Dienstag 23.05.17, 19:03 Uhr

Bochum hat genau zwei Straßen mit durchgängigen Radverkehrswegen.

Klaus Kuliga schreibt auf der Webseite des ADFC: »Ein sensationelles Ergebnis: Im Ranking der Großstädte über 200.000 Einwohnern hat sich Bochum vom drittletzten Rang (Platz 37) auf den 23. Platz vorgeschoben und dafür die Auszeichnung als bester “Aufholer” unter den Großstädten erhalten. Wie das? Ist Bochum jetzt plötzlich eine fahrradfreundliche Stadt oder stimmt da etwas nicht? Bochum ist seit dem 25. August 2016 offizielles Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der fußgänger- und fahrradfreundlichen Städte in NRW (AGFS). Mit der Bewerbung und dem Aufnahmeverfahren waren umfangreiche Bemühungen der Stadt verbunden, Bochum auf allen Kanälen so fahrradfreundlich wie möglich darzustellen.
Die Umfrage zum Fahrradklima fand dann zwischen dem 1. September und 30. November 2016 statt. Bestmögliche Voraussetzungen für ein positives Abschneiden beim Fahrradklima-Test also. Die Stadt selbst nennt als Beispiele für mehr Fahrradfreundlichkeit in Bochum drei Projekte:Werner Hellweg (Teil des Parkway Emscher-Ruhr)
Oskar-Hoffmann-Straße mit der Kreuzung Universitätsstraße
Bessemerstraße
Mit der Bessemerstraße hat Bochum jetzt tatsächlich genau zwei Straßen mit durchgängigen Radverkehrswegen. Die andere ist die Herner Straße. Alle anderen Straßen im Vorbehaltsnetz sind für Radfahrer weiterhin mangelhaft bis ungenügend. Was sagte die WAZ noch kürzlich über das Radfahren in Bochum: “Die Angst fährt immer mit”. Das war vor dreißig Jahren auch schon so und begann bereits 1962 mit der Umwidmung der Radwege an den Hauptverkehrsstraßen zu Parkflächen für Autos. Bochum hat sich mehr als 50 Jahre größte Mühe gegeben, auch noch den letzten Radfahrer zu vergraulen. Bochum wollte Autostadt sein – Opel sei Dank. Aus den Köpfen der Politiker und der Verwaltung ist diese Vorstellung noch lange nicht verschwunden.
Im Februar 2017 hat die Verwaltung eine Beschlussvorlage zu einem Antrag des ADFC Bochum vorgelegt. Wir hatten beantragt, “dass der Rat der Stadt Bochum das Tiefbauamt bindend beauftragt, eine fußgänger- und fahrradfreundliche Planung für die Wittener Straße als Teil des geforderten Cityradialenkonzeptes vorzulegen” – ein Prüfstein für die tatsächliche Fahrradfreundlichkeit der Stadt Bochum nach der Aufnahme in die AGFS. Die Verwaltung kommt zu dem Schluss: “Die einzige Möglichkeit Radverkehrsanlagen einzuplanen bestünde, wenn man einseitig eine Häuserzeile abreißen würde.” Das ist so offensichtlich falsch, dass sich dem unvoreingenommenen Betrachter die Haare sträuben. So “fahrradfreundlich” ist Bochum tatsächlich.
Auch wenn man sich die Noten im Fahrradklima-Test 2016 ansieht, wird deutlich, dass die Aufgabe noch vor der Stadt Bochum liegt:
Im Vergleich der Großstädte untereinander liegt Bochum nur bei drei von 27 Fragen über dem Durchschnitt:
Beim Fahrradverleihsystem (metropolradruhr und RevierRad), mit 2,1 die einzige gute Note.
Beim Fahrraddiebstahl (Note 4,0)
Bei der Fahrradförderung in jüngster Zeit (Note 3,5).
Bei allen anderen Fragen ist Bochum bestenfalls Durchschnitt oder liegt unter dem Durchschnitt aller Großstädte. Die Gesamtnote ist denn auch eine bescheidene: 4,1. Zweiundzwanzig deutsche Großstädte wurden beser bewertet als Bochum, 16 liegen dahinter.
Der Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch sagt dazu: „Die Bürgerinnen und Bürger erkennen an, dass wir uns auf den Weg gemacht haben. Die Auszeichnung ist aber gleichzeitig auch Ansporn für die nächsten Jahre, nicht nachzulassen und weiter den Freizeit- und besonders den Alltagsradverkehr zu stärken.“
Wuppertal war 2016 übrigens zum zweiten Mal hintereinander Spitzenreiter bei den Aufholern und liegt jetzt auf Platz 16 (2012: Platz 38, 2014: Platz 32). Das muss Bochum in zwei Jahren erstmal nachmachen.
Durchgeführt wird der Fahrradklima-Test alle zwei Jahre. Insgesamt wurden 28 Fragen zum Fahrradklima gestellt. Alle Ergebnisse sind abrufbar unter: http://www.fahrradklima-test.de/karte
KK
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2 LeserInnenbriefe zu "Bochum hat genau zwei Straßen mit durchgängigen Radverkehrswegen." vorhanden:

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24. Mai. 2017, 11:02 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas:

Wir haben am letzten Wochenende versucht über das “Parkband-West”, ein Radweg, der den Westpark mit dem Springorum-Radweg verbinden soll zu finden und zu fahren. Lt. WAZ vom 14.11.2016 ist der letzte Abschnitt des 7,4 Km langen Radwegs damals eröffnet worden. Kosten ca. 1,4 Mio Euro
Die Tatsachen:
Nirgendwo ist der Radweg ausgeschildert.
Wir haben uns dann an der Ausschilderung des Jacobsweges orientiert. War aber falsch ;-(
Wir sind dann in Eppendorf in dem Stadtteil mit der höchsten AfD-Plakat-Dichte gelandet, die ich je in Bochum gesehen habe. Dort hat man uns erzählt, dass der Radweg immer noch nicht fertig sei. Konnten wir nicht überprüfen, weil wir ihn nicht gefunden haben.

Also “Viel Lärm um Nichts”

Die Ausschilderung des Jacobswegs zeigt übrigens, wie kostengünstig so etwas realisiert werden kann.

Bei unserer Ankunft zurück in der Alsenstrasse, waren dann alle Fahhradabschliessplätz, also die Strassenlaternen, wie üblich doppelt und dreifach belegt. Hier sollten wir mal eine Initiative für offizielle Fahrradabstellplätze ins Leben rufen.

Andreas


 

24. Mai. 2017, 13:57 Uhr

LeserInnenbrief von ulrike nefferdorf:

Interessant wäre zu wissen, wo dieser Herr Fahrrad fährt. Mein Bild von ‘Bochum als Fahrradstadt’ unterscheidet sich erheblich von dem was Herr K. gesehen haben will.
Naja, es soll ja auch Leute geben, die die (künftigen) Verbesserungen beim Stadtumbau (ISEK) dem aktuellen OB zuschreiben.
Solche Rang-Statistiken nützen auf der Straße gar nichts.


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