Sonntag 04.02.18, 09:30 Uhr

Zauberhafte Arbeitslosenzahlen


Am Donnerstag war in der ARD noch einmal ein Kabarett-Auftritt von Tobias Mann und Christoph Sieber zu sehen, in dem mit einfachsten Mitteln und absolut leicht verständlich erklärt wird, warum die offizielle Arbeitslosen-Statistik eine unseriöse Zahlentrickserei ist. Erschütternd ist, dass nahezu alle JournalistInnen von der Lokalpresse bis zur Tagesschau diese Täuschung der Öffentlichkeit mitmachen. Ob Dummheit oder Unverfrorenheit die Ursache hierfür sind, bleibt fraglich. Die Bochumer WAZ schreibt z. B. zu den Arbeitslosenzahlen im Januar 2018: “Derzeit sind 695 Personen mehr und damit insgesamt 19 195 Frauen und Männer ohne Job”. Dies ist völliger Quatsch. In der Pressemitteilung der Arbeitsagentur hieß es: “Mit aktuell insgesamt 17.947 Arbeitslosen zählte die Agentur für Arbeit im Januar 695 arbeitslose Personen oder 4 Prozent mehr als im Dezember 2017. [...] Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen lag vor einem Jahr noch bei 19.195″. Hier wurde also die Zahl des Vorjahres als aktuelle Zahl dargestellt.
Wenn in der WAZ Arbeitslose definiert werden als “Frauen und Männer ohne Job”, dann ist dies ziemlich genau das, was fast alle Menschen unter Arbeitslosigkeit verstehen. Nicht so die Arbeitsagentur: Die bei ihr gemeldeten Menschen, die keinen Job haben, aber einen Job suchen, bezeichnet die Arbeitsverwaltung als Unterbeschäftigte. Auf Seite 9 ihres Monatsberichts listet sie auf, wie aus den 24.559 gemeldeten Arbeitslosen 6.612 Betroffene aussortiert werden, um auf 17.947 Arbeitslose für die Darstellung in der Öffentlichkeit zu kommen.
In ihrer Darstellung haben Tobias Mann und Christoph Sieber eine besonders dreiste Manipulation bei der Vertuschung von Arbeitslosigkeit nicht erwähnt: Ein Teil der Verwaltung der Arbeitslosigkeit ist privatisiert worden. In Bochum sind davon im Januar 2.201 Menschen betroffen. Auch sie werden unter der Rubrik “Fremdförderung” aussortiert und zählen nicht mit bei der Darstellung der Arbeitslosigkeit durch die Arbeitsagentur.
Völlig richtig und wichtig ist der Hinweis der Kabarettisten darauf, dass es eine hohe Anzahl von Arbeitslosen gibt, die sich nicht bei der Arbeitsagentur melden. Eine einigermaßen seriöse Formulierung über die Arbeitslosigkeit im Januar in Bochum könnte in der Lokalpresse also lauten: Im letzten Monaten waren bei der Bochumer Arbeitsagentur 24.559 Männer und Frauen gemeldet, die keinen Job haben.
Qualitätsjournalismus hieße, noch auf die Dunkelziffer hinzuweisen und darüber zu informieren, dass die Arbeitsagentur Menschen, die einen Job mit nur 15 Arbeitsstunden in der Woche haben, bereits nicht mehr als arbeitslos erfasst.
Der Arbeitsmarktreport der Arbeitsagentur für Januar 2018

 
 
 
 


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