein ein Häufchen von 20 Antideutschen auf, die sich genau an diese Abmachung nicht halten wollten und provozierten. Ihr Erfolg war, dass sie in einem Abstand von 20 Metern hinter der Demo hinterher zuckeln mussten. Nach einem anfängliche Wortgefecht zwischen ihnen und anderen, kümmerte sich niemand mehr um sie und sie mussten allen hinterhertrotten.
So konnten wir verhindern, dass sich in der Stadt und unter den Bochumer Jugendantifa der desaströse anti-solidarische Spaltpilz der Anti-Deutschen ausbreitete. Lediglich am Bochumer AStA konnte er greifen und linke Politik dezimieren. Tja, jetzt kannst Du dir den Bochumer AStA an der RUB betrachten. Nach einem Jahrzehnt innerlinken Grabenkriegen gibt es keinen linken AStA mehr und die Situation ähnelt im übertragenen Sinne der mit den Nazis in der Nachbarstadt Dortmund.
Azzoncao: Und Punkt drei?
Paul: Die Nazis machen in Dortmund eine wohlüberlegte und auf Nachhaltigkeit angelegte Politik, die in ihrem Sinnen sehr gut funktioniert. Sie gehen methodisch und strategisch vor. Planen umsichtig und genau, machen gezielte Interventionen, Projekte und Kampagnen. Die überheblichen und oft dümmlichen Reflexe verschiedener Antifa-Bereiche rechnen sie mit ein. Anders als die Antifaschisten machen sie sich Gedanken zu den Strategien ihre Feinde. Das machen sie wesentlich besser als irgendwo anders im Ruhrpott. An ihren Texten siehst Du wie sie oft sehr unaufgeregt und kühl die politische Situation analysieren, ihre Gegner einschätzen und sich dementsprechend aufstellen.
Tja, und in dieser Kombination konnte und kann das in Dortmund passieren, was eben passiert. Das ist meine Meinung dazu.
Azzoncao: Ok, zurück zu dem Engagement von Euch seit 2005 in Dortmund. Wie habt ihr euch denn eingebracht?

Paul: Na, zunächst sind wir dort auf Treffen gewesen, haben Kontakt gesucht und Gruppen mit Informationen versorgt. Bis wir merkten, dass diese null Interesse auf Augenhöhe hatten. Die Antideutschen haben einen richtig abgezogen, belogen und betrogen. So 2007 als wir ihnen alles über den Thor Steinar Laden aus Bochum und dessen Besitzer, dem Chef der Northside von der Südtribüne des BVB zukommen ließen. Dann das sie all die Verhafteten vom 1. Mai 2007 ohne jede Solidarität stehen ließen, die EA-Ergebnisse vernichteten und Null Soliarbeit machten. Aber auch die Partei „Die Linke“, die einen von oben herab funktionalisierte. Wo wir mit einer Bundestagsabgeordneten Verabredungen trafen und nach Strich und Faden verarscht wurden. Die Jugendantifas wussten sowieso alles besser und hatten nur an Katz-und-Maus-Spielen mit Nazis Interesse, gröhlten lieber hinter Bullenreihen „Antifa Hooligans“ zu Los Fastidios als sonst etwas. Der Runde Tisch in Dorstfeld war eine städtische Außenstelle, die dafür sorgte das sich gegen die Nazis in Dorstfeld nicht regte. Stadtteilbewohner, die was machen wollten wurden weggedisst. Die örtlichen Honoratioren sorgten sich um den guten Ruf und die Grundstückspreise, nicht um Demokratie und das Wohl der Leute. Die erste Veranstaltung mit dem Arbeitskreis gegen Rechts, die ich besuchte, startete mit der Feststellung, dass außer der Stadt Dortmund und dem Arbeitskreis niemand Ahnung in Dortmund hätte und alle außer sie unseriös wären. Und so weiter und so fort. Nach ein paar Jahren, wo wir wirklich fast jede Gruppe kennen lernen durften, haben wir uns aus diesen Narrenkäfig Dortmund zurückgezogen und nur noch mit Einzelpersonen in Dortmund gearbeitet, die alle außerhalb dieser städtischen und nicht-städtischen Antifakreise aktiv sind. So machen wir seit Jahren was mit der Dortmunder Geschichtswerkstatt zusammen. Haben mit ihnen Veranstaltungen zur Partisanengeschichte, zu den Edelweisspiraten, zu den Morden an den drei Polizisten und auch Publikationen zu Thomas Schulz organisiert.

Azzoncao: Und was habt Ihr konkret gemacht?

Paul: Also 2007 wurde in der Presse bekannt, dass ein Nazi aus Lünen, Sebastian Seemann, in der Dortmunder Naziszene Sprengstoff und Waffen verkauft und für die verbotene „Blood and Honour“ – Organisation in Belgien Konzerte organisiert hatte. Nebenbei handelte er in OWL mit Kokain und arbeitete für das NRW Innenministerium als Spitzel. Also für den Verfassungsschutz. Wir haben damals als einzige Combo etwas tiefer gebohrt und recherchiert.
https://www.nadir.org/nadir/initiativ/azzoncao/donazi.html
Das wurde dann 10 Jahre später in dem NRW-Untersuchungsausschuss zum NSU-Komplex zum Thema. Also Sebastian Seemann und seine Kontakte zu Blood and Honour, Combat 18 und Co. Oder besser gesagt, es wurde Nicht-Thema, so wie es immer ist, wenn Geheimdienste ihre schmutzige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit gewaschen sehen wollen. Bezeichnend war schon vor 10 Jahren, dass die Dortmunder Antifas zu dem Thema so gar nicht aktiv waren. Obwohl es sie unmittelbar etwas anging, da es sich um Oidoxie, die Skinheadfront, die Dortmunder Combat 18 Strukturen und die Morde an den drei PolizistInnen im Jahr 2000 drehte.
Naja, und 10 Jahre später, machten die Düsseldorfer aus der LOTTA daraus das, was man heute allgemein als das NSU-Business bezeichnet.

Azzoncao:  NSU-Business?

Paul: Naja, die Düsseldorfer ließen kurz nach der Selbstenttarnung des NSU einen Typen vom Berliner Apabiz unsere Rechercheergebnisse auf einer Veranstaltung zum NSU im Düsseldorfer Zakk referieren. Wir staunten nicht schlecht, als der Berliner unsere Inhalte von der Bühne herab erzählte, als ob es seine wären, und sich dafür beklatschen ließ. Wir konnten aber nicht aufstehen und ihn des Plagiats bezichtigen. So etwas geht nicht, wenn man sich nicht selbst outen will in diesem heiklen Feld. Davon gingen die Düsseldorfer und der Berliner wohl auch aus. Wir haben den Typ vom Apabiz Jahre später getroffen und gefragt, was das sollte. Worauf er kackfrech sagte, dass hätte doch im Internet gestanden. So ist das heute. So werden Rechercheure um ihre Arbeit enteignet. Früher waren Archive für die Bewegung da. Heute ist die Bewegung für die Archive, bzw. die Archivare da. Die stecken sich die Arbeit anderer an den Hut und sichern sich darüber Habitus, Geld und Posten.

Azzoncao: Ziemlich uncool.

Paul: Tja, das ist noch nicht alles. Als wir 2011 die Kontakte zwischen den Dortmunder und den holländischen und belgischen Nazis recherchierten und publizierten, wurde in der Zeit nach der Selbstenttarnung des NSU das Gleiche von den Düsseldorfern gemacht. Man präsentierte als NSU-Watch die Ergebnisse, aber ohne die Quellen zu benennen. Auch hier konnten wir nicht öffentlich protestieren. Erst später sahen sie sich gemüssigt, die Quellen beizufügen. Dann hatten sie sich aber schon das öffentliche Lob und die finanzielle Zuwendung auf ihr Butterbrot gestrichen. Als es dann zu dem NSU-Untersuchungsaussschuss in NRW und dem NSU-Watch NRW kam, fragten wir nach, ob wir beim NSU-Watch mitmachen könnten. Ohne Angaben von Gründen wurde uns die Mitarbeit verweigert.

Azzoncao: Von den Leuten, die vorher eure Ergebnisse als die ihrigen ausgaben?

Paul: Genau. Das wäre wohl auch super peinlich geworden, wenn der Rest der NSU-Watch-Belegschaft diese Art geistigen Diebstahl mitbekommen hätte.
Aber das ging noch weiter. Ein Journalist mit dem wir ein freundschaftliches Verhältnis pflegten und der alles von uns erzählt bekam traf sich mit einem Mitarbeiter des NRW-Verfassungsschutzes, um mit diesem über die Kontakte der Dortmunder Nazis in das benachbarte Ausland zu reden. Er wollte vorher von uns wissen, was wir von einem solchen Gespräch hielten. Wir sagten natürlich nein, das sei ein No go. Er machte es dennoch und als wir davon erfuhren und nach dem Inhalt des Gesprächs fragten wollte er uns Nichts über das Gespräch erzählen. Wir brachen den Kontakt zu diesem Menschen ab. Da wir wussten, dass er auch bei dem NRW NSU-Watch mitarbeitete, erzählten wir Leuten von der LOTTA von dessen Kontakt zum VS. Die sollten das an den NSU-Watch weitergeben. Als wir bei den LOTTA-Leuten dann nachfragten was aus der Geschichte geworden sei, wurden wir allen ernstes gefragt, wo denn da ein Problem zu sehen sei.

Azzoncao: Wie ist denn das zu verstehen?

Paul: Ist doch klar. Die LOTTA ist mit dem NSU-Watch verbändelt. Man verkauft sich als NRW NSU-Watch als verfassungsschutzkritisch und sammelt für diese Arbeit Geld bei der Antifa-Bewegung ein. Und dann stellt sich heraus, dass sich jemand, der dort mitarbeitet, mit dem Geheimdienst, den man ja kritisch zu beäugen vorgibt, trifft. Das ist für das Saubermann-Image gar nicht gut. Aber anstatt da entsprechend zu reagieren, sollten nun diejenigen, die darauf hinwiesen, erklären, worin ein Problem in Antifa-VS-Kontakten besteht. Allen Ernstes und das von einer Antifa-Zeitung.
Das ist das alte Modell, dass der Überbringer der schlechten Nachricht schuld ist, bzw. hier eine Beweisführung erbringen muss worin denn ein Problem liegt sich mit einem Geheimdienst zu treffen. So krass ist das bei denen. That is business, da ist ein Ruf und Geld zu verlieren.

Azzoncao: Deswegen der Begriff NSU-Business?

Paul: Genau, deswegen NSU-Business. Und da gibt es noch diverse andere Sachen aus NRW zu erzählen, wie Leute an Hand des NSU-Affäre sich Ruhm und Geld eingesackt haben.

Azzoncao: Aber war der Journalist denn ein Spitzel?

Paul: Nein, das glaube ich nicht. Es ging nur darum, dem VS etwas zu erzählen in der Hoffnung im Gegenzug auch Informationen zu erhalten. Pures kapitalistisches Journalistenverhalten. Aber solche Journalisten kann man nicht in Antifa-Zusammenhängen belassen. Da kann man sich doch gleich von Innenministerium einen Konferenzraum mit eingebauten Mikrophonen sponsern lassen.

Azzonacao: Und wie passt da die LOTTA rein?

Paul: Die umgibt sich mit dem Nimbus einer Bewegungszeitung. Das ist sie aber seit gut 17 Jahren nicht mehr. Innerhalb des Aufstands der Anständigen und der sich seit dem entwickelnden Staatsantifa in Opferberatung, Mobilen Beratung, Bildungsangeboten der Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden spielt sie die Karte des angeblichen Bewegungsblatts, dient aber den Meisten zur Karriereabsicherung um ihre Expertisen an Parteien und Verbände zu verkaufen und den nachwachsenden JungakademikerInnen, die vor allem das Personal der Staatsantifa bilden. Über die LOTTA greift man Infos aus der Bewegung ab,  kann sich als Schreiberling in das Karrieregeflecht des Bildungsbürgerantifaschismus einbringen, usw. Bewegung ist denen sogar verdächtig und gefährlich. Denn als Bewegung geht es Dir um die Zerschlagung des Faschismus und nicht um die Karriereabsicherung im Kapitalismus.

Azzoncao: Eine harte Kritik.

Paul: Das die das nicht so sehen – können – wollen. Das ist klar. Aber an vielen Kritiken, die an sie in den letzten ca. 20 Jahren geübt wurde, und ihren Abwehrreaktionen kann man das nachzeichnen.
Ganz old school kann man schon auf die Jahrtausendwende verweisen. Da lässt sich das schon in den ersten LOTTA-Ausgaben sehr gut nachzeichnen. Ich habe vor 20 Jahren die LOTTA gegründet, Leute zusammengebracht, Geld requiriert, das Layout gemacht, Druck und Vertrieb organisiert. Damals machte ich den Fehler Leute in die Redaktion aufzunehmen, die aus dem Antifaschismus ihre persönliche Karriere als Journalist und Jungwissenschaftler machen wollten. Die die entsprechenden Sozialmodelle der Konkurrenz und des Abziehens aus der Wirtschaft und den Universitäten dort implementierten. Zwischen denen und den naiven und autoritätshörigen Jungantifas, die dort mitmachten, war ambitionierter linker Antifaschismus nicht zu halten. Und so machte ich noch einen größeren Fehler und schmiss diese patriarchalen Typen nicht raus, sondern überließ ihnen das Feld. In der Geschichte der LOTTA, bzw. ihrer inhaltlichen Ausrichtung lassen sich viele dieser Karriereambitionen nachweisen. Das ist nicht der Antifaschismus der 90er, erst recht nicht der 80er Jahre. Das ist Antifa 2.0, wo bitte ist mein Gehaltscheck.

Azzoncao: Also baut diese Betrachtungsweise von dir auf einer 20 jährigen Geschichte auf?

Paul: Sicher. Ich war bei der Auflösung der Antifaschistischen NRW-Zeitung 1998 der Einzige gewesen, der die Zeitung weiter machen wollte. Sie um Antirassismus und soziale Problematiken erweitern wollte. In der NRW-Zeitung hatte ich fast 25 % aller Beiträge geschrieben. Nicht nur den engen Korridor eines primären Antifaschismus, der Nazigruppen im Fokus hat. Auch zu Antiziganismus, Abschiebeknästen, Umkehr von Täter-Opfer Definitionen bei Brandanschlägen und als einer der ersten zum Anti-Islamismus. Aber die Herrschaften wollten keine Veränderungen. Ihnen ging es um etwa anderes. Die Zeitung war ihnen nicht professionell genug. Sie wollten in den Profijournalismus und in die Wissenschaft, sie wollten Geld mit der Thematik Antifaschismus verdienen. Unbezahltes Engagement und das mit linken Touch war nicht mehr angesagt. Antifaschismus musste für das berufliche und finanzielle Weiterkommen  erfolgreich sein. Autonomer Antifaschismus war ein Auslaufmodell. Sie bestanden auf die Einstellung der Zeitung.
Ich ging dann nach Italien, um als radikaler Linker in Mailand unter den Autonomen und in den Centri Sociali aktiv zu sein. Als ich wieder kam, war von einer Vernetzung, von einer Informations- und Dokumentationspolitik in den antifaschistischen Bezügen NRWs so gut wie nichts mehr vorhanden. Deswegen suchte ich Leute zusammen, bezahlte Druck und Co von meiner Arbeitslosenhilfe, machte das Layout, etc.p.p.. Und dann kam diese feindliche Übernahme für die persönlichen Karriereambitionen. Da hatte ich den sich integrierenden Professionalisierern noch den Steigbügel gehalten, damit sie sich mit der LOTTA ein Vehikel schaffen konnten. Das ich darüber, und über viele weitere Abzockereien, Lügereien und Schummeleien, dieses Zurechtbiegerei von Fakten, dieses „mit dem Kopf im Arsch von auftraggebenden Parteien, Behörden, kapitalistischen Wissenschafts- und Medienbetrieben“ politisch hochgradig verärgert bin versteht sich von selbst. Das ist ein „sell out“ von emanzipativer Politik.
Aber – um es klar zu sagen – das ist der heutige Normalzustand des sogenannten gehobenen Antifaschismus. Alles wurde schön an die Futtertröge des Staates angebunden, dabei als nachhaltig, effektiv und professionell verkauft. Die Hochschulen produzieren wie am Fließband normierte Nachwuchsakademiker für die staatskonforme Zivilgesellschaft, die mit Polizei, Staatsschutz und Ordnungsdienst kuschelt. Und die Nachwuchs-Antifas kennen nichts anderes und finden das auch noch vorbildhaft.
Aber ehrlich, hören wir auf mit dem Mist. Wenn ich an diese „Gehaltsgruppe 30 Silberlinge“ denke, krieg ich nur schlechte Laune.

Azzoncao: Aber wie wird das weitergehen?

Paul: Immer mehr dieser StaatsantifaschistInnen werden zu KronzeugInnen für den Kapitalismus und seine staatliche verordnete Zivilgesellschaft gegen linke und emanzipatorische Bestrebungen auftreten. Werden in Expertisen, Beratungsgesprächen, Interventionen für staatstragende Parteien, für Kommunen und für Bildungseinrichtungen gegen selbstorganisierten Antifaschismus aktiv werden. Und das ohne Gewissensbisse, da sie das mit Inbrust als richtig empfinden. Das haben sie doch so studiert in ihren Rechtsextremismus-Seminaren. Brainwashed am Staatssäckel.
Es gibt ja jetzt schon diverse Alt-Antifas, die das alles mitgemacht und gedeckt haben, jetzt aber merken auf was sie sich da eingelassen haben und arge Bauchschmerzen bekommen, da ihr Nachwuchs ihnen auch an die Gurgel geht. Das sind aber jetzt noch die, die alles vor Kritik beschützen wollen, da sie da tief drin stecken.

Azzoncao: Au Backe. Meinst Du das ernst?

Paul: Ja, vor zwei Jahren hast Du das ja schon in Bochum-Langendreer an Hand der Mobilen Beratungsstelle Arnsberg gesehen. Warte noch fünf oder zehn Jahre, dann wirst du die Blüten dieser Entwicklung in tutto sehen. Da wirst Du als Antifaschist von diesen Leuten bis aufs Blut angegriffen und als Linkssextremist bekämpft werden.

Azzoncao: Ok, lass uns diese Debatte beenden.
Zurück nach Dortmund. Also 2007 habt ihr die Sachen zu diesem Sebastian Seemann und 2011 die Kontakte der Dortmunder Nazis nach Belgien und Holland publiziert. Ihr habt recherchiert?

Kranzniederlegung in Dortmund-Brackel 2015-(Foto-©Azzoncao)

Paul: Genau. Das war der Hauptteil unserer Arbeit. Fotos, Recherchen, Veröffentlichungen. Viele kleinere Berichte. Recherchen zu dem Thor Steinar Laden, der sich von Bochum nach Dortmund verzog. Zur Hooligantruppe Northside von der Südtribüne, usw.. Dann 2010 und 2015 die Gedenkaktionen und Veröffentlichungen zu den drei ermordeten PolizistInnen. Aber wie ich schon im letzten Interview meinte, das alles kann man ohne Indymedia.Linksunten nicht mehr nachvollziehen. Die Berichte und Rechercheergebnisse sind weg.

Azzoncao: Und zu Thomas Schulz?

Paul: Wir nahmen immer wieder an den Demonstrationen zu Thomas Schulz in Dortmund teil. 2008 versuchten die Nazis mit einer Kampagne es so hinzustellen, das Thomas mit einem Messer Sven Kahlin angegriffen hätte. Dieser hätte in Notwehr gehandelt und Thomas dabei erstochen. Als wir von den Kundgebungen der Nazis und deren Texte lasen, waren wir zunächst verblüfft. Wir konnten nicht verstehen, was so eine Kampagne sollte. Dabei fiel uns auf, dass die Dortmunder Antifas keine Dokumentation der Ereignisse der Ermordung von Thomas Schulz geleistet hatten. Es gab nur einige Artikel in den Tageszeitungen nach der Tat und nach dem Urteilsspruch, sonst Nichts. Wir merkten, dass die Nazis auf diese Leerstelle, auf dieses schwerwiegende Versäumnis der Dortmunder Antifa aufbauen wollten. Ihre Hoffnung bestand darin, dass über die Jahre das faschistische Narrativ sich dem antifaschistischen Narrativ ebenbürtig erweisen würde. Und es in Zukunft in den Jugendszenen dann nur noch eine Frage der Sympathien sein würde, welchem Narrativ man Glauben schenkt. Ohne eine antifaschistische Aufarbeitung und Beweisführung mittels Dokumenten und Zeugenaussagen über die Geschehnisse des Mordes an Schmuddel – so glaubten sie – würde ihnen das gelingen. An dem Punkt haben wir uns bemüht an das Gerichtsurteil heranzukommen. Wir bekamen über die Presse / Justiz einen Wink und haben dazu eine Analyse des Vorgehens der Nazis veröffentlicht.
https://www.nadir.org/nadir/initiativ/azzoncao/schmuddel.html
http://de.indymedia.org/2008/07/221710.shtml
2009 haben wir dann noch einmal das Urteil auf Indymedia veröffentlicht:
https://de.indymedia.org/2009/03/245255.shtml

Azzoncao: Da habt ihr ja auch die Dortmunder Antifas mit kritisiert.

Paul: Sicherlich. Die waren ziemlich angesickt, knallten schnell das Urteil auf ihren Blog und taten so als ob das jetzt eine Dokumentation der Ereignisse wäre. Schaut man sich die mehreren Dokumentationen aus Mailand und nach 10 Jahren das Buch zu Davide Cesare an, sieht man den Unterschied, wie man Erinnerungsarbeit machen kann. Und noch heute, 15 Jahre nach dem Mord, gibt es jährlich Demonstrationen, Artikel und Konzerte die an Davide Cesare erinnern. Es gibt eine ambitionierte Erinnerungs- und Gedenkkultur. Aber in Dortmund? In Dortmund hat es gerade mal für eine jährliche Demo gereicht, die man nach 10 Jahren mit dem schlichten Kommentar einstellte„Wir wollen »Schmuddel« an diesem Tag nach zehn Jahren ein letztes Mal in dieser Form Gedenken“. Und heute? Heute gibt es Nichts und Niemanden, der noch einen organisierten Rahmen der Erinnerung für Schmuddel anbietet. Man könnte zynisch sagen: Der Punk hat seine Schuldigkeit als Opfer getan, er kann vergessen werden. Wenn unsere Analyse von 2008, unser Film und der RAP von 2009 und unsere Dokumentation von 2015 nicht wären, würdest Du zu Thomas Schulz nur ein paar Artikel im Internet finden. Das wär es. Selbst CURA hat sich auf unseren Artikel von 2008 bezogen. Einfach weil es aus Dortmund keine Doku gab. http://www.opferfonds-cura.de/zahlen-und-fakten/erinnerungen/maerz/thomas-schulz

Wie gesagt zur Jahreswende 2008/2009 entstand das Graffito zu den sieben ermordeten Antifas in Europa, wo Thomas eine herausragende Stellung einnahm. Mit den Bildern und übersetzten Texten in mehreren Sprachen wurde Thomas Schicksal in vielen Ländern bekannt.
https://www.nadir.org/nadir/initiativ/azzoncao/grafitti.html
Dann der Film „uno di noi“ in fünf Sprachen, der mindestens 50.000 mal weltweit angesehen wurde. http://unodinoi.blogsport.de Auch hier wurde viel zu Thomas Schulz erzählt.
Und der RAP, den zwei Jungs aus dem Bochumer Ehrenfeld für ihn geschrieben hatten. Sie nahmen zum ersten Mal im Leben einen Song auf und rapten zum ersten Mal vor einer Kamera. Na, und ich filmte zum ersten Mal im Leben so etwas und schnitt es mit einem Freund zusammen. https://www.youtube.com/watch?v=AXxcDXPme0U
Dadurch wurde das Schicksal von Thomas weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannt. Mit Graffito, RAP und Film, auf der Straße und im Internet wurde genau für die Jugendszenen eine zeitgerechte Art der Dokumentation, Gedenk- und Erinnerungsarbeit gemacht, die ihrem Lebensgefühl und ihrer Alltagskultur entsprach. Das war unsere Antwort auf das ganze Desaster.
2015 schrieben wir eine Dokumentation zu dem Mord an Thomas. Die kam auf die Rückseite eines Plakats mit seinem Konterfei. So konnte man einerseits das Plakat verkleben und so an ihn öffentlich erinnern, andererseits die Doku verteilen und diese als Informationsquelle archivieren. Zunächst hatten wir die Dokumentation nur in einer Auflage von 3.000 Exemplaren geplant. Dann haben wir noch die Geschichtswerkstatt aus Dortmund gefragt, ob die mitmacht und die Verteilung in Dortmund organisiert. Darüber kam der Kontakt zu BoDo zustande, die sich anschließen wollten. Schließlich wurden es 13.000 Plakate/Dokumentationen, von denen 10.000 in der BoDo eingelegt wurden. Das die Auflage so hoch wurde, verdankten wir der netten Druckerei, die noch ein paar Tausend für uns umsonst druckte. Und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die unser Projekt bezuschusste. Andreas Müller schrieb für die 20.000er Auflage der BoDo dann noch einen Artikel zu Thomas Schulz.  Und in der Punkzeitung Ox mit einer Auflage von 38.000 Exemplaren erschien ebenfalls ein dreiseitiger Artikel zu Thomas. Relativ viele Plakate, aber noch mehr Aufkleber wurden verklebt. Es war uns wichtig Schmuddels Schicksal aus diesem selbstgewählten Ghetto des Nur-Antifa-Bezugs zu holen. Auch andere Menschen jenseits der „Antifa“ sollten über ihn informiert und der Forderung nach einer Gedenkplakette für ihn an der Kampstraße Nachdruck verliehen werden. Das waren unsere Beiträge zum 10. Jahrestag im Jahr 2015.

Azzoncao: Und jetzt?

Paul: Tja, da fragst Du mich was. Im letzten Jahr sollen ja noch ein paar Punks an der Kampstraße eine Art Mahnwache gemacht haben. Aber öffentlich wurde anscheinend nicht dazu eingeladen. Also soviel ich weiß. Und für heute? Ich weiß von Nichts. Ich habe nichts im Internet gesehen und meine Dortmunder Bekannten wissen auch von Nichts.
Wir haben im Oktober 2015 auf dem Slime-Konzert im Bahnhof Langendreer noch ein Transparent zu Thomas aufgehängt und Slime hat auf dem Konzert ein Song für Schmuddel gewidmet. Das war das letzte Mal, dass wir was machten. Wir hatten ja 2015 mit der Geschichtswerkstatt zu den drei ermordeten PolizistInnen in Dortmund-Brackel eine Kundgebung organisiert. Das hat uns gezeigt, dass in Dortmund selbst kaum Bereitschaft besteht aktive Gedenkpolitik zu betreiben. Von außen permanent in Dortmund was zu machen und wie auf einen toten Gaul einzutreten. Da verlierst Du den Spaß dran. Wir können zur Zeit anscheinend nur über ein solche Veröffentlichung alter Texte wie dieses hier einen Beitrag zum Gedenken an Thomas leisten. Leider. Hoffentlich ändert sich das irgendwann einmal zum Positiven und es finden sich DortmunderInnen, die das Angedenken an Thomas Schulz hochhalten wollen.

Azzoncao: Schön wär`s. Danke für`s Interview.

 
 
 
 


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