Dienstag 15.08.17, 20:28 Uhr
Offener Brief von Anke Pfromm

Liebe Maus,…

…ich bin mit dir groß geworden.
Doch als ich heute einen Artikel im Lokalteil Bochum-Ost der WAZ gelesen habe, musste ich ganz schwer schlucken…
Warum förderst du in Zeiten der Kriege und der Kriegsgefahr, dass Kinder (ab 10 Jahren) am Maustüröffnungstag den Umgang mit Waffen bei der Kyffhäuser Sportschützenkameradschaft in Bochum ausprobieren können?
Vor der Eintragung in das Vereinsregister hieß dieser am 09.09.1871 gegründete Schützenverein „Krieger und Landwehrverein Bochum-Werne” und zelebriert seit langen schon sein kriegerisches Selbstverständnis an einem “Kriegerehrenmal” in Langendreer.
Ich zitiere aus den Antifaschistischen Bochumer Blätter, Ausgabe 01/2016:
“Umstritten in Werne: Volkstrauertag und Kyffhäuserbund
Kritik an der Ausrichtung des Volkstrauertages in Bochum-Werne gibt es schon lange. Mit dem Rückzug des CVJM-Posaunenchors von der Mitwirkung an der jährlich im November stattfindenden Veranstaltung ist die Auseinandersetzung wieder stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Bei den Mitgliedern des Posaunenchors „gärte es schon lange”.
Jetzt zogen sie sich zurück, weil der „Rahmen” nicht mehr stimmte. Dabei ist die Kritik besonders an der Mitwirkung der Kyffhäuserkameradschaft und an militärischem Gehabe schon seit vielen Jahren auch über Werne hinaus bekannt. Hintergrund ist auch, dass sich der Kyffhäuserbund 1933 zu Adolf Hitler bekannte und zum „Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser”, 1938 zum „NS-Reichskriegerbund Kyffhäuser”, wurde.
Nach der verlorenen Schlacht bei Stalingrad löste Hitler die Reichsleitung des Kyffhäuserbundes auf. Die lokalen Gruppen wurden in der Endphase des Krieges in den Volkssturm überführt. 1945 wurde der Kyffhäuserbund von den Alliierten verboten. Im Zuge der Restauration konnte auf maßgebliche Initiative von ehemaligen Offizieren der Nazi-Wehrmacht und SS-Führern der Verein neu gegründet werden.
Antifaschistische Initiativen und Zeitungen berichteten immer wieder von Verbindungen von Neonazis mit Kyffhäuserkameradschaften und deren Teilnahme am Sportschießen.
Eine kritische Auseinandersetzung des Kyffhäuserbundes mit seiner Nazi-Vergangenheit hat offensichtlich bis heute nicht stattgefunden. Wie notwendig diese ist, zeigte ein Sprecher der „Kyffhäuser- und Sportschützenkameradschaft Bochum-Werne 1871” in einer Meinungsäußerung in der WAZ Bochum-Ost Ende 2015, als er die jahrelange Nähe des Kyffhäuserbundes zum Naziregimes leugnete.”
Ich hoffe, du überlegst dir die Teilnahme am Maustüroffentag dort noch einmal.

Viele Grüße

Anke

 
 
 
 


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