Samstag 14.05.16, 09:17 Uhr
An der RUB wird nach der Wissenschaftlichkeit von Theologie gesucht

1,6 Millionen Euro für Forschung?

Die Kölner Gruppe der Giordano-Bruno-Stiftung  schreibt im Humanistischen Pressedienst: »Vor wenigen Tagen war bei domradio.de zu lesen: “Uni Bochum erforscht Wissenschaftlichkeit katholischer Theologie”. Offensichtlich erhält die katholische Theologie an der Universität Bochum im Laufe der nächsten fünf Jahre 1,6 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), um Einwände gegen ihre Wissenschaftlichkeit zurückzuweisen. Zunächst einmal ist es ja durchaus begrüßenswert, dass die katholische Theologie nach Jahrhunderten des Festhaltens an überkommenen Thesen und Dogmen anfängt, über ihre eigene Wissenschaftlichkeit nachzudenken. Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit für jeden Wissenschaftszweig, dass man ständig seine eigenen Grundlagen auf ihre Tragfähigkeit überprüft. Bei der Theologie scheint das aber eine vollkommen neue Idee zu sein. In Wahrheit ist es aber wohl eher eine Reaktion auf den von allen Seiten gegen sie aufkommenden Druck.

Ergebnisoffenheit?
Wissenschaftliche Untersuchungen, wenn sie als solche ernst genommen werden sollen, genügen den beiden Mindestanforderungen: Neutralität und Ergebnisoffenheit.
Wie aber soll dies gewährleistet sein, wenn man sich selbst beurteilt?
Eine wirklich ergebnisoffene Arbeit wird offenbar aber auch gar nicht erst angestrebt. So ist in der offiziellen Beschreibung des Projekts auf den Seiten der DFG zu lesen:

Das Ziel der Nachwuchsgruppe besteht darin, die in der gegenwärtigen Debatte vonseiten des Naturalismus und der analytischen Wissenschaftstheorie vorgebrachten Einwände gegen die Wissenschaftlichkeit der katholischen Theologie zu strukturieren, zu evaluieren und, durch das Entwickeln einer allgemein anschlussfähigen Wissenschaftstheorie der katholischen Theologie, zurückzuweisen.

Erklärtes Ziel ist also die Zurückweisung von Einwänden gegen die Wissenschaftlichkeit der Theologie und nicht die ergebnisoffene Untersuchung des Problems.

Weiter steht im Artikel von domradio.de:

Sollte sich zeigen, dass katholische Theologie keine Wissenschaft ist, muss laut Göcke auch die Rolle der Theologie an der Universität neu überdacht werden. “Theologische Fakultäten samt ihrer Abschlüsse liefen dann Gefahr, aus dem universitären Kanon ausgeschlossen zu werden.” Dagegen müsste im Fall einer positiven Bilanz geprüft werden, welche konfessionsgebundenen theologischen Fakultäten zusätzlich zu den bereits bestehenden Fakultäten an staatlichen Universitäten neu eröffnet werden sollten, erklärte der Theologe.

Wenn als Ergebnis der Untersuchung tatsächlich herauskommen sollte, dass es mit der Wissenschaftlichkeit nicht weit her ist und daher die Theologie von den Universitäten verschwinden sollte, würde das an ein Wunder grenzen, denn das Ergebnis steht ja offensichtlich schon jetzt fest: Die Theologie ist die Mutter aller Wissenschaften und sollte noch intensiver als bisher an den Universitäten betrieben werden.

Der Skandal liegt bei der DFG
Dass es der katholischen Theologie und der katholischen Kirche mehr um Macht und Geld geht, als um das Wohl der Gläubigen und das Streben nach Wahrheit, ist nichts Neues. Von daher ist es keine Überraschung, wenn versucht wird, so viel Geld wie möglich für die eigenen Leute und Zwecke einzufordern.

Der Skandal liegt also vielmehr bei dem Förderer, der DFG. In der Regel prüft die DFG sehr genau, welche Forschungsgruppen für welche Projekte Fördermittel bekommen. In diesem Fall muss wohl die Kirchenlobby ihre Hand im Spiel gehabt haben, denn unter rationalen Gesichtspunkten hätte man die Fördermittel an eine neutrale Gruppe geben müssen (z.B. einer Gruppe im Bereich der allgemeinen Philosophie), bei der durchaus auch Vertreter der Theologie hätten beteiligt werden können. So aber macht man den Bock zum Gärtner.

Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und mit 1,6 Millionen Euro ausgestattet. Ein durchschnittlich begabter Philosoph bzw. Wissenschaftstheoretiker bräuchte keine Stunde, um glasklar darzulegen, dass die Theologie eine Pseudowissenschaft ist.

Davon abgesehen ist das Thema bereits erschöpfend in Artikeln und Büchern (wie z.B. “Der Dogmenwahn“) abgehandelt worden.

Da die Theologen so erfolgreich waren mit ihrem Antrag, würden wir der “Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters” dringend empfehlen, auch einen Förderantrag bei der DFG zu stellen. Sie hätte schließlich exakt dieselben Argumente, um ihre Wissenschaftlichkeit nachzuweisen.«


Nachtrag (13.05.2016): Die GBS-Regionalgruppe Köln hat gestern einen Offenen Brief an die DFG veröffentlicht.

 
 
 
 


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