Samstag 27.05.17, 21:40 Uhr

Bericht aus der Hernerstraße 131

Die BesetzerInnen der Hernerstraße 131 berichten: Rund 300 Menschen waren am Freitag, den 26.05., zu Besuch in der Herrner Straße 131. Eine Woche ist seit Beginn der Aktion vergangen, was die Besetzer*innen zum Anlass nahmen, zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern verschiedener Institutionen und Gruppen einzuladen. Im Anschluss an die vielen Wortbeiträge von Podium und Publikum gab es im provisorischen Infoladen ein erstes Solidaritätskonzert, das in dem hundert Jahre alten Haus die Balken zum Beben brachte.
Zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Leerstand und Perspektiven“ lud der Kreis der Unterstützer*innen des seit einer Woche besetzten Hauses an der Herner Straße 131 ein. Mit Vertreter*innen von Refugee Strike Bochum, Stadt für Alle, bodo e.V, Mieterverein Bochum sowie Prof. Dr. Arian Schiffer-Nassiere von der EFH Bochum und Rechtsanwalt Erich Eisel (Mietrecht) begann um 19 Uhr. Im Laufe des Abends haben sich knapp über 300 Besucher*innen und Mitaktivist*innen versammelt und lebendig zu den Themen Leerstand und Wohnen, Flüchten und Ankommen, bishin zur Frage nach Wohnraum als Eigentum diskutiert. Ebenfalls eingeladen waren Vertreter*innen vom Bochumer Sozialdezernat, Sozialamt und dem Verein Haus+Grund, die jedoch ausschließlich Absagen erteilten.
Ca. 7500 Leerstände in Bochum lösten eine hitzige Debatte darüber aus, wie mit diesem kritikwürdige Zustand umzugehen sei, insbesondere vor dem Hintergrund von Wohnungslosigkeit und einer desorganisierten Politik für das Ankommen von Geflüchteten. Es gäbe „Handlungsspielräume“ auch „Sachen selber machen“ zu können, so der Bodo e.V. Die massive Wohnungsnot für obdachlose Menschen und Geflüchtete sei ein Skandal in Anbetracht der übermäßigen Leerstände in Bochum. Die Ursachen sei aber nicht in der Sättigung des Wohnungsmarktes zu finden, sondern es wäre ein „Skandal, weil Wohnraum ein Geschäftsmittel ist“, argumentierte dagegen Prof. Dr. Arian Schiffer-Nassiere.
Auch von Seiten des Refugee Strike Bochum kam starke Kritik an der Wohnungs- Sozialpolitik der Stadt Bochum auf. Ca. 50% der geflüchteten Menschen in Bochum lebe noch in Notunterkünften, was im Vergleich zu anderen Städten diesen Formats lächerlich sei. Zudem wäre die Vergabe von Wohnraum an Geflüchtete sehr von Hürden geprägt, wie diskriminierender Vergabepolitik seitens Vermieter*innen und Wohnungsgesellschaften. Auch für Menschen mit Fluchthintergrund biete die „Herner131“ und die damit entstandene Diskussion über Leerstände eine aussichtsreiche Möglichkeit, die aktuell miserable Lage zu verändern.
Zu guter Letzt äußerte sich auch ein Nachbar nochmal: „Ich finde das okay“, die ehemalige Besitzerin solle zur Kasse gebeten werden, damit die Restauration des Gebäudes endlich voran gehen könne. Zum Abschluss des Abends wurde der Infoladen erstmals für Besucher*innen hergerichtet, um der solidarischen Dortmunder Rap-Gruppe AMK („Arbeit Mein Kryptonit“) eine Auftrittsmöglichkeit zu bieten. Bei vollem Raum wurde mit antifaschistischen, antikapitalistischen und solidarischen Tracks die Stimmung ordentlich angeheizt.
Politisches Engagement und persönliche Betroffenheit gingen bei der Podiumsdiskussion Hand in Hand. Fortsetzungen der Debatte fanden auch am heutigen Samstag, den 27.05., während der informellen Eröffnung des Infoladens im Erdgeschoss bei Kaffee und Kuchen statt.“Wir sind zuversichtlich, dass die Anwohner*innen in Hamme und die Stadtöffentlichkeit verstehen, welche Gelegenheit sich durch die exemplarische Aktion in der Herner Straße 131 eröffnet haben, einen anderen Blick auf die Verhältnisse und die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen.“, äußerte sich Bianca Setzer, Pressesprecherin der Besetzung, mit einem Ausblick auf die kommende Woche, für die die Besetzer*innen weitere Veranstaltungen mit Bezug zur Aktion ankündigten.«

 
 
 
 


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