Freitag 24.03.17, 16:03 Uhr
Gentrifizierung in Bochum?

Der “Kortländer-Kiez” zwischen
Belebung und Verdrängung

Am Dienstag, den 28. März um 18:30 Uhr lädt die Bochumer Linksfraktion in der Trinkhalle, Herner Str. 8, zu einer Diskussion über das Thema Gentrifizierung im Kortländer Kiez ein. Es gibt Input-Beiträgen von Martin Krämer (Mieterforum Ruhr), Regina Sidel (Botopia Netzwerk) und Melina Loschen (Eden e.V.). Die Moderation übernimmt Sabine Lehmann. In der Einladung heißt es: »Eine Eisdiele in der alten Eckkneipe, ein selbstverwaltetes Café, Studi-WGs statt Leerstand: Was die einen als Wiederbelebung eines Stadtteils begrüßen, weckt bei anderen zwiespältige Gefühle. Kann sich in Bochum eine Entwicklung wiederholen, die in anderen Städten zu rasant steigenden Mieten und der Verdrängung alteingesessener Kiez-Bewohner*innen geführt haben?
„Gentrifizierung“ bedeutet: Leerstand und niedrige Mietpreise locken Junge und Kreative an, eine „Szene“ entsteht. Das macht die Stadtteile für eine zahlungskräftigere Klientel attraktiv – alles wird teurer, Investoren kommen, am Ende können diejenigen, die seit Jahrzehnten im Stadtteil wohnen, sich ein Leben dort nicht mehr leisten.

Jahrelang galt Bochum als nicht gentrifizierbar. Ist das noch so? Die Schrumpfung der Stadt ist vorerst gestoppt. Eine verquere städtische Wohnungspolitik sorgt dafür, dass es viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt. Laut Wohnungsmarktbericht sind die Angebotsmieten in Bochum schon im Jahr 2015 um durchschnittlich 3,4 Prozent gestiegen – bei einer Inflationsrate von nur 0,3 Prozent. Investoren wie Vonovia errichten Neubauten, in denen der Quadratmeter fast das Doppelte der lokalen Durchschnittsmiete kostet.

Aktuell wird viel darüber diskutiert, welche Verantwortung Gruppen und Initiativen tragen, die ihren Stadtteil wiederbeleben und selbst gestalten wollen. Was können sie tun, damit Bochum eine Stadt für Alle wird? Wie können sie sicherstellen, nicht selbst zum Teil des Problems zu werden? Wenn solche Debatten anonym und online geführt werden, dann geht das meistens schief. Deshalb lädt Die Linke im Rat der Stadt Bochum zu einer Veranstaltung ein, auf der wir uns solidarisch und sachlich am Beispiel „Kortländer-Kiez“ über diese Fragen austauschen können.

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Belebung und Verdrängung" vorhanden:

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27. Mrz. 2017, 10:52 Uhr

LeserInnenbrief von Pil:

Vorwärts und viel vergessen!

“Jahrelang galt Bochum als nicht gentrifizierbar.”
– Bochum wird seit weit über einem halben Jahrhundert “gentrifiziert”, eigentlich schon immer seit Bochum eine “Stadt” ist. Aber anscheinend kann hier jemand nur das wahrnehmen was er/sie selbst zu erleben glaubt und/oder thematisieren was er/sie als wichtig erachten will.
Umbau der Verkehrswege der Stadt Bochum für Industrie und Universität, Autobahnen, Plattsanierungen, Vernichtungen von Siedlungen und Vierteln, Verhinderung eigenständiger Kultur (Bo-Fabrik), Umbau der City zur puren Kommerz-Zone – also Zerstörung gewachsener Sozialstrukturen, Ausbeutung, Verdrängung und Vertreibung, strukturelle und polizeiliche Gewalt – das ist für die Einladenden und die geladenen DiskutantInnen anscheinend nicht von Belang. Können sich die Verfasser dieser Zeilen in soziale und geschichtliche Abläufe verorten? Dürfen es die BesucherInnen der Veranstaltung?
- „nicht gentrifizierbar” – Wer hat diese These aufgestellt und Warum?

„Wiederbelebung“
- Gibt es ein Leben jenseits des Warentauschs? Gibt es ein Leben jenseits des Konsums von Eis, Bier und Döner? Kommen nur die KonsumentInnen der “Trinkhalle“, die sich ein Bier für 3,50 Euro leisten können? Und die, die ihnen Europlatten als bequeme Sitzflächen vermieten? Fragen über Fragen.
„Wenn solche Debatten anonym und online geführt werden, dann geht das meistens schief.“ –
Schief gehen solche Debatten, wenn patriarchale und autoritäre Strukturen und Diskursformen herrschen.

Hier wollen Leute sich und ihre Befindlichkeiten in ihrem Wohnzimmer debattieren.
Online-Debatte, Einladung, Vortragende und Einladungstext lassen nur auf eines schließen: Fake!

Ich werde mein Bier auf jeden Fall an diesem Abend woanders trinken!

 


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