Montag 10.04.17, 07:27 Uhr

Ein Kratzen an der Oberfläche

Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschuss in NRW

Azzoncao, ein Polit-Cafè, schreibt: »Vor gut einer Woche legte der NSU-Untersuchungsausschuss in NRW seinen Abschlussbericht vor. Diesen kann man als PDF hier herunter laden. Wen es interessiert, kann sich hier einen kleinen Einblick in die Naziorganisationen (nicht nur) aus der Nachbarstadt verschaffen, sich über den staatlichen Blickwinkel und seine Untersuchungen wundern und über die Desinformationspolitik des Landes und seiner Organe ärgern. Vor allem aber erscheint der Abschlussbericht aber als ein Konvolut willkürlich aufeinander folgender Fakten und aneinander gereihter Daten, das nur eins vermittelt: verfolgungsunwillige Verfolgungsbehörden und geheimniskrämerische Geheimdienste treffen auf unaufgeklärte Aufklärer. Wie dem auch sei, ein Blick hinein lohnt sich alle mal.
Obwohl, schon der erste suchende Blick erzeugte bei uns eine mittelschwere Gallenkolik, wenn es auf Seite 577 über eine brisante Daten-CD, die so genannte „NSU-CD“ mit Daten aus dem Jahr 2003, heißt: „Nach seiner damaligen Einschätzung habe es sich um eine Neuauflage von Datenträgern der „Ideenwerkstatt88“ aus den Jahren 1998 und 1999 handeln können, als deren Ersteller und / oder Verbreiter ein Ekkehard Weil verdächtigt wurde. Entsprechend den Gepflogenheiten seines Hauses habe er diese CD der Abteilung „Auswertung“ übergeben. Diese hat die CD jedoch wegen Überlastung nicht ausgewertet.“
Verwiesen wird in den Untersuchungsausschuss weiterhin auf einen Wikipedia-Artikel zu Ekkehard Weil.
Dazu muss man wissen, dass Ekkehard Weil Anfang der 90er Jahre nach einer langen Karriere als Rechtsterrorist im In- und Ausland (Mordversuch in Berlin, Anschlag auf das Haus von Simon Wiesenthal, diverse Prozesse im Ausland, etc.p.p.) in Bochum-Gerthe unter einem falschen Namen wohnte, dort das konspirative Büro des 1993 verbotenen Freundeskreis Freiheit für Deutschland (FFD) führte und zeitgleich als Hauptverdächtiger der Briefbombenkampagne von den Behörden in Österreich gesucht wurde. Auf dem Prozess am Bochumer Landgericht im April 1994 tauchte damals dass „Who is who“ der militanten Rechten, nicht nur auf der Anklage- und Verteidigerbank, sondern auch im Zuschauerraum auf. Darunter die Bochumer Anti-Antifa. Wie kontaminiert Bochums Rechte mit in- und ausländischen Rechtsterrorismus war/ist, ließ sich deutlich in diesem Prozess erfahren.
Einen Bericht, den wir damals über die Hintergründe des FFD und Ekkehard Weil in der von uns mit-gegründeten Antifa-NRW Zeitung (siehe Ausgabe Nr. 5, S. 6-9) veröffentlichten, hat es anscheinend nie bis auf die Schreibtische bundesdeutscher Geheimdienste geschafft. Aber vielleicht auch nur bis zum nächsten Papierschredder.
Und auch diese Berichte haben in den letzten 10 Jahren anscheinend keine staatlichen Verfolgungsbehörden zum Einschreiten veranlasst:
Noch vor der NSU-Selbstenttarnung:
Zu Sebastian Seemann:
Die Polizei – Wessen Freund und Helfer? (2007)
https://linksunten.indymedia.org/en/node/69851

Zur „Racial Volunteer Force“:
Deutsch – holländische Nazikontakte – Ein Interview (Teil I) (2010)
https://linksunten.indymedia.org/en/node/27355
Deutsch – holländische Nazikontakte Quell-Texte (Teil II) (2010)
https://linksunten.indymedia.org/node/27360

Zu Michael Berger:
Proyecto Memoria – Dortmund vor 10 Jahren: Die faschistischen Morde an drei PolizistInnen (2010)
https://linksunten.indymedia.org/en/node/21477

and later:
Dortmund – Gedenkveranstaltung für die im Jahr 2000 ermordeten PolizistInnen in Brackel (2015)
https://linksunten.indymedia.org/en/node/145939
Thomas Schulz – in memoriam – (2015)
https://linksunten.indymedia.org/en/node/136877«

 
 
 
 


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