Dienstag 15.03.16, 12:13 Uhr
Zivilisierungsfortschritt beim Gänsereiten

Kopf-ab nur noch bei Attrappen

Die Stadt Bochum will den Gänsereiter-Clubs die Verwendung von Attrappen statt echter Gänse vorschreiben. Das teilt das Deutsche Tierschutzbüro mit. In der Mitteilung heißt es: »Im Februar 2016 beantragte das Deutsche Tierschutzbüro eine einstweilige Verfügung (16 L 221/16) gegen das Gänsereiten in Bochum. Bei diesem Reiterwettstreit wird einer zuvor getöteten Gans vor den Augen der Zuschauer der Kopf abgerissen. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen lehnte den Antrag des Tierschutzvereins zwar mit der Begründung ab, dass dieser zu kurzfristig (vor der Veranstaltung) einging und das Gänsereiten fand wie gewohnt statt. Die Richter in Gelsenkirchen bestätigten aber in der Begründung ihres Beschlusses die Einschätzung des Deutschen Tierschutzbüros, dass die Tötung der Gänse vor dem Gänsereiten „wohl nicht in erster Linie“ dem späteren Verzehr dient, sondern der Reitwettstreit „wohl der eigentliche Kern der Veranstaltung“ ist. Das bedeutet, dass kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes die Tötung der Gans rechtfertigt.
Rechtsanwalt Rolf Kemper, der das Deutsche Tierschutzbüro vertritt, beantragte in dieser Angelegenheit nun beim Ordnungsamt der Stadt Bochum Akteneinsicht. Daraufhin gab dieses bekannt, dass die Stadt aufgrund des Beschlusses des Verwaltungsgericht Gelsenkirchen das Gänsereiten im kommenden Jahr in der bisherigen Form verbietet. „Damit folgt das Ordnungsamt nun endlich unserer Forderung“ so Jan Peifer, Gründer Deutsches Tierschutzbüro.
Sollten die Gänsereiter-Clubs Sevinghausen und Höntrop im nächsten Jahr nicht freiwillig auf Gänse-Attrappen für den Wettstreit zurückgreifen, wird dies per Ordnungsverfügung angeordnet. Ein entsprechendes Schriftstück werde bereits vorbereitet, heißt es in einer Email des Bochumer Ordnungsamts.«

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18. Mrz. 2016, 14:19 Uhr

LeserInnenbrief von tierbefreier:

..die Stadt ist ja noch am selben Tag umgehend zurück gerudert.

Lustig was die sogenannten Grünen (das was manchmal nicht nur im Herbst Braun ist) von sich geben:
Die Wattenscheider Grünen schreiben bei Facebook, man sei nicht für Verbote, freiwilliger Verzicht auf tote Tiere sein angesagt.

Das es sich bei der Tierleichenfledderei um einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetzt handelt, is denen egal. Aber man mag ja neuerdings auch Freihandelsabkommen etc.

Die Stadt Bochum dagegen verwundert nicht: In schöner Kontinuität passiert NICHTS, da hat man wohl Angst vor dem Wattenscheider Wähler… (der ja generell schon weniger (s)PD wählt, als der Bochumer.

Gegen Käfige und Knäste – gegen Staat und Kapital
Für die Befreiung aller fühlenden Lebewesen!


 

19. Mrz. 2016, 00:59 Uhr

LeserInnenbrief von Jakob Spatz:

Nun, die Grünen als eine naturverbundene Partei hätten ja nun auch den Standpunkt einnehmen können, dass, wer oder welche Fleisch essen will, mit eigenen Händen töten soll. Noch bis Ende der 60er jahre war dies im ländlichen Raum – Wattenscheid, b.V. – der Normalfall, bis “Hausschlachtungen” schließlich verboten wurden. Und irgenwie ist es ja auch richtig. Wer nicht töten kann oder will, der oder die soll auch kein Fleisch essen.
Zu den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie in D´land siehe die vorletzte Wildcat.


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