Montag 18.07.16, 17:59 Uhr

Kritik an Gesamtschulen pure Ideologie

Die jüngsten Äußerungen zur Qualität der Gesamtschulen in Bochum des MdL Ralf Witzel, FDP, irritieren die GEW Bochum. Deren Sprecher Ulrich Kriegesmann bringt es so auf den Punkt: „Entweder ist das ein trauriges Zeichen ideologischer Verbohrtheit des Herrn Witzel, oder er will einfach die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen.“ Der GEW stellt sich die Frage, welche Befürchtungen Herr Witzel eigentlich hat. Realschulen in Bochum müssen nach Herrn Witzels Aussage gestärkt werden. Das suggeriert, dass es hier ein Defizit gebe – nach Meinung Kriegesmanns abwegig: „Es scheint sich eher um eine ausgeprägte Phobie vor Chancengleichheit zu handeln, wenn Herr Witzel die Leistungsfähigkeit der Bochumer Gesamtschulen in Zweifel zieht.“ Die Wirklichkeit sehe indes anders aus: Nicht nur die Zahlen der nach objektiven Leistungsmessungen vergebenen Abschlüsse spreche für sich. Insbesondere ist es ein Verdienst der integrativen Schulformen, dass Kinder in vielen Fällen bessere Abschlüsse erreichen als beim Übergang auf die weiterführende Schule prognostiziert – und darum muss es für die GEW gehen:
Endlich den Zusammenhang von schlechten Aufstiegschancen und sozialer Umgebung zu überwinden! Nicht der absolute Leistungsoutput einer Schulform sei entscheidend, sondern die Entwicklungsmöglichkeiten, die sie Schüler*innen bietet, um das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen. So werde dann auch die beste Leistungsbilanz insgesamt erzielt. – Im Übrigen vergleicht Herr Witzel schlicht Äpfel mit Birnen, wenn er den Grundkurs der Gesamtschule als Bezug nimmt: Für einen dort vergebenen Realschulabschluss sind ausreichende Leistungen in mindestens zwei Erweiterungskursen notwendig.
Regelrecht boshaft seien die Unterstellungen zu einer Notenillusion: Wer solche „hinter vorgehaltener Hand“ geäußerten Parolen nachbete, wisse, dass er sich im Bereich der Spekulationen befindet, so wie schon immer auch Gymnasien in Bochum gerne nach dem Notenniveau und der leichten Erreichbarkeit von Zensuren verglichen worden seien – wohl eher aus Häme denn aus Gründen des Erkenntnisgewinns, so Kriegesmann aus langjähriger Erfahrung als Schüler und Lehrer in Bochum.
Was aber den Vorstoß von Herrn Witzel wirklich ärgerlich mache, sei die Ignoranz, mit der er dem Elternwille begegnet, der sich gerade in Bochum in eindeutigen Zahlen ausdrückt. „Wird den Erziehungsberechtigten hier unterstellt, sie wüssten angesichts eines überwältigenden Wunsches nach mehr Gesamtschulen nicht, wovon sie sprechen? Dass die Anmeldezahlen für Gesamtschulen seit Jahrzehnten über den Aufnahmekapazitäten liegen, hat ganz offenbar auch mit der Akzeptanz und der Zufriedenheit der Eltern mit diesen Bochumer Schulen zu tun – es hat sich herumgesprochen, dass die Kinder dort gut aufgehoben sind, auch weil hier die individuelle Leistungsfähigkeit den Maßstab setzt. Hier werden“, so Kriegesmann, „einmal mehr in populistischer Weise Klischees bedient, um der eigenen Position zu nützen.“
Der Wunsch der Eltern, für die künftige Generation die besten Bildungschancen zu sichern, sollte von einem Politiker akzeptiert und nicht mit Blick auf eine kleine, ängstliche Klientel zerredet werden, meint die Bochumer GEW.

 
 
 
 


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