Donnerstag 29.10.15, 16:35 Uhr

Hannes Bienert – Nachrufe

Serdar Yüksel hat auf seiner facebook-Seite mitgeteilt, dass am Freitag nächster Woche ein Abschiednehmen von Hannes Bienert organisiert wird: »Sehr traurig über den Tod meines Freundes und Genossen Hannes Bienert: Ein altes Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch verstarb der aufrechte Antifaschist und Friedenskämpfer Hannes Bienert im Alter von 87 Jahren. Ein Leben lang fühlte er sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges dem Schwur von Buchenwald verbunden: Nie wieder Krieg nie wieder Faschismus! Alle Weggefährten, Freunde und Mitstreiter sind herzlich eingeladen , nächste Woche Freitag am 6. November in der Zeit von 17.00 bis 20:00 Uhr in der Lieselotte Rauner Schule in Wattenscheid Mitte Abschied von ihm zu nehmen.«

Die Linke Bochum:
»Hannes Bienert ist in der Nacht zum Mittwoch, den 28.10., im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war Gründungsmitglied und Sprecher der Antifa Wattenscheid und im Besonderen durch seine Reden zum Gedenktag der deportierten Wattenscheider Jüd*innen jährlich am 9. November bekannt.
“Die Linke in Bochum erklärt den Angehörigen und FreundInnen von Hannes Bienert ihr tiefes Beileid.
Mehriban Özdogan, Mitglied des Kreisvorstandes in Bochum, dazu: ‘Ich bin tief erschüttert über den plötzlichen Tod von Hannes Bienert. Seit meiner frühen Kindheit in Bochum-Wattenscheid war Hannes mein politischer Ziehvater und Vorbild. Sein Mut sich den Faschisten entgegenzustellen und seine große Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft, haben mir schon damals imponiert. Hannes Bienerts Tod hinterlässt eine Lücke, die nicht geschlossen werden kann.’
Die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen, die seit Jahren an den Ostermärschen mit Hannes Bienert unter anderem als Rednerin teilnahm, fügt hinzu: ‘In tiefer Trauer habe ich den Tod von Hannes Bienert zur Kenntnis nehmen müssen. Hannes Bienert hat nicht nur den jährlichen Ostermarsch vor der Friedenskirche in Wattenscheid organisiert. Er hat auch eindrücklich die örtliche Kommunalpolitik durch sein beharrliches und hartnäckiges Engagement für eine antifaschistische Stadtpolitik geprägt.
Die pointierte Losung von Max Horkheimer, “Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.”, war für ihn Verpflichtung. So erklärte er auf den Ostermärschen, wieso der Kapitalismus nicht friedensfähig ist und kämpfte gegen soziale Ungerechtigkeiten und für den Frieden. Unsere persönlichen Begegnungen schätze ich sehr, wegen seiner Entschlossenheit, seines Humors und seiner Erfahrungen. Ich verneige mich vor einem Mann, der sein Leben lang aufrecht gegangen ist.’
Amid Rabieh, Sprecher der Linken Bochum, ergänzt: ‘Hannes Bienert hinterlässt ein großes Vermächtnis. Sein Leben lang war er überzeugter Antifaschist. Die Linke Bochum sieht sein Schaffen als Verpflichtung, es ihm gleichzutun. Nie dürfen wir schweigen, wenn faschistische Kräfte mobil machen, nie zurück weichen, wenn Nazis und Rassisten versuchen die Stimmung in Bochum mit ihren Hetzparolen zu vergiften. Im Namen der Bochumer Linken spreche ich den Angehörigen unser tiefes Beileid aus und bringe unsere tiefe Trauer zum Ausdruck.’”«

VVN – BdA:
»Unser langjähriger Kamerad Hannes Bienert ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Verlust schmerzt unermesslich, die Lücke ist groß.
Hannes Bienert, 1928 in Beuthen (Bytom) geboren, erlebte als Kind und Jugendlicher das Naziregime, den Krieg und die Flucht nach Wattenscheid. Die Erkenntnis „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg“ wurde mit großer Konsequenz zur Richtschnur für sein politisches Leben. Geprägt wurde er auch durch die Arbeit auf der Zeche Holland. Seine politische Arbeit richtete sich gegen die Remilitarisierung, den Kalten Krieg und die Aufrüstung. Als Mitglied der KPD wurde Hannes Bienert mehrfach von der Justiz verfolgt und 1957 ins Gefängnis gesperrt.
Von Anfang an gehörte Hannes zu den Organisatoren des Ostermarsches im Ruhrgebiet, auch dem anwachsenden Neonazismus setzte er seinen Widerstand entgegen. Dabei suchte er immer die Gemeinschaft mit anderen. Oft gelang es ihm, auch politisch Andersdenkende zum Kampf gegen den Faschismus und für den Frieden zu gewinnen. 1968 gehörte er zu den Gründern der DKP in Wattenscheid und war jahrelang deren Vorsitzender. Sein antifaschistisches Engagement führte ihn in die Reihen der VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Hannes setzte sich zusammen mit vielen anderen für die Schließung der NPD-Landeszentrale in Wattenscheid ein und protestierte gegen die NPD-Landesparteitage in Wattenscheid.
Auf Initiative von Hannes Bienert entstand vor 25 Jahren die Antifa-Wattenscheid. Fortan gehörte das jährliche Gedenken an die Shoa und die Reichspogromnacht 1938 am 9. November zur festen Einrichtung in Wattenscheid. Die Gedenkstelen auf dem Nivellesplatz und die Umbenennung des Wattenscheider Rathausplatzes in „Betti-Hartmann-Platz“ sind untrennbar mit seinem Namen verbunden.
Mehrfach wurde Hannes Bienert und seine Familie Opfer von Nachstellungen und Provokationen von Neofaschisten. Im Jahr 2005 belegte ein Bochumer Gericht sein Engagement in einem skandalösen Urteil mit einer Geldstrafe.
Hannes Bienert war immer auch der Internationalen Solidarität verpflichtet. Als „Väterchen Frost“ besuchte er zum Beispiel Einrichtungen von Flüchtlingen und beschenkte deren Kinder mit vorher bei Geschäftsleuten gesammelten Spielzeug und Süßigkeiten. Hannes hatte noch eine ganz Reihe von Plänen. So arbeitete er an einem „Antifaschistischen Stadtplan Wattenscheid“ und war schon aktiv, einen Platz oder eine Straße nach Wattenscheids erstem Oberbürgermeister Hans Noll (KPD) benennen zu lassen.
Hannes Bienert ist gestorben. Wir werden einen streitbaren Freund, konsequenten Pazifisten und Antifaschisten in Erinnerung behalten. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Burgis, seiner Tochter Nadine und den weiteren Angehörigen.«

Andreas Maluga, DDR Kabinett:
»Gestern morgen erreichte mich die traurige Nachricht, das mein Freund, langjähriger Genosse, Sprecher der ANTIFA-Wattenscheid und Gründungsmitglied des DDR-Kabinett-Bochum e.V., Hannes Bienert, im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Alle die Hannes näher kannten, wissen wie engagiert und konsequent sich Hannes in die kommunistische und antifaschistische Bewegung, bis zum letzen Tag, eingebracht hat. Unvergessen sein Einsatz auch in der Ostermarschbewegung und der Wattenscheider Etappe beim Ostermarsch Ruhr.
Wie gerne hätte er noch einmal am 9. November auf der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Shoah in Wattenscheid gesprochen. Die durch seine Eigeninitiative, an der Stelle der ehemaligen Wattenscheider Synagoge, errichteten Stelen waren sein Lebenswerk. Ebenso das kurz vor dem Abschluss befindliche Projekt eines “Antifaschistischen Stadtplans”. Das ist nicht mehr möglich. Jedoch: Unser Kampf geht weiter und unsere Sache wird siegen. Lasst uns all unsere Kraftzusammen nehmen und das Werk, das Hannes Bienert begonnen hat, zuende bringen.«

Siehe auch den Nachruf der Antifa Wattenscheid.

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6. Nov. 2015, 22:35 Uhr

LeserInnenbrief von Willi Hoffmeister:

Die Schwachen kämpfen nicht.
Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang.
Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.
Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.
Diese sind unentbehrlich.
Diese Worte von Bert Brecht, Liebe Burgis, liebe Angehörige, verehrte Trauergäste…” drängen sich mir mit dem Tod Deines Mannes, Eures Vaters und Großvaters, ja unseres Hannes in den Sinn.Der größte Schmerz beim dahinscheiden eines lieben Menschen trifft immer seine nächsten – seine Familie. Der Tod hat Hannes aus der Mitte eurer Familie gerissen. Es bleibt eine Lücke.
Aber Hannes Bienert war nicht nur der sorgende Familienvater. Hannes Bienert, unser Hannes, war ein Mensch, der wie man so sagt, mitten im Leben stand. Er war in Wattenscheid weder zu überhören noch zu übersehen. Sein Wirken vor allem vor Ort war stets gegen das Vergessen gerichtet. Er wehrte sich mit allen Kräften dagegen das die von ihm selbst miterlebte Geschichte, die Verbrechen des faschistischen Deutschland, im Dunkel der Vergangenheit versinken.
Aus dieser Sorge und dem miterleben müssen, dass, das eben erst überwunden geglaubte bereits kurz nach dem Ende des verbrecherischen zweiten Weltkrieges, an dem er selbst als noch nicht einmal 16jähriger, aktiv beteiligt wurde, in Grundzügen restauriert wurde und die nazistischen Wurzeln nicht endgültig ausgerottet wurden, organisierte er sich links. Er wurde zum unerbittlichen Antifaschisten und Pazifisten.
Ich kannte Hannes aus verschiedenen Begebenheiten vergangener Jahre. Wir hatten die gleiche politische Heimat und doch hat uns beide die Ostermarsch Bewegung erst enger zusammen geführt. Hannes war in der Organisierung des frühen Ostermarsches Ruhr ab den 1960ziger Jahren viel stärker verankert als ich.
Mit der Umplanung der Ostermarschstrecke in den 1990ziger Jahren am jeweiligen Ostersonntag vom Fußmarsch zur Fahrraddemonstration verfestigte sich der Zwischenstopp In Wattenscheid an der Friedenskirche/Bebelplatz und wurde nicht zuletzt Dank Hannes, seiner Mitstreiter/innen und seiner Enkelin Leonie ein Ort der körperlichen und geistigen Kräftigung.
Das er auch zu kritischen Zeiten seinen guten Schuss Humor nicht verlor zeigt vielleicht ein Ausspruch vom Ihm beim Ostermarsch 1999 kurz nach dem NATO Überfall auf Jugoslawien:
“Heute ist die Serbische Bohnensuppe etwas angebrannt“.
Die letzten Jahre zehrten auch an seinen Kräften. In einer unserer Gespräche über alter und Gesundheit sagte er mir:
„So lange ein Mensch noch ein Ziel vor Augen hat, das er erreichen muss, noch eine Aufgabe vor sich sieht die er unter Einsatz all seiner Kräfte lösen muss, so lange ist er nicht wirklich alt.“
Mit den Worten: „Liebe OM-Bikerinnen und Biker, liebe Wattenscheider Freunde, Gäste und Genossen,
mit der Losung des OM Rhein Ruhr 2015 „Kriege Stoppen – Atomwaffen Ächten – Zivile Lösungen Schaffen“ begrüße ich Euch im Namen der ANTIFA WAT ganz herzlich!“
begann seine Rede bei der Ankunft des Fahrradcorsos in diesem Jahr.
Es war seine letzte Begrüßung.
Die Ostermarschbewegung Rhein Ruhr trauert um Hannes Bienert. Wir haben einen unermüdlichen, unbestechlichen, den aufrechten Gang gehenden Friedensaktivisten verloren.
Ich bin dankbar dafür so viele Jahre gemeinsam mit ihm für unsere gute Sache, für das Leben gegen Ungerechtigkeit und Krieg habe kämpfen zu dürfen.
Hannes war auch in seiner manchmal etwas knorrigen Art ein Lehrmeister für die Bewegung
Es wird viel Kraft kosten diese Lücke auch nur annähernd zu schließen und bin froh darüber, das unser Friedensfreund Felix den von Hannes hinterlassenen Stab schon mal ergriffen hat..
Es sei mir erlaubt zum Abschluss als letzten Gruß und im Gedenken an unseren Antifaschisten und Friedensaktivisten Hannes Bienert noch einen Auszug aus „Nie wider Krieg, Frieden mit Russland“ Bert Brecht 1952, zu zitieren:
Und doch wird nichts mich davon überzeugen,
dass es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen.
Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde!
Lasst uns die Warnungen erneuern,
und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!
Denn der Menschheit drohen Kriege,
gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind,
und sie werden kommen ohne jeden Zweifel,
wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten,
nicht die Hände zerschlagen werden.


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