Mittwoch 29.06.16, 19:32 Uhr
Die Ausländerbehörde der Stadt bricht ihre Versprechen

Sie spielen Lotto mit unserer Zukunft
und dem Leben unserer Familien!

Der Refugee Strike Bochum schreibt auf seiner Facebookseite: »Heute kam die Bochumer Ausländerbehörde erneut zum Industriezelt-Camp an der Alten Wittener Straße. Sie verteilte dort erneut rein zufällig einige Einladungen zur Anhörung beim BAMF an zufällig Anwesende. Wer das Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hat einen Termin bekommen, um den Asylantrag zu stellen. Andere, die seit über einem Jahr verzweifelt warten, haben nichts bekommen. Für viele von uns ist der Antrag auf Asyl der erste Schritt, um unsere Lebenspartner und Kinder in Sicherheit zu bringen. Wenn sie noch in Syrien oder in einem anderen Kriegsgebiet sind, können sie jeden einzelnen Tag sterben. Während des Protestcamps vor dem Bochumer Rathaus hat die Stadt versprochen: Die Menschen, die am längsten warten, bekommen ihren Termin zuerst. Dies war eine der Vereinbarungen, aufgrund der wir uns entschlossen haben, unsere permanente Präsenz vor dem Rathaus zu unterbrechen. Im Moment bricht die Stadt dieses Versprechen und macht das Gegenteil. Sie spielen Lotto mit unserer Zukunft und dem Leben unserer Familien.
Das ist demütigend, ungerecht und inakzeptabel. Einige Bewohner/innen des Zeltcamps, die in dieser unmenschlichen Lotterie keinen Termin zur Stellung ihres Asylantrags gewonnen haben, waren so verzweifelt, dass sie die Ausfahrt blockiert haben, als das Auto der Verwaltung wegfahren wollte, ohne ihnen ebenfalls einen Termin zu geben. Anstatt ein gerechtes, schnelles und verlässliches Verfahren einzuführen, wurde die Polizei gerufen.
Bereits vergangene Woche haben Geflüchtete vor dem Rathaus gegen dieses willkürliche Verwaltungshandeln protestiert. (Mehr dazu hier.) Sie haben Recht. Stadt Bochum – hört auf, mit unserer Zukunft und dem Leben unserer Familien zu spielen!«

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und dem Leben unserer Familien!" vorhanden:

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30. Jun. 2016, 09:33 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas:

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um eine “Bestrafungsaktion” handelt für die die Menschen, die die Turnhalle besetzt hatten.
So nach dem Motto “wenn ihr zu aktiv seid und euch zu wenig im Lager aufhaltet, dann dauert das ganze Verfahren für euch eben noch länger”.

Auf der anderen Seite glaube ich ja fest an die Inkompetenz der Bochumer Verwaltung. Ich kenne eine andere Unterkunft, in der die Leute auch ohne Rücksicht auf die Verweil-bzw Ankuftsdauer dort dem BAMF “zugeführt” werden, was zu großem Unmut bei den BewohnerInnen führt.

Andere Ruhrgebietsstädte bekommen das deutlich besser auf die Reihe.

Mittlerweile ist es übrigens so, dass der Anhörungstermin sehr zeitnah nach der Asylantragsstellung erfolgt. D.h., dass die Menschen sich rechtzeitig auf die Anhörung vorbereiten müssen.

Wenn es keine anwaltliche Vertretung gibt, dann gibt es hier: http://www.asyl.net/index.php?id=337
Informationsblätter zur Anhörung in div. Sprachen.


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