Montag 18.09.17, 18:33 Uhr
Bundesweiter Aktionstag:

Klinikpersonal macht Pause

Beschäftigte des Bergmannsheils in Bochum werden am Dienstag (19. September 2017) im Rahmen des bundesweiten »Aktionstags Pause« von ver.di auf die Überlastung und mangelhafte Personalausstattung in den Krankenhäusern aufmerksam machen. »Wir rufen die Beschäftigten dazu auf, sich an diesem Tag ihre gesetzlich zustehenden Pausen zu nehmen. Sie müssen sich von ihrer belastenden Arbeit erholen und machen zu-gleich deutlich: Die Gesetze zum Arbeits- und Gesundheits-schutz gelten auch in Krankenhäusern«, erklärte Agnes Westerheide von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Im Klinikalltag seien ungestörte Pausen aufgrund fehlender Stellen und steigender Patientenzahlen oft nicht möglich. Dabei stehe auch hier jedem Beschäftigten laut Arbeitszeitgesetz (§4) ab einer Arbeitszeit von sechs Stunden eine Ruhepause von 30 Minuten zu, bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden eine Pause von 45 Minuten.

»Pausen sind wichtig, um die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sie auch genommen werden können«, so Alina Renelt, von den ver.di Vertrauensleuten vor Ort. Es könne nicht angehen, dass diejenigen, die kranke Menschen pflegen und betreuen, aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen selbst krank werden.

Gemeinsam mit der Jugendvertretung werden am Dienstag alle Beschäftigten eingeladen, ab 12.45 Uhr, gemeinsam ihre Pause vor dem Haupteingang des Bergmannsheils zu verbringen. „Wir hoffen auf gutes Wetter und wollen gemeinsam einen kurzen Moment dem Arbeitsalltag entfliehen. Picknickdecke erwünscht“, betonen die Aktiven, mit einem kritischen Blick in den Himmel.

Der Aktionstag ist Teil einer bundesweiten Bewegung für mehr Personal und Entlastung in den Krankenhäusern. ver.di fordert verbindliche Personalvorgaben per Gesetz, die für alle Krankenhausbereiche gelten sollen. Die Bundesregierung hat Personaluntergrenzen für sogenannte pflege-intensive Bereiche auf den Weg gebracht. Die Personalausstattung müsse sich am konkreten Pflegebedarf der Patientinnen und Patienten orientieren, so die Gewerkschaft.

Getrennt davon hat ver.di einige Krankenhäuser in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag Entlastung aufgefordert.

Damit will die Gewerkschaft unter anderem eine Mindestpersonalausstattung sowie Regelungen zum Belastungsausgleich durchsetzen, falls diese tarifvertraglichen Vorgaben nicht eingehalten werden.

3 LeserInnenbriefe zu "Klinikpersonal macht Pause" vorhanden:

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19. Sep. 2017, 06:43 Uhr

LeserInnenbrief von Schwester Gudrun:

Gute Aktion – aber gibt es nur dieses eine Krankenhaus in Bochum? Haben die Schwestern in den anderen Krankenhäusern keine Beschwerden?
Ich arbeite unter härtesten Bedingungen im Josephs – wenig Personal, Schichten mit Schülern oder Praktikanten, selten eine geregelte Pausen, undundund.
Und Verdi kennen wir hier gar nicht.


 

19. Sep. 2017, 15:07 Uhr

LeserInnenbrief von Micha:

Liebe Gudrun,

ver.di sind in erster Linie die Mitglieder in den Betrieben. Gewerkschaftliche Aktionen setzen voraus, dass sich Beschäftigte organisieren und dann mit Unterstützung von Hauptamtlichen Aktionen durchführen.
Nur gemeinsam können Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden. “Die ver.di” allein kann das nicht machen.

Solidarische Grüße


 

19. Sep. 2017, 19:34 Uhr

LeserInnenbrief von Martin Budich:

Beim Josephs kommt verschärfend hinzu, dass es einen kirchlichen Träger hat und dass damit das Betriebsverfassungsgesetz hier nicht gilt, es keinen Betriebsrat gibt und Gewerkschaften einen erschwerten Zugang in die Einrichtung haben.
Als die Union vor mehr als 50 Jahren einmal die absolute Mehrheit im Bundestag hatte, schenkte Adenauer mit dem Subsidiaritätsgesetz den Kirchen die Möglichkeit, viele soziale Einrichtungen zu betreiben, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen.
Kirchliche Krankenhäuser, Pflegeheime etc. werden vollständig durch Gebühren, Krankenkassen und öffentliche Mittel finanziert, aber die Kirchen dürfen in ihren Einrichtungen ganz legal Nicht- und Andersgläubige diskriminieren und ihren Beschäftigen Mitbestimmungsrechte vorenthalten. Etwa 1,2 Millionen Beschäftigte sind davon betroffen.

 


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