Samstag 31.12.16, 17:15 Uhr

Ruhr-Uni: Es soll ein Wunder geschehen

Die spannendste Meldung im Jahr 2016 kam von der Ruhr-Uni. Am 2. Mai teilte die Uni in einer Presseerklärung mit, dass sich Forscher der Uni daran begeben, ein Wunder zu vollbringen. In einem lediglich mit 1,6 Millionen Euro ausgestattetem Forschungsprojekt soll an der katholischen Fakultät nachgewiesen werden, dass Theologie eine Wissenschaft ist. Das ganze wird zwar als offene Fragestellung formuliert. Aber, so Projektleiter  Benedikt Göcke: „wenn sich zeigen lässt, dass katholische Theologie keine Wissenschaft ist, dann muss auch die Rolle der Theologie an der Universität neu überdacht werden. Theologische Fakultäten samt ihrer Abschlüsse liefen Gefahr, aus dem universitären Kanon ausgeschlossen zu werden.“ Ein solches Forschungsergebnis an einer katholischen Fakultät ist nicht einmal als Wunder vorstellbar. Es wird also zu einem normalen religiösen Wunder kommen. Die katholischen Theologen finden in ihrer fünfjährigen Selbstergründung heraus, dass sie Wissenschaft betreiben. Dann, so die Presseverlautbarung der RUB, “müsse nach Göckes Verständnis geprüft werden, welche konfessionsgebundenen theologischen Fakultäten zusätzlich zu den bereits bestehenden Fakultäten an staatlichen Universitäten neu eröffnet werden sollten.”
Diese Aussage bedeutet allerdings eine skandalöse Vorab-Einschränkung des Forschungsergebnisses. Hier soll offensichtlich in bekannter klerikaler Tradition versucht werden, weitaus wissenschaftlich basiertere konkurrierende Glaubensrichtungen wie z. B. die Astrologie auszuschließen. Die Astrologie verfügt immerhin über die naturwissenschaftliche Hilfsdisziplin der Astronomie. Ihre Berechtigung als zukünftige Fakultät an der RUB begründet sich auch in dem gigantischen publizistischen Interesse, das gerade jetzt zum Jahreswechsel wieder überdeutlich wird.
In der deutschen Wissenschaftspolitik wird die enorme Bedeutung des gesamten Forschungsprojektes bisher völlig unterschätzt. Der Nachweis, dass es womöglich nicht nur traditionell unüberwindbar, sondern sogar wissenschaftlich geboten ist,  sowohl evangelische als auch katholische Fakultäten zu unterhalten, könnte den gesamten Wissenschaftsbetrieb revolutionieren.
Die Politologie stände z. B. plötzlich als beliebiges Sammelsuriumsfach dar. Christ-, frei- und sozialdemokratische, grüne und linke politikwissenschaftliche Fakultäten müssten kurzfristig etabliert werden. Alles andere würde zu einer völlig neuen Dimension von Politikerverdrossenheit führen. Den Parteien müssen dann selbstverständlich auch die gleichen Einflussmöglichkeiten auf Inhalte und Personal der Fakultäten eingeräumt werden, wie es sich zwischen Kirchen und theologischen Fakultäten bewährt hat.
Es bleibt zu hoffen, dass den EntscheidungsträgerInnen in Wissenschaft und Politik frühzeitig einleuchtet, welche Verantwortung das Forschungsprojekt für sie bedeutet.
Einige langjährige BeobachterInnen des theologischen Wirkens spielen die möglichen Konsequenzen des Forschungsprojektes allerdings herunter. Sie würde es nicht wundern, wenn brisante Erkenntnisse unter Verschluss blieben.

2 LeserInnenbriefe zu "Ruhr-Uni: Es soll ein Wunder geschehen" vorhanden:

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1. Jan. 2017, 15:30 Uhr

LeserInnenbrief von Dora:

Wie kann man denn allen Ernstes einen solchen Unfug schreiben, der jeden Schimmer von Sachkenntnis vermissen lässt…Reine Polemik! ICH HABE AUGRUND DIESES UNDIFFERNZIERTEN GESCHREIBSELS DEN NEUJAHRSVORSATZ GEFASST, BO-ALTERNATIV NICHT MEHR ZU LESEN.


 

1. Jan. 2017, 18:27 Uhr

LeserInnenbrief von Som Jo Tien:

“Im Mittelalter tritt Satire daher meist als Ständesatire auf. Ausgehend von der hierarchischen Feudalordnung kritisiert sie Verletzungen der Standespflichten und jede Art von Übertretung der von Gott geschaffenen Sozialordnung. Dazu zählt die Auflehnung der unteren Stände (Bauern), aber auch die Grausamkeit des Adels oder die sündhafte Leichtlebigkeit der Geistlichen.” (wikipedia)

Eine wichtige Frage, die das Forschungsprojekt gleich mit anhandeln sollte: Ist in der Katholischen Kirche der Sinn für Humor abhanden gekommen oder gab es ihn in Westfalen nie, sondern nur im Rheinland?

Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Satire#Mittelalter


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