Mittwoch 10.05.17, 12:22 Uhr
„Abschulungen“ für Gesamt- und Sekundarschulen nicht tragbar

Gymnasien und Realschulen schieben ihre Probleme auf andere Schulen ab

In der Schulausschusssitzung vom gestrigen Tage ging es in einem Tagesordnungspunkt um die Unterbringung von Schülerinnen und Schülern, die nicht an Gymnasien und Realschulen verbleiben können. Flüchtlingskinder, die dort zwei Jahre lang Sprachförderung erhalten haben sowie Kinder, deren Leistungen nicht den Anforderungen dieser Schulen entsprechen, sollen an andere Schulformen wechseln. Dort gibt es jedoch wegen der seit Langem ausgelasteten Kapazitäten große Probleme bei der Unterbringung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Stadtverband Bochum, kritisiert seit geraumer Zeit, dass insbesondere die Gesamtschulen der Nachfrage an Plätzen nicht mehr nachkommen können, weil notwendige zusätzliche Gesamtschulgründungen sich verzögern. Im Schulausschuss wurde diese aktuelle Problematik gestern diskutiert. Die sachkundige Bürgerin, Christel Jünger, die für die GEW in den Schulausschuss entsandt ist, hat die Probleme in einer Anfrage recht deutlich thematisiert. Die GEW erklärt dazu:
»Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist seit Jahren bekannt und prinzipiell auch akzeptiert, jedoch sind die bisher beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichend: Mit Beginn des nächsten Schuljahres wird sich die Situation daher zuspitzen, wenn also eine weitere dreistellige Zahl von Schülerinnen und Schülern an den Gesamt- und Sekundarschulen untergebracht werden muss, ohne dass wenigstens die räumlichen Voraussetzungen bestehen. Zudem sind die Klassen bereits jetzt übervoll, auch die entsprechenden Lehrkräfte stehen dort  nicht zur Verfügung.
Klar ist für die GEW, dass eine Förderung, wie sie an integrativ arbeitenden Schulen mit den unterschiedlichsten Leistungsvoraussetzungen bei der Schülerschaft vorgesehen ist, nicht gelingen kann, wenn diese Schulen als „Lückenbüßer“ für Fehler der Schulpolitik mit „Problemfällen“ überfrachtet werden – als solche müssen diese Kinder nämlich an den abgebenden Gymnasien und Realschulen gelten, da dort nicht alle Abschlüsse vergeben werden können. „In Klassen mit 30 und mehr Schülerinnen und Schülern ist bestmögliche Förderung eine Illusion, insbesondere angesichts der intensiven Förderbedarfe durch Inklusion von Kindern mit Behinderungen sowie von Einwandererkindern mit Sprachproblemen“, meint Ulrich Kriegesmann, Sprecher der GEW.
Die GEW sieht überfälligen Korrekturbedarf in der Schulpolitik des Landes, aber auch bei der Stadt: „Gymnasien und Realschulen sind nach Paragraf 1 des Schulgesetzes ebenso wie alle anderen Schulformen zur individuellen Förderung verpflichtet. Diese Aufgabe kann nicht einzelnen Schulformen aufgebürdet werden“, meint Kriegesmann. Aber auch die Stadt sieht er deutlich in der Pflicht: „Die Notwendigkeit der Schaffung von Plätzen an Gesamt- und Sekundarschulen wurde immer wieder angemahnt, jetzt droht das Kind in den Brunnen zu fallen!“
Da die Schaffung neuer Gesamtschulen nicht kurzfristig zu realisieren ist, dringt die GEW darauf, dass als Zwischenlösung  die bereits vorhandenen Plätze an Gymnasien und Realschulen genutzt werden. So können Schülerinnen und Schüler weiter an ihren Schulen unterrichtet werden, auch wenn sie formal einer anderen Schulform wie z.B. einer Hauptschule zugeführt werden. Zwar ist der Schulraum insgesamt in Bochum knapp, so dass auch diese Schulen unter Raumnot leiden. Wenn aber in den nächsten Jahren viele weitere Kinder wechseln, wird es an den aufnehmenden Schulformen besonders dramatisch.
Langfristig muss die Schulpolitik des Landes aber endlich dafür sorgen, dass Gymnasien und Realschulen auch Hauptschulabschlüsse vergeben können. Für Realschulen besteht diese Möglichkeit bereits, sie wird aber in Bochum nicht umgesetzt.« „Es ist doch nur recht und billig, wenn diese Schulen bis zum Abschluss für die Kinder verantwortlich sind, die sie aufnehmen“, so Kriegesmann.

 
 
 
 


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