Sonntag 14.05.17, 14:58 Uhr

Andrang im Weglaufhaus

Der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW ist ein Verein, der sich für die Rechte von Menschen einsetzt, die “in die Fänge der Psychiatrie geraten sind oder waren”. Er kämpft für die freie Wahl der Therapie und ein selbstbestimmtes Leben. Am Freitag, den 12.5. hatte der Verein zum 2. Tag der offenen Tür in der Anlaufstelle in der Wittener Straße 87 eingeladen und berichtet darüber: »Am vorigen Freitag herrschte großer Andrang beim 2. Tag der offenen Tür des Weglaufhauses für Psychiatrie-Erfahrene. Die Bochumer Anlaufstelle besteht in dieser Form seit 13 Jahren. Das Selbsthilfeprojekt bietet Alternativen zur Psychiatrie sowie aktuelle und regelmäßige Treffen und eine Unterkunft mit Krisenbegleitung. Die ersten Besucher kamen schon kurz vor 14 Uhr. Ihnen strömte schon im Eingangsbereich der Duft frischer Waffeln entgegen. Neben einer reich gedeckten Kaffeetafel gab es noch ein kaltes Buffet mit internationalen Leckereien, alles von den engagierten, Psychiatrie-erfahrenen Besuchern und einer Bewohnerin der Selbsthilfeeinrichtung liebevoll selber hergestellt.

Neben selber Betroffenen und Angehörigen machten in diesem Jahr vermehrt Experten aus der Psychiatrie und angrenzenden Fachgebieten Gebrauch von dem Angebot, das Weglaufhaus kennen zu lernen. Die Mehrzahl der Besucher kam aus Bochum und den angrenzenden Ruhrgebietsstädten, aber es waren auch Experten aus Mainz anwesend. Matthias Seibt, Vorstandsmitglied des Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW e. V., machte mit interessierten Gästen 3 Gruppenführungen durch alle Räumlichkeiten der einmaligen Selbsthilfeeinrichtung. Er erläuterte die Selbsthilfeangebote, Arbeitsweise und Anschauungen der Anlaufstelle, die sich als Alternative zur Psychiatrie versteht. Die Beforschung der Wirksamkeit der hier stattfindenden Krisenbegleitung wird ab Juli durch PD Dr. med. Sebastian von Peter von der Charité Berlin und zwei Mitarbeiter erfolgen. Finanziert wird das Projekt dann von der Stiftung Wohlfahrtspflege.

Bei den an die 40 Besuchern, die über den Tag verteilt kamen, wurde es zeitweilig richtig eng im geräumigen Wohnzimmer. Es entstanden interessante Gespräche, in denen die Mitarbeiter des Weglaufhauses ihre Selbsthilfeangebote vorstellten und von ihren Aktivitäten berichteten. Es finden regelmäßige Einzelberatungen in den Räumen, sowie telefonisch statt. Montagsabends wird eine klassische Selbsthilfegesprächsgruppe angeboten. Dienstags findet die Beratung tiergestützte Therapie mit Therapiehund Ella statt. Daneben gibt es Angebote für Betroffene zur Entspannung und Entlastung und zur Stärkung von Seele und Körper, u. a. durch Meditation, Kochen und gemeinsames Essen. In den Räumen ist freies Internet nutzbar.

Nachdem Therapiehund Ella die Besucher begrüßt und vielen Streicheleinheiten genossen hatte, brauchte sie einen Rückzug in eines der Krisenzimmer, in dem die Bewohner bis zu 3 Monaten leben können. In den gemütlich eingerichteten Räumen wurden auch interessante Gespräche in kleinerem Kreis geführt. So wurden auch Ideen über zukünftige gemeinsame Aktivitäten mit Christiane Harrer von der Puppenbühne Karfunkel, die sich ebenfalls in der Witterner Straße befindet, geschmiedet.

Neben den zahlreichen Gruppenangeboten bietet die Anlaufstelle auch die Möglichkeit, zu fast jeder Zeit jemanden anzutreffen, einen Kaffee zu trinken und entspannt etwas miteinander Zeit zu verbringen. Immer wieder kommen Menschen in einer seelischen Notlage in die Anlaufstelle. Nach Möglichkeit wird auf die akuten Bedürfnisse eingegangen. Wesentliche Grundlage bei der Krisenbegleitung ist Respekt und Achtsamkeit im Umgang miteinander. Die Räumlichkeiten der Anlaufstelle bieten mit den Krisenzimmern die Möglichkeit, gegebenenfalls für eine Zeit „unterzutauchen“. Es besteht sogar eine Warteliste. Ziel der Arbeit in der Anlaufstelle Westfalen ist es, das Selbstbewusstsein Psychiatrie-Erfahrener zu stärken und sie in die Lage versetzen, sich selbst zu helfen.

Der Tag der offenen Tür war ein voller Erfolg. Wer den Termin verpasst hat, kann gerne in eines der für jeden offenen Cafés kommen, die immer montags von 15 bis 18 Uhr und freitags von 14 bis 17 Uhr stattfinden. Die Anlaufstelle befindet sich am Rande der Bochumer Innenstadt, Wittener Straße 87, im „Lohringhaus“ im 1. Stock. Mit etwas Glück trifft man dann auch Therapiehund Ella an, die sich auch immer sehr über neue Menschen freut.«

 
 
 
 


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