Dienstag 14.02.17, 14:13 Uhr

Gemeinwohlorientierte Immobilien

Das Projekt Botopia lädt am Dienstag, den 21.2.um 19:30 Uhr im Cafe Eden, Herner Str. 13 zu einer Veranstaltung mit  Frauke Burgdorff ein zum Thema “Gemeinwohlorientierte Immobilien”: »Nachdem seit vielen Jahren viele Städte – so auch Bochum – durch eine einseitige Orientierung auf ökonomische Gewinne geprägt sind, gibt es nun eine wachsende Gegenbewegung. Nachbarschaften entdecken wieder der Gemeinsame. Viele Menschen suchen nach einem Mehrwert für die Gemeinschaft und wollen bei der Gestaltung ihrer Städte mitreden und mitmachen. Hier setzt die Idee gemeinwohlorientierter Immobilien an.
Diese sollen bezahlbaren Wohnraum schaffen oder auch offene und gemeinsam nutzbare Räume für soziale und kulturelle Aktivitäten aller Art. Eine beachtliche Anzahl neuer Wohnprojekte und nachbarschaftlicher Räume sind bereits entstanden. Wie funktionieren diese, wer nutzt sie, wie werden sie finanziert? Frauke Burgdorff kennt durch ihre Tätigkeit für die Montag Stiftung zahlreiche Beispiele, deren Idee und Umsetzung sie im Rahmen der Veranstaltung vorstellen wird. Das Projekt Botopia hat sie eingeladen, weil die Initiative nun auch in Bochum an diesen Prinzipien orientierte gemeinsame Räume öffnen will.«

20 LeserInnenbriefe zu "Gemeinwohlorientierte Immobilien" vorhanden:

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15. Feb. 2017, 00:28 Uhr

LeserInnenbrief von Karl:

Da hat sich das Projekt Botopia ja einen tollen Partner ausgesucht.
Das Eden ist einer der Läden, die als so genannte Pioniere für die Gentrifizierung des Viertels rund um die Ecke Herner Straße/Dorstener Straße verantwortlich sind.

Wie kann ein solches Etablissement ein glaubwürdiger Partner im Kampf gegen Verdrängung und für bezahlbaren Wohnraum sein? Durch die fortschreitende Gentrifizierung im nun so genannten “Kortländer Kiez” steigen dort seit Jahren die Wohnraumpreise, die eingesessene Mieter*innenschaft wird nach und nach verdrängt, damit Eden, Kugelpudel und co. ihre Klientel dort ansiedeln können.

Bisher habe ich das Projekt Botopia mit Wohlwollen wahrgenommen, durch die Zusammenarbeit mit diesen Gentrifizierern hat es jedoch massiv an Sympathie verloren.


 

15. Feb. 2017, 21:40 Uhr

LeserInnenbrief von alte Kortländerin:

Da vertritt Karlchen aber steile Verschwörungsthesen: angeblich persönlich Verantwortliche für einen über viele Jahre andauernden komplexen Prozess (die “Gentrifizierer”) sollen geplant haben “ihr Klientel” (wer soll das sein? – Kinder aus dem Stadtteil die im Sommer in der Warteschlange zum Eis stehen?) im Kortländer anzusiedeln “anzusiedeln”???
Ah, ja…
Auch wenn Karl das vielleicht nicht wahrhaben will:

Zur Erinnerung:
-So einfach waren gesellschaftliche Zusammenhänge noch nie.
-Bochum ist nicht BerlinHamburgFrankfurtKölnStuttgart usw.
-Veränderung in Quartieren ist nicht automatisch Gentrifizierung!
-Die Erde ist keine Scheibe…


 

16. Feb. 2017, 09:23 Uhr

LeserInnenbrief von Karl:

Entweder fühlt sich die “alte Kortländerin” auf den Schlips getreten oder ich habe einen Nerv getroffen.

Ja, Bochum ist nicht Hamburg, aber nachdem sich das Klientel an Hipsterm, Möchtegern-Künstlern und angeblichen Alternativen das Ehrenfeld geschnappt haben, wird das Selbe jetzt in der nördlichen Innenstadt versucht.
Und nein,es sind nicht nur die “Kinder, die nach Eis anstehen”, da muss ich deine Li-La-Launewelt leider zerstören, es sind diejenigen, die für Verdrängung und steigende Mieten verantwortlich sind. Hier geht es um Aufwertung um jeden Preis und die Gentrifizierer übernehmen mit äußerster Effizienz die Arbeit, die anderswo Investor*innen machen.
Ja, die Leute rund ums Kortländer organisieren auch viel für die Nachbarschaft, aber das befreit sie nicht von der o en erwähnten Schuld.

Wenn du jedoch so unwillig bist, zu erkennen, dass dein Viertel mitten in der Gentrifizierung und Hipsterisierung steckt, bist du entweder blind oder Teilhaberin an diesem Prozess.
Vielleicht solltest du dich mehr mit der Thematik der Gentrifizierung auseinandersetzen, dann würdest du das auch erkennen.
Ich habe im Viertel gewohnt und diese unangenehmen Gestalten haben es geschafft, dass ich mich in meinem Viertel nicht mehr wohl gefühlt habe. Bei der Wohnungssuche habe ich dann erkannt, wie sehr die Mieten im Viertel gestiegen sind, und nein, das hat nichts mit allgemeiner Preissteigerung zu tun, anderswo stieg der Preis nicht so stark.

Ich weiß auch nicht, was an der Kritik einfach oder gar verkürzt sein soll. Der Kugelpudel war der erste Pionier im Viertel, es folgten Eden, Trinkhalle und dann die Mieter*innen. Schon stiegen die Preise, schon zogen Hipster ins Viertel.

Schön, dass du dich dort wohl fühkst, ich kenne genug Leute, denen geht es nicht mehr so.
Und kommen wir noch mal zur “This is not Berlin”-Thematik: nein, noch sind die Verhältnisse nicht wie dort, aber schon jetzt sind mir beispielsweise zwei Air-BnB Wohnungen/Zimmer in der Widumestraße bekannt, es werden sicher mehr.
Über dem Kugelpudel wird für eine 49qm Wohnung 500€ kalt verlangt, Fußwege und Straßen werden für private Feierlichkeiten genutzt und vieles mehr. Nein, noch ist es nicht wie in Berlin, aber mindestens Leipziger Verhältnisse liegen schon vor.

Bedauerlicherweise wirst du dich nun wohl noch beleidigter fühlen, aber damit musst du als scheinbare Teilhaberin der Gentrifizierung leben. Ich mache es mir derweilen in meinem dreckigen Viertel gemütlich.


 

16. Feb. 2017, 16:20 Uhr

LeserInnenbrief von Dabby:

LOL, der Bevölkerungsaustausch ist in vollem Gange!!!!!11elf

Und nicht die Politiker_innen von SPD und Grünen mit ihrer völlig verfehlten Bochumer Wohnungspolitik sind verantwortlich für die steigenden Mieten – nein, es sind jetzt Kugelpudel, Eden und Trinkhalle!

Dass es seit Jahrzehnten rot-grüne Stadtpolitik ist, auf Eigenheim-Förderung statt kommunalen Wohnungsbau zu setzen? Nicht der Rede wert. Dass es bei der Bochumer Wohnungsbauförderung praktisch nur um Profite für Privatinvestoren bei Verknappung von bezahlbarem Wohnraum geht? Egal. Dass es wegen dieser Politik bald so gut wie keine Sozialwohnungen mehr in Bochum geben wird? Spielt keine Rolle. Schuld an den steigenden Mieten sind die pösen, pösen Hipster.

Naja, wer sich ein bisschen mit dem Thema Gentrifizierung beschäftigt hat, weiß, dass es so einfach nicht ist, wie “Karl” es behauptet. Aber manchmal ist ein personifiziertes Feindbild in sozialer Reichweite eben angenehmer als eine Auseinandersetzung mit den komplexen Zusammenhängen – oder als die Vorstellung, sich gar mit den wirklich Mächtigen in dieser Stadt anlegen zu müssen.

(Dass manche rot-grüne Politiker_innen möglicherweise auch mal ein Eis im Kugelpudel schlecken, mag sein. Aber es wäre meiner Meinung nach schon wichtig, sie für ihre Scheiß-Politik zu kritisieren, die Mietpreis-Steigerungen und Verknappung von bezahlbarem Wohnraum in allen Bochumer Quartieren völlig absehbar verursacht hat. Wo sie ihre Waffel mit heißen Kirschen essen, ist mir jedenfalls schnurzpiepegal.)


 

16. Feb. 2017, 19:10 Uhr

LeserInnenbrief von Pit:

Geil,
da kritisiert jemand Akteure und Profiteure der Gentrifizierung. Aber ne, det darf er nich.
So wird seine Meinung als a) völlig überzogen oder b) als Nebenwiderspruch abgetan.
Selbst die Rote Flora in Hamburg hat sich selbstkritisch mit ihrer Rolle zur Gentrifizierung ihres Stadtteils geäußert. Aber wenn in Bochum einer dat Maul gegen dat grün-alternative Kapital aufmacht, sofort eine druff.

Passt doch, das der Notstand und Co in die City wolln, runna vom verstaubten, unattraktiven roten Furzsofa in der Josephstraße. Vielleicht wird das ja noch mal was mit der verkappten Sozi-Karriere!

Ach ja an die Kortländer-Triangle: Die City is mit dem Bermudadreieck, dem Boulevard, der Stadtbadgalerie, dem Brückviertel und Ehrenfeld, samt Rotunde seit Jahrzehnten ein Ort der Stadtplanung und Gentrifizierung. Na geh ma nen Eis essen. Blaues Schlunpfeis, dat passt zu dir wa.


 

16. Feb. 2017, 20:03 Uhr

LeserInnenbrief von Karl:

Es gibt Mietpreissteigerung aufgrund verfehlter Politik und es gibt das Beispiel Kortländer Kiez.

Wer das nicht sehen möchte, hat auch neine Menge nicht verstanden.

Das eine schließt das andere nicht aus, Dabby!

Eure verfluchte Verdrängung von Tatsachen kotzt mich an. Jede*r kennt das Problem der Gentrifizierung. Aber hey, das kann doch nicht in unserer Stadt passieren, damit schlagen sich nur die richtigen Großstädter rum.
Ich habe oben bereits gesagt, dass die Mieten in ganz Bochum gestiegen sind, aber ich habe auch Beispiele gegeben, die eine Preissteigerung der besonderen Art im genannten Viertel bezeugen.
Wenn niemand das Problem sehen will, ist das Viertel bald das neue Ehrenfeld. Und dann kommt das nächste Viertel dran.


 

16. Feb. 2017, 21:57 Uhr

LeserInnenbrief von Phil:

Lieber Karl, ich denke dass du zwischen “Gentrifizierern” und “Gentrifizierten” unterscheiden solltest.

Die Gentrifizierten (Kulturschaffende, junge UnternehmerInnen, Kreative, engagierte BürgerInnen…) die sich für eine menschenfreundliche Umgebung einsetzen (wie du ja selbst erwähnt hast), haben monetär (und darum geht es ja letztlich bei der Gentrifizierung, als gewollten Prozess der Renditesteigerung bei Wohnrauminvestitionen und -spekulationen) nichts davon. Es ist lediglich ein kultureller/sozialer Wert. Diejenigen also als die Bösen abzustempeln halte ich für falsch.

Diejenigen die hierbei die Nutznießer sind, sind die VermieterInnen/Genossenschaften/Agenturen/Marklerbüros… Sie sind nicht für die “Aufwertung” des Stadtteils verantwortlich, profitieren aber davon indem jede “Szene” halt ihr Klientel anzieht (auch das ist logisch).

Bitte schmeiß das nicht in einen Topf. Daraus entstehen unhaltbare Unterstellungen, die nicht gerechtfertigt sind.


 

16. Feb. 2017, 22:07 Uhr

LeserInnenbrief von Max:

Lieber Karl,

hast du das Café Eden mal besucht und die Leute dort kennengelernt? Oder hast du die, wie du sagst ‘unangenehmen Gestalten’, nur durch das Schaufenster betrachtet und dir daraus deine Meinung gebildet?

Das Café Eden ist ein Verein. Wir sind eine Begegnungsstätte, in der ganz unterschiedliche Menschen und Generationen zusammentreffen. Egal welchen Hintergrund sie haben, ob sie arm oder reich sind oder woher sie kommen. Hier können die Leute gemeinsam Ideen- und Gedanken austauschen und einfach gesellig beisammen- sein. Zu uns kann jeder kommen, der Lust auf gemeinsame Aktivitäten hat und gerne neue Menschen und deren Meinung kennenlernen möchte.

Wir sind definitiv kein hipper Laden, wo nur junge, reiche Menschen hinkommen und sich über steigende Mieten freuen. Das stimmt einfach nicht! Im Gegenteil, mit unserer engagierten Vereinsarbeit und unseren offenen Veranstaltungen, bereichern wir das Leben unterschiedlichster Menschen im Vierteil und in ganz Bochum. Unsere Vereinsmitglieder sind Rentner, Arbeitslose, Studenten und Werkstätige, wir sind selbst ein Querschnitt der Gesellschaft!

Du bist herzlich eingeladen uns zu besuchen und uns kennenzulernen. Du wirst feststellen, dass wir überhaupt nicht die bösen Gentrifizierer sind, für die du uns leider hälst. Wir sind nämlich, ob du es glaubst oder nicht, die Guten, die etwas gegen die Hektik, Anonymität und Leistungsorientiertheit unserer Gesellschaft unternehmen.


 

17. Feb. 2017, 00:19 Uhr

LeserInnenbrief von Pit:

Jojo Phil,
die armen Kulturschaffenden und Menschenfreunde, die mit ihrem kulturellen und sozialen Kapital ein Viertel aufwerten, bis das ökonomische Kapital nachzieht. So mal ganz nach Pierre Bourdieu, wenn den kennst.

Aber wat kann da der Mittelschichtler und die Kunststudentin dafür, dass Oma Krause die sich dat Mate Kaltgetränk vonna Hartz IV Knete nich leisten kann, die mit ihrem Rolli den Betrieb stört, die nicht die angesagten Klamotten trägt und die nur so`n alten Schrott aus dem letzten Jahrtausend redet, wat können die schon dazu wenn se sich dat Viertel für sich und ihren Nachwuchs kuschlig machen, nö? Da störn doch diese Looser, deren Armut stinkt doch echt, wa? Solln die mal Platz machen, für uns. Ne, ne, maln paar Jährchen hier abwohnen, Nachbarschaftskuscheln für sich und seinesgleichen und dann? Mensch dann haben wa dat vielleicht geschafft! Stehn auffa Siegerseite, haben Asche und wohnen fest hier. Und wenn nicht auf inne nächste Kuscheleck für s eigen Milieu.
Sozial is nämlich dat, wenn es für mich und meine Posse ist.

Fuck off sozialliberale Ökos!
Wird Zeit für ne Besetzung inna Innenstadt – gegen euren Mittelschichts-Bürgerspeck!


 

17. Feb. 2017, 11:39 Uhr

LeserInnenbrief von Ex-Stadtteilbewohner:

Boah, mit geht diese Leserbriefrumkotzerei voll auf den Geist. Politik gegen Gentrifizierung findet auf der Strasse statt und nicht in der virtuellen Welt von Leserbriefen.

Ich kann mich gerade nicht z.B. an eine Veranstaltung zu Gentrifizierung im Stadtteil erinnern. Gab es die? Was sind die Gegenstrategien? Solche Leserbriefe schreiben? Wie sieht die Praxis dazu aus?

Veränderung im Stadtteil kenn ich schon seit den 80ern. Mit dem ehem. Wohnprojekt in der Hofsteder Str., der MeiCoop, tri-mobil, Fahrradladen, der damaligen, großen Stadtteilsanierungsmaßnahme…

Zur Zeit ziehen einige Bekannte aus Syrien in den Stadtteil, ein neuer Aldi soll entstehen etc.

Ist das schon Gentrifizierung oder “normale” Stadtteildynamik. Was sagt der MieterInnenverein dazu? Das sind alles wichtige, spannende Fragen, die es aber nicht verdienen so wie hier bedient zu werden.

SO, bevor ich böse werden, bediene ich jetzt meinen “Mittelstand-Bürgerspeck” und kauf mir ´ne Pommes. Voll unöko und nicht aus Süßkartoffeln, aber ohne Mayo und damit zwangsweise bestimmt vegan ;-(

Ein Ex-Stadtteilbewohner


 

17. Feb. 2017, 14:41 Uhr

LeserInnenbrief von Pit:

Echt jetzt?
Weil Du so‘n streetfighter bist soll`n die anderen nicht diskutieren dürfen?
Und weil hier von den Kortländer-VersteherInnen die Kritiker die ganze Zeit verbal runtergeputzt werden, darf es kein Contra geben? Alles nur Kotzerei für Dich?
Hier entsteht ne Diskussion. Aber ist die geadelt durch eine vorherige Veranstaltung? Ne. Dann darf man sich auch keine Positionen um die Ohren hauen, wa?
Und was hat der Bereich im Innenstadtring mit deine 80er Jahre Biographie aus Bochum-Hamme, wohlgemerkt einen halben Kilometer weiter und ein anderer Stadtteil, zu tun?
Und wat soll “Zur Zeit ziehen einige Bekannte aus Syrien in den Stadtteil, ein neuer Aldi soll entstehen etc” das belegen. Dasse nen Herz für Flüchtlinge hast?
Geh, mach was für deinen Kollesterinspiegel und sinniere über Aldi nach!
Meanwhile: Andere denken über die Stadtentwicklung, Gentrifizierung und die Rolle von Mittelschichts-Phantasien nach und fetzen sich in dieser Leserbriefspalte darüber.


 

18. Feb. 2017, 12:32 Uhr

LeserInnenbrief von Werner Müller:

Tut mir leid, aber die Diskussion scheint mal wieder ins PostFaktische abzudriften statt erstmal zu beobachten und zu analysieren. Ich versuch mal systematisch Fragen zu stellen. Was ist eigentlich Gentrifizierung? Was kann mensch dagegen tun? Findet Gentrifizierung in Bochum statt?

Gentrifizierung bezeichnet einen sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Viertel im Sinne einer Attraktivitätssteigerung, den Zuzug zahlungskräftiger Mieter und damit verbundenen Verdrängung von ärmeren Mietern (aber nicht jede Verdrängung ist Gentrifizierung!). Die spannende Frage ist, warum passiert so etwas. Hintergrund ist natürlich die Marktförmigkeit des Wohnungsmarktes, die in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. Kurz: der Kapitalismus ist schuld. Wird das Angebot eng, z.B. wegen Zuzügen, nutzen Vermieter das aus und erhöhen die Mieten. Dazu passt ggf die Erzählung das Viertel XY sei besonders attraktiv wegen der Kneipen, Grünflächen etc. Zentral aber, so sehen es Gentrifizierungsforscher sind dabei nicht die Konsumenten (Hipster, Künstler…), die zufällig oder bewusst in ein Viertel ziehen, sondern Markt und Staat, die den Rahmen setzen.

Verhindern lässt sich das, wenn der Kapitalismus überwunden ist… OK, nicht so realistisch. Ansonsten haben Kommunen und Land die Möglichkeit zu intervenieren. Durch striktes Mietrecht, Umwandlungsverbote… . Der Kauf von vielen Wohnungen durch gemeinwohlorientierte Vermieter. Am wichtigsten bleibt der Erhalt eines entspannten Marktes mit vielen bezahlbaren Wohnungen.

Soziale Bewegungen sind aufgefordert die Kommune zu mieterfreundlicher Politik zu drängen. Besonders krasse Vermieter, die unverschämte Mieten verlangen oder Menschen aus ihren Wohnungen rausekeln, können skandalisiert werden. Notwendig dafür ist die kollektive Organisierung der (potentiellen) Betroffenen. In dem Sinne ist die Existenz von Räumen wie Kugelpudel oder Cafe Eden und der Mieterverein im Kortländer Viertel schon mal eine gute Voraussetzung.

Bleibt die Frage zu klären findet Verdrängung schon statt? Bisher ist der Wohnungsmarkt in Bochum noch relativ entspannt, Mieten steigen laut Mietspiegel moderat, der Druck auf Mieter*innen im Allgemeinen scheint zu schwach, Mietensteigerungen wie in Berlin in Gang zu setzen. Das kann sich ändern, wenn Mietwohnungen vernichtet werden, Leerstände ungenutzt bleiben, die Anzahl von Sozialwohnungen weiter sinkt oder viele Zuzüge stattfinden. Aber dennoch finden Verdrängung natürlich schon längst statt. Immer weniger Sozialwohnungen, Hartz IV Regime und Prekarisierung besorgt sowas seit Jahren.

Dennoch denke ich darf nicht jede Veränderung eines Viertels Panik auslösen. Manche Ecken Bochum haben Sanierungen bitter nötig, Studierende kommen und verlassen die Stadt wieder, Geflüchtete werden hoffentlich bald alle Wohnungen haben.

Kritische Stadtaktivist*innen sind aufgerufen die Entwicklung zu beobachten und aktiv mitzugestalten. Zu hoffen ist, daß darüberhinaus sich immer mehr Nachbarschaften gemeinsam organisieren und solidarisches Zusammenleben praktizieren.


 

18. Feb. 2017, 14:09 Uhr

LeserInnenbrief von Phil:

Ach liebster Pit,
ja dann mach doch und bleib doch nebenbei mal aufm Boden. Ich hab nicht gesagt, dass “wir” (du schließt mich da ja ein und ich grenze mich gerne von dir ab) nicht Mitschuld an der Entwicklung haben die den Boden bereitet für diese Veränderung. Aber dann sag doch mal: was machst du denn so für eine lebenswerte Stadt? Häuser besetzen? Stark! Mensch, da haste richtig was für Frau Krause getan. Die schüttelt zwar nur den Kopf wenn sie hört, dass die Steinewerfer wieder mitm Zeckenkärcher weggeputzt werden müssen. Aber das liegt ja an ihr, dass sie deine Solidarität nicht verstehen will. (Merkst du selbst wie leicht man Worte im Mund umdrehen kann ;) )

Bei Botopia geht es um kein exklusives Projekt, im Gegenteil. Auch dir sollte das einleuchten. Ich verstehe deine Kritik und ich sehe den Punkt den du machst. Aber: die Wohnraum-/Sozialpolitik der Stadt hat nichts, aber auch gar nichts Gutes für uns. Im Gegenteil. Als Privatpersonen und als Initiative kämpfen wir dagegen. Was du als Grünes Kapital bezeichnest, gibt es bei uns schlicht nicht. Wir wollen einen Ort schaffen der offen für alle steht. Auch für dich und deine Initiativen/Gruppen/Plenum/Whatever. Take it or leave it.

Diesen Willen anzuerkennen, das ist aber das Mindeste was ich von dir erwarte. Deine Feindseligkeit stinkt, Digga.


 

18. Feb. 2017, 18:53 Uhr

LeserInnenbrief von Pit:

Lass ma Phil,
ihr seid ja so “postkapitalistisch” – ihr tauscht eure ausgelesenen Bücher, eure abgelegten Klamotten und nicht vergammelte Lebensmittel verschenkt ihr und eure kaputten Gebrauchsgegenstände repariert ihr. Flüchtlinge dürfen sich bei euch treffen und Linke ihre Bücher zum Verkauf anbieten. Für das Ganze muss nur noch Asche reinkommen, damit man die Miete zahlen kann.
Schon ist der emotionale Haushalt und die harmoniebedürftige Welt der Besserverbraucher, Naturschoner und Nischenökonomen repariert.

Das alles ist so Smalltalk aus dem Hipster Milieu, so Kuschelrhetorik für spätgeborene systemimmanenter GrünenwählerInnen.
Was soll man euch öko-liberalen Mittelschichts StadtteilbewohnerInnen noch sagen?

Und dann der Satz von Werner Müller “Soziale Bewegungen sind aufgefordert die Kommune zu mieterfreundlicher Politik zu drängen.”
Kapitalismus lässt sich nicht überwinden, machen wa mal als Korrektiv mit.
Was für ein reformistischer Grüner Bullshit!


 

19. Feb. 2017, 10:32 Uhr

LeserInnenbrief von Karl:

Jetzt werden hier ja Fässer aufgemacht…

Fakt ist, dass die fortschreitende Gentrifizierung des besagten Viertels an der RUB untersucht und bejaht wurde.


 

19. Feb. 2017, 17:44 Uhr

LeserInnenbrief von Pit:

Dann rück mal mit den Uni-Quellen raus, damit man sich weiter informieren kann.


 

19. Feb. 2017, 18:37 Uhr

LeserInnenbrief von G.J.:

Wenn mensch Internetsuchmaschinen nutzen kann ist mensch im Vorteil:

http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/meldung/2016/05/meld03301.html.de

An alle Paniker_innen unter uns, die an die baldige Herrschaft der Postkapitalist_innen, Hipster und anderer dunkler Gestalten glauben, aber nicht das kulturelle Kapital mitbringen den Artikel ganz zu lesen, hier die Kernthese der Bachelorarbeit:

“„Gentrification läuft idealtypisch in vier Phasen ab“, erzählt Marie. „In der ersten Phase entdecken sogenannte Pioniere den Raum für sich. Meist sind das freischaffende Künstler und Studenten mit geringem ökonomischen Kapital.“ Im Fall Kortländer Kiez siedelt sich die Eisdiele Kugelpudel an – in einem Altbau, der zu den Schmuckstücken des Viertels gehört. Es folgen weitere alternative Gewerbe wie die Kneipe „Trinkhalle“, und damit wird die zweite Phase der Gentrifizierung eingeläutet. Immer mehr Pioniere ziehen nach, der Kiez verändert sich: Es gibt Straßenfeste, Konzerte, abends ist die Straße Treffpunkt. Die Menschen, die hier wohnen und feiern, identifizieren sich mit ihrem Viertel, geben ihm einen Namen: Kortland. Die Medien berichten. Häufig fallen Schlagwörter wie „hip“ oder „Szeneviertel“. „Das Viertel wird so symbolisch aufgewertet“, sagt Marie.

Hier endet aber vorläufig die Entwicklung. Der Kiez ist in der zweiten Phase der Gentrifizierung steckengeblieben. Maries Prognose: „Ich glaube nicht, dass die kulturell vielfältigen Gewerbe in Zukunft verdrängt werden. Dafür gibt es hier zu wenige Gentrifier, also Neureiche, die das Viertel für sich beanspruchen und die Pioniere verdrängen würden.“ Das Kortland bleibt also erst einmal so, wie es ist: von der Bevölkerung ziemlich durchmischt und ziemlich günstig in puncto Mieten.”

@ Karl:das sind ja höchstwahrscheinlich “fake-news”, denn sie widersprechen ja der eigenen Ideologie. Bitte belästigen sie mich nicht mit Fakten, ich habe bereits meine Meinung.
@Pit: ist eine angenehmes Wohnen in einem sympathischen Viertel etwa konterrevolutionär?
Eine Revolution bei der es kein leckeres Eis und gutes Bier gibt ist nicht meine Revolution!


 

20. Feb. 2017, 07:23 Uhr

LeserInnenbrief von Eva:

Die Bachelorarbeit hört sich ja wirklich interessant und nach viel Arbeit an, ich finde es gut dass sich jemand dem Thema wissenschaftlich angenähert hat. Der Prognose jedoch würde ich persönlich nicht zustimmen. Es gibt noch nicht viele Neureiche, ja, das stimmt. Aber das muss ja nicht heißen, dass es die nicht bald im “Kortländer” gibt. Verweisen möchte ich hier auf “Bochum Perspektive 2022″, auch Mark 51°7 genannt. Das liegt zwar nicht im Kortländer, dort soll aber ein “Wissenschafts-, Technologie- und Gründerquartier” entstehen. Und es könnte ja sein, dass diese Gründer*innen sich dazu entschließen werden in die Innenstadtbereiche zu gehen. Und der Kortländer scheint ja laut der Bachelorarbeit eine ideale Gegend für die Niederlassung zu sein.

Es gibt halt viele Variablen, die so eine Gentrifizierung mitgestalten. Aber dass der Kortländer sich in dieser 2. Phase befindet sollte für die Geschäfte dort auch mal ein Zeichen zur Selbstreflektierung sein meiner Meinung nach. Und dass es in Ehrenfeld diese ganze Entwicklung gab kann ja wohl niemand abstreiten.


 

20. Feb. 2017, 09:44 Uhr

LeserInnenbrief von Pit:

@G.J.
Aha, mal wieder alles „Paniker_innen unter uns, die an die baldige Herrschaft der Postkapitalist_innen, Hipster und anderer dunkler Gestalten glauben“.
Bezeichnend, dass erst einmal die Kritiker eines Gentrifizierungsprozesses abgewertet, um dann der irrationaler Verschwörungstheorien und der Dummheit geziehen zu werden. Dann kommt eine Rechtfertigung eigener Positionen, um mit weiteren Unterstellungen und Anwürfen zu enden. Schöne Ansage. Passt zu dem Rest der Kortcountry-Rednack-Fraktion (KNF). Donald the Trump Pressekonferenzen lassen grüßen.
Was willst Du uns mit diesen Sätzen aus dem Rubens-Artikel sagen? Was ist deine Massage für uns? Lautet sie „Es gibt Gentrifizierung – na und?“. Oder „Alles halb so schlimm, siehe Studentenblatt!“ Ein Artikel von StudentInnen für StudentInnen, der sich über das Thema Bachelor-Arbeit-Schreiben ergeht, sich aber in keiner Weise mit den Aussagen zur Stadtentwicklung auseinandersetzt. Vielmehr unreflektiert diese fast mathematisch anmutende Phasen-Theorie stehen lässt? Was soll dein Verweis aussagen? Das Du die Rubens liest?
Und dann dein Abschluss – Gedisse à la „Ich lass mir von ideologischen Spaßbremsen Nichts sagen“. Dazu ziehst Du die 1940 verstorbene us-amerikanische Anarchistin Emma Goldman mit ihrem Satz „Wenn ich nicht Tanzen kann, ist es nicht meine Revolution.“ heran. Sei unbesorgt, ich steh auf Sex, Drugs and Rock n` Roll. Worauf ich nun mal gar nicht stehe, und das ist das was ich bei all diesen Mitgliedern der Kortcountry-Rednack-Fraktion wahrnehme, ist Ignoranz. Und da kontere ich Dir mit Emma Goldmans Spruch „The most violent element in society is ignorance.“


 

20. Feb. 2017, 10:07 Uhr

LeserInnenbrief von Karl:

@G.J. 1.: stell mich nicht in eine Reihe mit Trump und co. Ich komm dir gleich mal mit Fake-News
2.: in der Studie steht “vorläufig”, es gab seitdem schon mehr Veränderung, mehr Zuzug, mehr Wegzug. Ich beobachte die Situation genau. Ja, die kulturelle Vielfalt hat abgenommen, ja, es sind mehr Gentrifizierer zugezogen. Mit einer solchen Studie endet keine Entwicklung.

Aber sauft gern weiter euren Super-Bio-Latte Macchiato


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