Donnerstag 08.09.16, 16:29 Uhr

Bericht von der Antifa-Demo am Sonntag

Die Antifaschistische Linke Bochum hat einen Bericht von der Demonstration am vergangenen Sonntag veröffentlicht:  »Am vergangenen Sonntag, den 04.09., nahmen knapp 150 AntifaschistInnen, AntirassistInnen und Geflüchtete an einer Demonstration in Bochum gegen einen Aufmarsch des PEGIDA Ablegers “Daskut” teil. Die Demonstration wurde erneut von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Bereits vor der Demonstrationen wurden diverse Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei, des Wanne-Eickeler Staatschutzes und des Bochumer Einsatztrupp in der Innenstadt gesichtet. Die von Branco Barkic organisierte Kundgebung von Daskut, wurde weitreichend von der Polizei abgesperrt, sodass zwischenzeitlich 30 Polizeifahrzeuge alleine am Kundgebungsort der RassistInnen zu finden waren.Zeitgleich trafen die ersten DemonsrantInnen am Bergbaumuseum ein, wo die antirassistische Demo beginnen sollte. Auch hier trat die Polizei mit einem großen Aufgebot auf. Nachdem der erste Redebeitrag zu Daskut und dem Selbstbild von Branco Barkic und Dorothea Meyer vorgetragen wurde, startete die Demonstration mit ca. 150 Menschen in Richtung Innenstadt. Nachdem am Bochumer Kuhhirten in Sichtweite von Daskut eine Rede zu Asyl in Deutschland und Europa gehalten wurde, wurde spontan arabische Musik abgespielt und ein Teil der Demonstration begann zusammen trotz leichtem Regen zu tanzen.
Die Stimmung war in dem Moment einfach unbeschreibbar. AktivistInnen, Geflüchtete und Kinder machten deutlich, dass durch die Entstehung des Regugee Strikes Bochum die Isolation im Kleinen aufgehoben wurde und ein positiver Austausch stattfindet. Die Demo zog dann sehr gut gestimmt weiter Richtung Dr. Ruhr Platz, an dessen Mündung die Demo dann gestoppt wurde. Ein letzter Redebeitrag folgte zu den Geschehenissen während des letztens Besuchs von Daskut und zu Polizeigewalt im Allgemeinen. Nach einer erneuten Tanzeinlage löste sich die Demonstration gegen 20:00Uhr auf. Da die Polizei keinen direkten Protest in Sichtweite zuließ, entschloss sich ein Großteil der Demonstration die Heimreise anzutreten.
Daskut selbst verblieb bis ca. 20.30Uhr. Dort wurden Redebeiträge unter anderem von Domenic Horst Roeseler (ProNRW/HoGeSa), Branco Barkic, Ariane Meise (NPD) und Holm Teichert (ProNRW) vorgetragen. Musikalisch wurde die Kundgebung der RassistInnen durch Patrick Ville Killat aka. A3estus aka Villain051 aus Berlin unterstützt. Dabei habe dieser mit Aussagen wie “ich zerficke seit 15 Jahren das Rapgame” geglänzt. Bei den Meisten hat es wohl eher Fremdscham hervorgerufen.
Mit 20 Personen ist die Kundgebung von Daskut relativ klein ausgefallen, was dennoch doppelt so viele Teilnehmende im Vergleich zum letzten Mal bedeutet. Leider haben wir auch die Einschätzung, dass es nicht die letzte Veranstaltung in Bochum von Pegida/Daskut gewesen sein wird. Nun liegt es an uns Bochumer AntifaschistInnen passende Strategien und Vorgehensweisen zu entwickeln, um an Sonntagen wieder Ruhe haben zu können. Für uns steht fest, dass es in Bochum einzig an der Person Branco Barkic liegt, die als Initiator die Daskut Kundgebungen organisiert hat. Eine Gruppe oder ein Netzwerk steht nicht als Organisation hinter Daskut, sondern eine in der rechten Szene gut vernetzte Einzelperson. Weiterhin kann festgehalten werden, dass diesmal auch HoGeSa und Gemeinsam Stark Klientel vor Ort waren. Diese sind aber nur durch das Zeigen ihres Gesäß, der Wampe oder durch regelmäßige Gänge zum Kiosk aufgefallen.
Nach der Kundgebung beklagte Domenic Roeseler, dass sein Fahrzeug in Bochum durch feige AntifaschistInnen beschädigt wurde.
An dieser Stelle sprechen wir Grüße an die feigen AntifaschistInnen aus!
Als Fazit können wir ziehen, dass es wirklich eine gelungene kleine Demonstration war. Die Teilnahme von Refugees war recht hoch, da im Vorfeld noch ein Picknick von Geflüchteten und Bochumer AntirassistInnen stattfand. Die Stimmung war sehr entspannt und positiv. Bezüglich der massiv auftretenden Polizei müssen wir als Bochumer AntifaschistInnen uns ebenfalls gemeinsame Vorgehensweisen überlegen.
Es kann nicht sein, dass wir uns dermaßen von der Polizei abdrängen lassen und ein direkter Protest nicht mehr möglich ist.«

 

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9. Sep. 2016, 14:26 Uhr

LeserInnenbrief von Ralle:

“Wunder, oh Wunder”

Da wird im Ruhrgebiet gegen die Bochumer 1. Mai Demo der NPD mobilisiert als ginge es zur großen Straßenschlacht. Parole: “1. Mai – sportfrei”. Ein Anti-Bullen Video (“KEIN NAZIAUFMARSCH IN BOCHUM AM 01.05.2016 | NAZIS WEGBOXEN”) wird gepostet und der Obermackersprech an Häuserwänden und im Netz darf natürlich auch nicht fehlen.

Resultat: Volle Bullenpräsenz auf den Straßen Bochums und präventive staatliche Repression zur Erfassung der Identität angeblicher “Störer”. Trotz der angekündigten Randale wundern sich nun einige über das polizeiliche Großaufgebot. Und trotz radikaler Gesellschaftsanalyse wundern sich einige darüber, dass dieser Überwachungsstaat seine Mittel der Kontrolle, Erfassung und Repression ausschöpft.

Hat man in Bochum das vollmundige Versprechen des Straßenkampfes einhalten können? Nein. Statt dessen hat man die ortsunkundigen DemonstrantInnen in den vorbereiteten Polizeikessel geführt, wo man sich sang- und klanglos in die Schickane und Gewalt fügte.

(Die einen nennen diese Verhalten so unerfahren, wie kurzsichtig, so pupertär, wie patriachal. Manch andere behaupten, dass dies altersunabhängig und das gleiche Verhalten seit Jahren ist. Dass einige Leute aus den diversen Antifa-Szenen, bzw. einige Antifa-Szenen an sich, nicht lernfähig sind und ihre eigenen Niederlagen selbst produzieren.

Die Ansichten zu diesen Antifa-Szenen sind unterschiedlich. Sie gehen davon aus, dass hier eine mangelhafte Analyse staatlicher Gewalt-und Repressionsstrukturen bis omnipotenten Mackerphantasien seitens männlicher Jung-Antifas vorliegt; sie attestieren fehlenden Mut, Einsatzbereitschaft und sportlicher Leistungsfähigkeit der AntifaschistInnen; aber auch mangelnden solidarischen und soziales Verhalten und obsolete verbindliche politische Strukturen; darüber hinaus vermissen sie Phantasie und Kreativität bei antifaschistische Aktionen und sehen ein für den Polizeiapparat voraussehbares Protestverhalten; ganz zu Schweigen von den Stimmen, die diesen Antifa-Szenen ein ein-dimensionales Weltbild und Mentalität a la “Ghettofighter” bei gleichzeitiger Versorgungslage aus gut- und großbürgerlichen Elternhaus attestieren. außerdem sei dies nur ein dreijähriger jugendlicher Hormon-Ausflug bevor der “Ernst des Lebens” mit Arbeit und Familie beginne, Etc.p.p.)

Jetzt muss man sich in Bochum um die Folgen der staatlichen Repressionspolitik kümmern, sprich Anti-Repressionsarbeit machen. Die Zuschreibungen gegenüber dem Staat und seiner Polizei sind stimmig und zu Recht.
Aber es scheint auch an einer Reflexion eigener Fehler, die zu den Massenverhaftungen führten, zu mangeln und es wird an dem Selbstbild eigener potenter Straßenmilitanz gestrickt.

Für den kläglichen DakSut-Aufzug am letzten Sonntag kündigte man vollmundig die Teilhabe an der rechten Kundgebung an. Das man das nicht zuwege brachte ist gut. So waren die demonstrierenden Flüchtlinge vor eventuellen Auseinandersetzungen und polizeilicher Repression gefeiht.

(Lesenswerter anarchistischer Kommentar, gefunden und gelesen auf: https://linksunten.indymedia.org/de/node/189876)


 

11. Sep. 2016, 12:59 Uhr

LeserInnenbrief von Norbert Hermann:

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