Sonntag 02.07.17, 15:32 Uhr

Abschiebung

Sie kamen in Warnwesten in das Publikum und führten gleich mehrere Personen gewaltsam ab. Am gestrigen Samstag wurden beim interkulturellen Kulturfest des Initiativkreis Flüchtlingsarbeit anlässlich des Weltflüchtlingstags am Konrad-Adenauer-Platz Menschen aus dem Publikum abgeschoben. Es handelte sich dabei um eine Performance der Gruppe Refugee Strike Bochum und ihrer Unterstützer*innen, die mit dieser Aktion gegen Abschiebung Position bezogen. Die einer Erklärung der Initiative heißt es dazu:

»Jeden Tag werden in Deutschland Menschen abgeschoben. Allein aus Bochum wurden im Juni 2017 laut Zahlen aus dem Sozialausschuss wieder acht Menschen aus ihrem Leben gerissen. „Mit der Aktion auf diesem interkulturellen Fest wollen wir deutlich machen, dass es Menschen gibt, die nicht so locker feiern können, weil sie fürchten müssen, abgeschoben zu werden“, sagt Tareq Alaows (Foto) vom Refugee Strike Bochum.

Im Kontrast zu Musik- und Kinderprogramm wurden deshalb während der Performance Unterstützer*innen der Gruppe aus dem Bereich vor der Bühne unter den verwunderten Blicken der Anwesenden „abgeführt“. Dabei ging es den Aktiven auch um drohende Abschiebehaft: „Seit der letzten Verschärfung des Asylrechts für schnellere Abschiebungen müssen wir mit längerer und öfter verhängter Abschiebehaft gegen Menschen rechnen. Dagegen wollen wir heute auch protestieren“, so Alaows.

Parallel zur Performance verlas der Refugee Strike Bochum auf der aufgebauten Bühne auf dem Konrad-Adenauer-Platz einen Offenen Brief an die Bundesregierung mit dem Titel „Wir wollen das nicht schaffen“. Es ist eine Anspielung auf Bundeskanzlerin Merkels historischen Satz „Wir schaffen das“, auf den jedoch zahlreiche Asylrechtsverschärfungen folgten.

In ihrer Rede gingen die Aktiven auch auf aktuelle Debatten um Abschiebung – etwa nach Afghanistan – ein: „Der Deal zwischen der Europäischen Union und Afghanistan ist ein blutiger: Sie schieben Menschen in ein Kriegsgebiet ab“, so der Refugee Strike. Und die Gruppe ergänzt in Solidarität mit einem aus Essen abgeschobenem Rapper und Roma-Aktivisten: „Mit Selamet Prizreni – jemandem, der sich für die Minderheit der Roma einsetzt – schieben Sie sogar einen Menschen ab, der hier geboren wurde.“

Bei der Performance im Bochumer Bermudadreieck soll es nicht bleiben. Im Anschluss soll der Offene Brief als Petition unterschrieben werden können und schließlich an die Bundesregierung gehen. Darin fordern die Aktiven unter anderem die Überprüfung der negativen Bescheide durch das BAMF, ein Bleiberecht für alle hier lebenden Menschen und sichere Fluchtrouten. „Wir wollen Mitbestimmung und Rederecht, wenn es um die ‚Integration’ von uns geht“, so Alaows vom Refugee Strike.«

 
 
 
 


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